Artcraft: Kostenlose Adobe-Alternativen mit KI programmiert – noch unfertig

Der Entwickler Brandon Thomas und sein kleines Team haben mit Hilfe von Anthropics Claude Nachbauten von Photoshop, Premiere, Lightroom und weiteren Adobe-Programmen geschrieben. Die Programme sind kostenlos und quelloffen. Erste Tests zeigen aber deutlich: Artcraft ist noch eine Alpha-Version und ersetzt Adobe im Berufsalltag bislang nicht.

Tools 6. Nov. 2026 5 Min. Lesezeit Quelle: t3n – KI (DE)
Symbolbild, KI-generiert

Worum es geht

Wer beruflich mit Bildern, Videos oder Grafik arbeitet, kommt an Adobe kaum vorbei. Das ist teuer: Das Pro-Abo der Creative Cloud mit Photoshop, Premiere und dem Bildgenerator Firefly kostet Einzelpersonen laut t3n rund 78 Euro im Monat. Das Projekt Artcraft soll eine kostenlose Alternative bieten. Die Programme sind quelloffen, also Open Source (jeder kann den Programmcode einsehen, verändern und weitergeben), und laufen unter Windows, macOS und Linux.

Hinter Artcraft steht der Software-Entwickler Brandon Thomas. Laut dem japanischen Blog-Bericht auf note.com war er zuvor CEO von Storyteller.ai, der Firma hinter dem Stimmen-Dienst „FakeYou“. t3n zufolge arbeitet er mit einem vierköpfigen Team. Bekannt wurde das Projekt, als Thomas in einer Diskussion auf Hacker News behauptete, er habe Photoshop mit Hilfe von KI in einer einzigen Sitzung nachgebaut. Die Besonderheit: Den Großteil des Codes hat nach Angaben des Teams eine KI geschrieben, nämlich Anthropics Claude. t3n nennt konkret Claude Opus 5.5.

Die Programme im Überblick

Die Namen der Programme lehnen sich deutlich an die Adobe-Vorbilder an. Auch die Bedienoberflächen sind laut shiftdelete.net bewusst ähnlich aufgebaut, damit Umsteiger sich schnell zurechtfinden. Wie weit die einzelnen Programme sind, hat der Autor des note.com-Berichts (Stand: 22. Oktober 2026) selbst ausprobiert:

Artcraft-Programm Vorbild Stand und Einschränkungen
PhotoCraft Photoshop Frühe Alpha, öffnet und speichert PSD/PSB, kein HEIC
VectorCraft Illustrator In Entwicklung, öffnet und speichert .ai-Dateien
FilmCraft Premiere Pro In Entwicklung, öffnet keine .prproj-Projekte
LightCraft Lightroom In Entwicklung, liest manche RAW-Dateien nicht direkt
EffectCraft After Effects In Entwicklung, öffnet keine .aep-Dateien
DesignCraft InDesign In Entwicklung
PdfCraft / PrintCraft Acrobat Pro Frühe Alpha, Windows-Version mit Fehlern

Das PDF-Programm heißt je nach Quelle PrintCraft oder PdfCraft. Laut note.com sind außerdem Nachbauten von Figma, Word, Excel und PowerPoint in Arbeit. Installiert wird über den „ArtCraft Launcher“ von der offiziellen Website getartcraft.com, mit dem sich die einzelnen Programme auswählen lassen. Viele davon gibt es zusätzlich als Browser-Version. Laut trak.in funktionieren einige Programme ohne Konto und ohne Internetverbindung, also ohne die Cloud-Anbindung, die Adobe vorschreibt.

Eine Besonderheit nennt note.com: Die Programme sind so gebaut, dass KI-Agenten sie steuern können, also KI-Programme, die selbstständig mehrere Arbeitsschritte erledigen. FilmCraft lässt sich zum Beispiel über mehr als 650 Befehle von außen bedienen.

Wie das Projekt entstanden ist

Geschrieben sind alle Programme in Rust. Diese Programmiersprache gilt als schnell und als sicher im Umgang mit dem Arbeitsspeicher, typische Absturz- und Sicherheitsfehler lassen sich damit vermeiden. Thomas betont laut t3n, es sei kein reines Vibe-Coding-Projekt. Mit Vibe-Coding ist gemeint, dass jemand die KI einfach machen lässt, ohne den Code zu verstehen. Thomas verweist auf 15 Jahre Erfahrung in der Softwareentwicklung und mit großen Rust-Projekten.

Trak.in zufolge bezeichnet das Projekt seine Programme als Clean-Room-Nachbauten. Das bedeutet: Die Funktionen werden nachgebaut, ohne den Originalcode zu kopieren. Laut Futurism (zitiert bei t3n) will Artcraft Adobes Software durch Reverse Engineering nachbilden, also durch Analyse von außen herausfinden, wie sie funktioniert. Herauskommen soll ein gleichwertiges Produkt ohne Abo und Cloud-Zwang.

Persönliche Gründe spielen offenbar auch eine Rolle. In einem Reddit-Beitrag schreibt Thomas, Adobe habe ihm mehrfach eine Stornogebühr berechnet und er „hasse“ das Unternehmen seitdem. Laut dem österreichischen Standard sieht er Artcraft als Beginn eines neuen Zeitalters, in dem jeder seine eigenen Alternativen zu kommerzieller Software bauen und anpassen kann. Die Programme stehen unter den freien Lizenzen MIT oder Apache-2.0.

Was Tests zeigen

Die Begeisterung ist groß. Auf Reddit heißt es etwa: „Ich habe es kurz ausprobiert. Absolut fantastisch.“ Unabhängige Tests sind deutlich zurückhaltender. Das britische Designmagazin Creative Bloq kam laut note.com zu dem Schluss, die Programme seien „nicht stabil oder vollständig genug, um bestehende Software zu ersetzen“. Trak.in berichtet von Problemen in PhotoCraft beim Auswählen von Objekten und beim Speichern. FilmCraft fehlten grundlegende Funktionen für den Videoschnitt.

note.com nennt weitere Schwächen:

  • Projekte aus Premiere und After Effects lassen sich nicht öffnen, frühere Arbeiten kann man also nicht übernehmen.
  • 4K-Videoschnitt läuft ziemlich schwerfällig.
  • Plugins (Erweiterungen von Drittanbietern) funktionieren nicht.
  • Es gibt keinen Support auf Unternehmensniveau.
  • Umwandlungen wie PDF zu Word klappen noch nicht gut.

Thomas sagt selbst, es werde noch einige Monate dauern, bis 99 Prozent der Funktionen abgedeckt sind. Die Pressemitteilung-artige Darstellung bei shiftdelete.net liest sich dagegen, als seien die Programme bereits leistungsfähige Profiwerkzeuge, die auch bei aufwendigen Aufgaben flüssig laufen. Die Praxistests bestätigen das nicht.

Rechtliche Fragen

Offen ist, wie Adobe reagiert. Die Programme ähneln den Originalen in Namen, Oberfläche und Funktionen stark. Trak.in weist darauf hin, dass die Bezeichnung „Clean Room“ allein nicht jede rechtliche Frage klärt, etwa zum Schutz von Oberflächen oder Marken. Eine Reaktion von Adobe ist in den Quellen nicht dokumentiert.

Einordnung

Artcraft zeigt vor allem, wie weit KI-gestütztes Programmieren inzwischen ist. Ein kleines Team baut in kurzer Zeit eine ganze Programmsammlung, die PSD- und AI-Dateien öffnet und auf drei Betriebssystemen läuft. Vor wenigen Jahren hätte das große Entwicklerteams gebraucht.

Eine Oberfläche nachzubauen, ist allerdings der leichtere Teil. Schwierig sind zuverlässiger Umgang mit vielen Dateiformaten, Stabilität, Barrierefreiheit und Pflege über Jahre. Genau daran entscheidet sich, ob Profis einer Software ihre bezahlten Aufträge anvertrauen. Ungeklärt ist außerdem, wie gut sich ein großer, überwiegend von KI geschriebener Code langfristig warten lässt.

Wer beruflich mit Adobe arbeitet, sollte sein Abo vorerst nicht kündigen. Darin sind sich die Tests einig. Für gelegentliche Bild- oder PDF-Bearbeitung und für Neugierige lohnt sich ein Blick. Ausgereifte Alternativen wie DaVinci Resolve oder Affinity sind laut trak.in derzeit die praktischere Wahl. Ob Artcraft mehr wird als ein beeindruckender Prototyp, zeigt sich in den nächsten Monaten.

Videos zum Thema

ArtCraft: Free Adobe Alternative, But Can You Trust It? Glyn Dewis · YouTube
Art Craft Cloned Adobe Creative Cloud and Made it Open Source Mental Outlaw · YouTube

Quellen

#open source#adobe#claude#ki-programmierung#bildbearbeitung
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