Baidu veröffentlicht ERNIE 5.5 Flash Base: 280-Milliarden-MoE mit offenen Gewichten

Baidu hat sein neues Basismodell ERNIE 5.5 Flash Base ohne große Ankündigung auf Hugging Face gestellt. Das MoE-Modell hat 280 Milliarden Parameter, von denen pro Token nur 14 Milliarden rechnen. In Baidus eigenen Tests schlägt es gleich große Konkurrenten von DeepSeek, Tencent und Xiaomi. Als Chatbot taugt es aber noch nicht: Es ist ein Rohmodell für Entwickler.

Modell-Releases Selbst ausprobieren 5. Nov. 2026 6 Min. Lesezeit Quelle: Reddit r/LocalLLaMA
Symbolbild, KI-generiert

Worum es geht

Der chinesische Suchmaschinen- und KI-Konzern Baidu hat am 5. November 2026 sein neues Sprachmodell ERNIE 5.5 Flash Base (chinesisch: 文心5.5 Flash Base) als Open-Weight-Modell veröffentlicht. Die Gewichte stehen frei bei Hugging Face unter baidu/ERNIE-5.5-Flash-Base. Dazu gibt es eine Release-Seite auf ernie.baidu.com. Wie bei vielen chinesischen Veröffentlichungen kam das Modell vor der Erklärung. Laut einer Analyse des API-Anbieters OrcaRouter wurde das Repository schon am 21. Oktober angelegt. Zwischen dem 2. und 3. November kamen 128 Gewichtsdateien im FP8-Format hinzu, am 4. November die Architektur- und Benchmark-Grafiken. Eine Pressemitteilung oder Launch-Veranstaltung gab es nicht.

Wichtig ist das Wort „Base“: Das Modell ist ein Basismodell, also der Stand direkt nach dem Vortraining. Es wurde noch nicht darauf trainiert, Anweisungen zu befolgen oder zu chatten. Es setzt vorhandenen Text fort, so wie die Autovervollständigung auf dem Handy, nur viel leistungsfähiger. Die Zielgruppe sind Entwickler und Firmen, die darauf eigene, spezialisierte Modelle aufbauen wollen.

Die Eckdaten

ERNIE 5.5 Flash Base nutzt eine Mixture-of-Experts-Architektur (MoE). Das Modell besteht aus vielen spezialisierten Teilnetzen, den „Experten“. Für jedes Wort wird nur eine kleine Auswahl davon befragt, ähnlich wie in einer großen Klinik, in der nicht jeder Arzt jeden Patienten sieht. Laut Baidu und OrcaRouter gilt:

Merkmal Wert
Parameter gesamt 280 Mrd.
Aktiv pro Token 14 Mrd.
Trainingsdaten 33,5 Billionen Tokens, von Grund auf trainiert
Schichten 43 (1 dichte FFN-Schicht, 42 MoE-Schichten)
Experten 512, davon 10 pro Token aktiv, plus 1 gemeinsamer Experte
Vokabular 201.216 Tokens
Kontext Training bis 128K (131.072), Konfiguration bis 1.048.576 Tokens
Sprachen/Modalität nur Text, Englisch und Chinesisch
Formate FP8 und BF16

Der Kontext ist die Textmenge, die das Modell auf einmal überblicken kann. Eine Million Tokens entsprechen grob mehreren dicken Büchern. Gesehen hat das Modell im Training aber nur 128.000 Tokens. Die längere Länge ist erst für Feintuning und Inferenz vorgesehen, ob sie in der Praxis gut funktioniert, muss sich noch zeigen.

Was technisch neu ist

Laut dem chinesischen Fachportal Leiphone steht beim Design die Effizienz im Mittelpunkt. Je länger die Texte, desto mehr Rechenzeit und Grafikspeicher kosten sie. Baidu nennt mehrere eigene Verfahren:

  • Latent-Gated Sparse Attention: Die Attention ist der Mechanismus, mit dem das Modell entscheidet, welche früheren Textstellen gerade wichtig sind. Baidu kombiniert zwei Varianten: 37 Schichten mit stark komprimierter Attention (HCA), die die Vorgeschichte zusammenfassen, und 6 Schichten mit MLA und sparsamer Attention, die gezielt auf einzelne frühere Stellen zugreifen. Dazu kommt eine „Low-Rank Gated Attention“. Sie nutzt vorhandene, verdichtete Zwischenwerte und spart so 75 Prozent der Gewichte für die sogenannte Gate-Projektion ein. Eine „Virtual Head Attention“ soll die Qualität verbessern und kostet bei der Inferenz kaum zusätzliche Rechenzeit.
  • Multi-Router Latent MoE: Normalerweise wählt ein einzelner „Router“ aus, welche Experten zum Zug kommen. Bei ERNIE entscheiden mehrere unabhängige Router gemeinsam. So soll eine einzelne Fehleinschätzung weniger ins Gewicht fallen, während Rechenaufwand und Kommunikation gleich bleiben.
  • ECHO: Viele Modelle lernen mit einem zusätzlichen Baustein, mehrere Tokens im Voraus vorherzusagen (Multi-Token Prediction, MTP). Baidu verwendet dafür laut Leiphone stattdessen die letzte Schicht des Modells selbst. Sie soll beim Planen helfen und so vor allem Logik- und Programmieraufgaben verbessern. Dieselbe Schicht kann außerdem als Entwurfsmodell für spekulatives Dekodieren dienen: Dabei schlägt ein schneller Helfer mehrere Wörter vor, und das große Modell prüft sie nur noch. Das beschleunigt die Ausgabe. OrcaRouter erwähnt allerdings zusätzlich einen 0,36 Mrd. Parameter großen MTP-Kopf, der in keiner der Parameterzahlen enthalten ist. Wie das genau zusammenpasst, geht aus den Quellen nicht klar hervor.
  • Trainings-Infrastruktur: Baidu hat außerdem den verteilten Muon-Optimierer überarbeitet, ein Verfahren, das die Gewichte im Training anpasst. Dazu kommt ein neuer Attention-Rechenkern namens FlashMask-4.

Benchmarks: stark, aber vom Hersteller gemessen

Baidu vergleicht sein Modell mit drei ähnlich großen Basismodellen aus China: DeepSeek-V4-Flash-Base (284 Mrd., 13 Mrd. aktiv), Tencents Hy3-preview-Base (295 Mrd., 21 Mrd. aktiv) und Xiaomis MiMo-V2.5-Base (310 Mrd., 15 Mrd. aktiv). Laut OrcaRouter liegt ERNIE bei 24 von 30 Tests vorn. Einige Beispiele:

Benchmark ERNIE 5.5 Flash Base Vergleichswert laut OrcaRouter
MMLU-Pro (Wissen) 78,4 69,2
HumanEval+ (Code) 82,3 69,5
RepoQA (Code-Verständnis) 91,7 81,0

Verloren hat ERNIE unter anderem bei ChineseSimpleQA, HELMET-Rerank und InfiniteBench gegen DeepSeek sowie bei FullStackBench und BBH mit Gedankenkette gegen Hy3. Weitere genannte Werte sind MMLU 93,3, GPQA 60,2 (5-shot) und LiveCodeBench 40,1 (Pass@1).

OrcaRouter warnt vor falschen Vergleichen. Der LiveCodeBench-Wert von 40,1 klingt neben den 91,9 von Alibabas fertigem Modell Qwen 3.8 Flash schwach. Das eine ist aber ein untrainiertes Basismodell, das andere ein vollständig nachtrainiertes Produkt, das zudem auf einer neueren Version des Benchmarks gemessen wurde. Baidus Tabelle ist in sich vergleichbar, weil alle Modelle mit denselben Prompts und Einstellungen getestet wurden. Unabhängig nachgeprüft hat sie bisher aber niemand.

Verfügbarkeit, Lizenz und Betrieb

Die Gewichte stehen unter der „ERNIE 5.5 Flash Base Model License Agreement v1.0“. Das ist eine eigene Lizenz, die man laut OrcaRouter vor einem kommerziellen Einsatz vollständig lesen sollte. Eine API gibt es bisher nicht: Die Preisliste von Baidus Cloud-Plattform Qianfan führt ERNIE 5.5 noch nicht auf. Für den Betrieb liefert Baidu fertige Rezepte mit. Zum einen gibt es ein SGLang-Image (lmsysorg/sglang:dev-ernie-55-flash) mit Tensor-Parallelität 4, das Modell wird dabei auf vier GPUs aufgeteilt. Zum anderen läuft es mit vLLM 0.32.0 plus dem Plugin baidu/vLLM-ERNIE. Angesprochen wird es über einen Completions-Endpunkt, nicht über eine Chat-Schnittstelle.

Was du zum Ausprobieren brauchst

Auf einem normalen PC läuft das Modell nicht. Schon die FP8-Gewichte belegen grob 280 GB, in BF16 etwa das Doppelte. Baidus offizielles Rezept verteilt das Modell auf vier Rechenzentrums-GPUs. Selbst eine 4-Bit-Quantisierung, also eine verkleinerte Fassung mit gröber gespeicherten Zahlen, bräuchte grob 170 GB Grafikspeicher. Für Mac oder CPU sind bisher keine angepassten Versionen wie GGUF bekannt, auch kein Ollama-Eintrag. Theoretisch denkbar wäre ein Betrieb auf Workstations mit sehr viel Arbeitsspeicher, etwa 256 GB und mehr, sobald die Community solche Versionen baut. Konkrete Angaben dazu gibt es noch nicht. Google Colab reicht nicht aus. Realistisch nutzbar ist das Modell nur auf gemieteten Cloud-GPUs oder eigenen Servern.

Einordnung

ERNIE 5.5 Flash Base ist ein weiteres starkes Open-Weight-Basismodell aus China. Es tritt in einer dicht besetzten Klasse von rund 300 Mrd. Parametern mit 13 bis 21 Mrd. aktiven Parametern an. Interessant ist es vor allem für Forschungsteams und Firmen, die ein eigenes Modell feintunen wollen und dafür eine leistungsfähige, effiziente Grundlage suchen. Auch die vielen offengelegten Architekturdetails sind für sie wertvoll. Für Endnutzer bringt das Modell vorerst wenig: Es gibt keine Chat-Version, keine API und keine Version für Heim-Hardware. Die Benchmarks stammen ausschließlich von Baidu. Ob eine nachtrainierte Fassung mit Modellen wie Qwen 3.8 Flash oder DeepSeek mithalten kann, ist bisher offen.

Quellen

#baidu#ernie#moe#open-weights#basismodell
Originalquelle lesen

Selbst ausprobieren: ERNIE-5.5-Flash-Base

Schritt für Schritt erklärt, auch ohne Vorkenntnisse – auf deinem Rechner oder kostenlos im Browser.

Was kann ich damit machen?

ERNIE 5.5 Flash Base ist ein sehr großes Sprachmodell für Englisch und Chinesisch, das nach Baidus eigenen Tests in seiner Größenklasse vorn liegt. Das gilt besonders für Wissen, Mathematik und Code, etwa HumanEval+ 82,3 und MMLU-Pro 78,4. Weil es ein reines Basismodell ist, setzt es Text fort, statt Fragen zu beantworten. Gibt man ihm den Anfang eines Dokuments, einer Funktion oder eine Reihe von Beispielen, schreibt es im gleichen Stil weiter. Als Chatbot wie ChatGPT taugt es ohne eigenes Feintuning nicht. Seine eigentliche Stärke ist die Rolle als Ausgangspunkt für eigene, spezialisierte Modelle. Dank MoE rechnen pro Token nur 14 Mrd. Parameter. Speichern muss man aber alle 280 Mrd., daher braucht es Server-Hardware. Bilder, Audio und Video versteht es nicht.

Für wen lohnt es sich?

Das Modell lohnt sich für ML-Teams, Forschende und Firmen mit Zugang zu Multi-GPU-Servern, die ein eigenes Modell feintunen oder Basismodelle vergleichen wollen. Für Einsteiger mit normalem PC, Mac oder Gaming-Grafikkarte ist es nichts. Wer einfach chatten will, wartet besser auf eine Instruct-Version oder greift zu kleineren Chat-Modellen.

Ideen: Was du damit anstellen kannst

Eigenes Fachmodell trainieren

Ein Unternehmen feintunt das Basismodell mit eigenen Dokumenten, etwa Support-Tickets oder technischen Handbüchern. Heraus kommt ein spezialisierter Assistent, der die Firmensprache beherrscht, ohne dass man ein Modell von Grund auf trainieren muss.

Code-Vervollständigung im Team

Auf einem internen Server betrieben, ergänzt das Modell angefangene Funktionen anhand von Signatur und Kommentar. Gute Werte bei Code-Benchmarks wie RepoQA deuten darauf hin, dass es auch größere Code-Zusammenhänge erfasst.

Englisch-Chinesisch-Übersetzung per Beispielen

Mit einigen Satzpaaren als Vorlage übersetzt das Modell weitere Sätze im gleichen Stil. Das eignet sich für Teams, die mit chinesischen Partnern arbeiten und Texte lokal halten wollen.

Basismodelle vergleichen

Forschende können Baidus Benchmark-Angaben mit eigenen Tests nachprüfen und das Modell neben DeepSeek-V4-Flash-Base oder MiMo-V2.5-Base stellen. So entstehen unabhängige Zahlen, die bisher fehlen.

Lange Dokumente fortschreiben und zusammenfassen

Dank großem Kontextfenster kann man lange Berichte einfügen und mit einem passenden Textanfang wie „Zusammenfassung:“ eine Fortsetzung erzeugen lassen. Wie gut das bei sehr langen Texten klappt, sollte man selbst testen.

Größe286,2 Mrd. Parameter (14 Mrd. aktiv)
Download172 GB (bei 100 MBit/s ca. 3,8 Std.)
Lizenzeigene Lizenz (siehe Model Card)
ArtSprachmodell (Text-Chat)

Was dein Rechner braucht

Grafikkarte (NVIDIA), komplett im VRAM mind. 190 GB VRAMnur Server mit mehreren Rechenzentrums-GPUs (z. B. 8× H100) – am schnellsten; mit weniger VRAM siehe nächste Zeile
Grafikkarte + Arbeitsspeicher (MoE-Offloading) ab ca. 8 GB VRAM + 256 GB RAMdie Experten liegen im Arbeitsspeicher, nur der Kern auf der Grafikkarte (llama.cpp/LM Studio). Langsamer als komplett im VRAM, aber auf normalen PCs machbar
Mac (Apple Silicon M1–M5) ab 512 GB gemeinsamer SpeicherGrafik und Prozessor teilen sich den Speicher – etwa 70 % davon kann das Modell nutzen
Nur Prozessor (ohne Grafikkarte) Ohne Grafikkarte sehr langsamgeschätzt 3 Wörter pro Sekunde auf einem aktuellen Desktop-PC (MoE: nur 14 Mrd. Parameter pro Wort aktiv). Dafür mindestens 256 GB Arbeitsspeicher.
Speicherplatz ca. 174 GB freiModell-Download plus Programme
Google Colab zu groß für Colabselbst die größten Colab-GPUs reichen nicht

Werte geschätzt aus der Modellgröße – die Model Card kann genauere Angaben enthalten.

Welche Variante passt zu mir?

Viele Modelle gibt es in mehreren Größen oder „Quantisierungen“. Das sind komprimierte Fassungen: kleiner und schneller, dafür minimal ungenauer. Faustregel: Nimm die größte Variante, deren Speicherbedarf in deinen Grafikspeicher (VRAM) passt. Die Skripte unten wählen das automatisch für dich aus.

VarianteDownloadBraucht ca.Passende Grafikkarten
4-bit (Q4) Standard 172 GB190 GBnur Server mit mehreren Rechenzentrums-GPUs (z. B. 8× H100)
8-bit (Q8) 306 GB338 GBnur Server mit mehreren Rechenzentrums-GPUs (z. B. 8× H100)
16-bit (Original) 572 GB631 GBnur Server mit mehreren Rechenzentrums-GPUs (z. B. 8× H100)

Es gibt zwei offizielle Varianten: FP8 (rund 280 GB, empfohlen für den Betrieb mit Baidus Rezepten) und BF16 (etwa doppelt so groß, sinnvoll vor allem als Ausgangspunkt für Feintuning). Quantisierte GGUF-Versionen für llama.cpp oder Ollama sind bisher nicht bekannt. Eine 4-Bit-Version bräuchte grob 170 GB Speicher.

  • Baidus offizielles SGLang-Rezept nutzt Tensor-Parallelität 4, also vier Rechenzentrums-GPUs mit viel Grafikspeicher.
  • Allein die FP8-Gewichte belegen etwa 280 GB, die BF16-Variante ungefähr doppelt so viel Speicherplatz.
  • Auch quantisiert auf 4 Bit wären grob 170 GB VRAM oder entsprechend viel schneller Arbeitsspeicher nötig.
  • Für sehr lange Kontexte bis 1 Mio. Tokens kommt zusätzlicher Speicher für den KV-Cache hinzu.
  • Auf Consumer-GPUs, Apple Silicon, reinen CPUs oder Google Colab ist ein sinnvoller Betrieb derzeit nicht möglich. Die realistische Option sind gemietete Cloud-GPUs.

Groß (286,2 Mrd. Parameter, MoE): komplett auf der Grafikkarte braucht es viel VRAM, mit MoE-Offloading reicht eine normale Grafikkarte plus viel Arbeitsspeicher (siehe Tabelle). Colab Free reicht nicht.

Wie finde ich heraus, was mein Rechner hat?
  • Windows: Strg + Umschalt + Esc drücken → Task-Manager → Reiter Leistung → links GPU anklicken. Unten steht Dedizierter GPU-Speicher (das ist dein VRAM). Den Arbeitsspeicher findest du unter Arbeitsspeicher.
  • Mac: Apfel-Menü oben links → Über diesen Mac. Dort stehen Chip (z. B. M2) und Speicher (z. B. 16 GB). Bei Apple-Chips teilen sich Grafik und Prozessor diesen Speicher.
  • Linux: Im Terminal nvidia-smi eingeben (zeigt Grafikkarte und Speicher) und free -h für den Arbeitsspeicher.

Anleitung

Google Colab (im Browser, ohne Installation)

Google Colab ist ein kostenloser Dienst von Google: Du bekommst für ein paar Stunden einen Rechner mit Grafikkarte im Browser. Du brauchst nur ein Google-Konto. Für dieses Modell: zu groß für Colab – selbst die größten Colab-GPUs reichen nicht.

  1. Notebook herunterladen. Klick auf den Knopf und speichere die Datei.

    colab.ipynb herunterladen

  2. Colab öffnen. Geh auf colab.research.google.com und melde dich mit deinem Google-Konto an.
  3. Notebook hochladen. Im Fenster, das erscheint, links auf Hochladen klicken (oder oben Datei → Notebook hochladen) und die Datei colab.ipynb auswählen.
  4. Grafikkarte einschalten. Oben im Menü Laufzeit → Laufzeittyp ändern → bei Hardwarebeschleuniger T4-GPU auswählen (mit Colab Pro: L4 oder A100) → Speichern.
  5. Alles starten. Laufzeit → Alle ausführen (Tastenkürzel Strg + F9). Kommt die Warnung „Dieses Notebook wurde nicht von Google erstellt“, auf Trotzdem ausführen klicken.
  6. Warten. Die Zellen laufen nacheinander durch. Links neben jeder Zelle erscheint ein grüner Haken, wenn sie fertig ist. Installation und Download dauern hier etwa 61 Minuten.
  7. Ausprobieren. Das Ergebnis steht unter der letzten Zelle. Um etwas anderes zu testen, den Text in der Zelle ändern und mit Shift + Enter erneut ausführen.
  8. Aufräumen. Wenn du fertig bist: Laufzeit → Sitzung beenden. Das schont dein kostenloses Kontingent.

Gut zu wissen: Die Gratis-GPU ist begrenzt (meist einige Stunden am Tag). Nach rund 90 Minuten ohne Aktivität trennt Colab die Verbindung, dann alles neu starten.

Windows 10 / 11

Dieses Modell läuft mit Python. Unser Skript erledigt die Einrichtung automatisch: Es legt eine abgeschottete Python-Umgebung an, installiert die nötigen Programme (PyTorch, ca. 3 GB) und lädt das Modell (172 GB (bei 100 MBit/s ca. 3,8 Std.)).

  1. Grafikkartentreiber aktualisieren (NVIDIA): aktuellen Treiber installieren. Ohne NVIDIA-Karte läuft es auf dem Prozessor – deutlich langsamer.
  2. Python installieren. Auf python.org Python 3.12 herunterladen und starten. Wichtig: Unten im ersten Fenster das Häkchen bei Add python.exe to PATH setzen, dann Install Now.
  3. Ordner anlegen und Dateien laden. Einen Ordner erstellen, z. B. Dokumente\KI-Test, und beide Dateien hineinspeichern:

    try_windows.ps1 demo.py

  4. Terminal im Ordner öffnen. Den Ordner im Explorer öffnen, Rechtsklick auf eine freie Stelle → In Terminal öffnen.
  5. Starten. Diesen Befehl einfügen und Enter drücken:
    powershell -ExecutionPolicy Bypass -File try_windows.ps1
    Jetzt laufen Installation und Download. Das kann beim ersten Mal 10–30 Minuten dauern.
  6. Ergebnis. Im Fenster erscheint die Antwort des Modells auf eine Testfrage.
  7. Nochmal mit eigener Eingabe: demo.py mit dem Editor öffnen, den Beispieltext ändern, speichern. Dann im Terminal:
    .\.venv-ernie-5-5-flash-base\Scripts\Activate.ps1
    python demo.py

macOS

Ideal sind Macs mit Apple-Chip (M1 bis M5). Ältere Intel-Macs sind sehr langsam.

  1. Terminal öffnen. Cmd + Leertaste, Terminal eintippen, Enter.
  2. Entwicklerwerkzeuge installieren (nur beim ersten Mal, liefert Python mit):
    xcode-select --install
    Im Fenster auf Installieren klicken. Kommt „already installed“, ist alles schon da.
  3. Dateien herunterladen – beide landen im Ordner Downloads:

    try_mac.sh demo.py

  4. Starten:
    cd ~/Downloads
    bash try_mac.sh
    Installation und Download dauern beim ersten Mal 10–30 Minuten.
  5. Ergebnis. Im Fenster erscheint die Antwort des Modells auf eine Testfrage.

Linux

  1. Grafikkarte prüfen. nvidia-smi sollte deine Karte anzeigen. Wenn nicht, unter Ubuntu den Treiber installieren und neu starten:
    sudo ubuntu-drivers install
  2. Python-Grundlagen installieren (Ubuntu/Debian):
    sudo apt update && sudo apt install -y python3-venv python3-pip git
  3. Dateien in einen Ordner laden und dort ein Terminal öffnen:

    try_linux.sh demo.py

  4. Starten:
    bash try_linux.sh
  5. Ergebnis. Im Fenster erscheint die Antwort des Modells auf eine Testfrage.

Das kannst du ausprobieren

Die Hauptstadt von Frankreich ist Paris. Die Hauptstadt von Japan ist Tokio. Die Hauptstadt von Kanada ist
def ist_primzahl(n: int) -> bool:
    """Gibt True zurück, wenn n eine Primzahl ist."""
Englisch: The weather is nice today.
Chinesisch: 今天天气很好。
Englisch: I would like a cup of coffee.
Chinesisch:
Frage: Ein Zug fährt 120 km in 1,5 Stunden. Wie schnell ist er im Schnitt?
Antwort: 120 / 1,5 = 80 km/h.
Frage: Ein Radfahrer fährt 45 km in 2,5 Stunden. Wie schnell ist er im Schnitt?
Antwort:
Zusammenfassung des folgenden Vertragstextes in drei Stichpunkten:
[langer Text]

Zusammenfassung:
-

Tipps für bessere Ergebnisse

  • Arbeite mit Few-Shot-Prompts: Zwei bis fünf Beispiele im gewünschten Format steuern ein Basismodell viel zuverlässiger als eine Anweisung.
  • Setze Stopp-Sequenzen, etwa einen Zeilenumbruch oder „Frage:“, damit das Modell nach der Antwort nicht einfach weiterschreibt.
  • Für Code-Vervollständigung funktionieren Funktionssignatur plus Docstring als Eingabe besonders gut, denn das entspricht der Stärke bei HumanEval+.
  • Wenn du das Modell feintunen willst, nimm die BF16-Variante als Ausgangspunkt und die FP8-Variante für den späteren Betrieb.
  • Teste zuerst auf Englisch oder Chinesisch, um die Qualität einzuschätzen, bevor du andere Sprachen ausprobierst.

Wenn es hakt

Es ist ein Basismodell: Chat-Anfragen wie „Erkläre mir …“ funktionieren schlecht. Nutze den Completions-Endpunkt (/v1/completions) und formuliere die Eingabe als Textanfang oder mit Beispielen.

Für vLLM ist Version 0.32.0 plus das Plugin baidu/vLLM-ERNIE nötig. Ohne Plugin wird die Architektur nicht erkannt.

Für SGLang braucht es das spezielle Image lmsysorg/sglang:dev-ernie-55-flash. Die normale SGLang-Version unterstützt das Modell möglicherweise noch nicht.

Die eigene Baidu-Lizenz (ERNIE 5.5 Flash Base Model License Agreement v1.0) solltest du vor einem kommerziellen Einsatz vollständig lesen.

Trainiert wurde mit bis zu 128K Tokens Kontext. Die freigeschaltete Million Tokens ist nicht als Qualitätsgarantie zu verstehen.

Deutsch gehört nicht zu den offiziell genannten Sprachen, das Modell ist auf Englisch und Chinesisch ausgerichtet.

„out of memory“, Absturz oder der Rechner hängt

Das Modell ist zu groß für deinen Grafikspeicher. Nimm eine kleinere Variante aus der Tabelle oben und schließe andere Programme, vor allem Spiele und Browser mit vielen Tabs.

Es läuft, aber extrem langsam

Wahrscheinlich rechnet der Prozessor statt der Grafikkarte. Bei Ollama zeigt ollama ps in der Spalte PROCESSOR, wie viel auf der GPU läuft. Steht dort „100% CPU“, Grafiktreiber aktualisieren oder eine kleinere Variante nehmen, die komplett in den Grafikspeicher passt.

„ollama“ bzw. „python“ wird nicht gefunden

Das Eingabefenster schließen und neu öffnen, damit es das frisch installierte Programm kennt. Bei Python unter Windows: neu installieren und das Häkchen Add python.exe to PATH setzen.

Windows: „Die Ausführung von Skripts ist auf diesem System deaktiviert“

Das Skript genau mit dem Befehl oben starten: powershell -ExecutionPolicy Bypass -File try_windows.ps1. Das erlaubt die Ausführung nur dieses einen Mal.

Fehlermeldung beim Laden des Modells (Version, „trust_remote_code“, unbekannte Architektur)

Ganz neue Modelle brauchen oft die neueste Programmversion. Bei Ollama: Ollama aktualisieren. Bei Python: pip install -U transformers in der aktivierten Umgebung. Die Model Card nennt meist die genaue Version.

Skripte und Notebook erzeugt Tokenstrom automatisch. Bitte vor dem Ausführen kurz ansehen – sie sind lesbarer Klartext. Lizenz des Modells beachten: eigene Lizenz (siehe Model Card).

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