Drei entlassene OpenAI-Forscher bestreiten Leak-Vorwürfe und warnen vor Einschüchterung
Tomek Korbak, Mikita Balesni und Jasmine Wang wurden von OpenAI nach einer Leak-Untersuchung entlassen. Im Wall Street Journal weisen sie die Vorwürfe zurück und vermuten einen Zusammenhang mit ihrem Einsatz für überwachbare KI-Modelle.

Worum es geht
Drei Sicherheitsforscher, die OpenAI entlassen hat, äußern sich nun öffentlich: Tomek Korbak, Mikita Balesni und Jasmine Wang. Sie bestreiten, vertrauliche Informationen weitergegeben zu haben. OpenAI hatte sie nach einer internen Untersuchung wegen mutmaßlicher Verstöße gegen Regeln zum Umgang mit sensiblen Informationen entlassen. Alle drei hatten sich zuvor öffentlich zu KI-Risiken geäußert. Im Wall Street Journal (WSJ) widersprechen sie der offiziellen Darstellung. OpenAI sagt dort, die Kündigungen hätten nichts mit geäußerten Sicherheitsbedenken zu tun.
Der Ablauf
Laut WSJ verdächtigte OpenAIs Sicherheitsteam die drei, einem externen Sicherheitsforscher Details zur internen Architektur der Modelle verraten zu haben. Sie mussten ihre privaten Handys entsperren. Dort fanden sich Signal-Chats mit verschwindenden Nachrichten. Eine Woche später wurden alle drei gleichzeitig entlassen. OpenAI sagt, Signal sei nicht genehmigt gewesen, aber nicht der Grund. Korbak hält verschwindende Nachrichten für eine im Silicon Valley übliche Sicherheitspraxis. Die Forscher sagen, sie hätten nie schriftlich erfahren, welche Informationen sie falsch behandelt haben sollen.
Die Untersuchung begann laut WSJ wenige Wochen nach einem Bericht von The Information vom 1. September. Darin hieß es, OpenAIs neues Modell Astra sei leistungsfähiger, lege aber weniger von seinem Denkprozess offen. Chefwissenschaftler Jakub Pachocki nannte den Bericht auf X verworren, warnte aber selbst vor einem branchenweiten Wettlauf hin zu Modellen, die sich nicht mehr überwachen lassen. Laut Balesni nannten die Ermittler Ryan Greenblatt, damals Chefwissenschaftler bei Redwood Research, als mutmaßliche Quelle und wollten die Signal-Chats mit ihm sehen. Greenblatt bestreitet, vertrauliche Informationen an Journalisten weitergegeben zu haben.
Streit um die Chain of Thought
Reasoning-Modelle halten Zwischenschritte ihrer Problemlösung auf einer Art internem Notizblock fest, der Chain of Thought. Firmen und Sicherheitsforscher können sie auswerten, um nachzuvollziehen, wie Entscheidungen entstehen. In einem Paper von 2025 forderten Balesni, Korbak und Wang gemeinsam mit führenden Forschern mehrerer KI-Labore, diese Möglichkeit zu erhalten. Im Sommer wurde in KI-Firmen diskutiert, Modelle länger nachdenken, aber weniger Zwischenschritte aufschreiben zu lassen. Balesni stellte sich intern dagegen und teilte einen Vorschlag von Greenblatt. Korbak arbeitete mit Greenblatt, der von METR für die unabhängige Untersuchung beauftragt war, den Angriff von OpenAI-Agenten auf Hugging Face auf; sie schrieben über Slack und Signal.
Die Vorwürfe gegen Wang
Wang wurde laut eigener Aussage vorgeworfen, wiederholt auf das Postfach einer Führungskraft zugegriffen zu haben. Sie habe schon vor fast einem Jahr gebeten, ihr diesen Zugriff zu entziehen. Im vergangenen Monat habe sie versehentlich eine sensible E-Mail geöffnet, den Inhalt nicht weitergegeben und den Vorfall sofort gemeldet. Laut OpenAI war der Zugriff als solcher nicht das Problem.
Folgen und externe Prüfung
Korbak sagt, Kollegen hätten nun Angst, mit Externen zu sprechen oder Sicherheitsbedenken zu äußern. In einem Brief an den Vorstand fordern die drei engere Zusammenarbeit mit externen Sicherheitsorganisationen. OpenAI will bald mehrere solcher Kooperationen bekannt geben. Bei einer gerade veröffentlichten Vor-Ort-Prüfung durch METR und Redwood Research schwärzte OpenAI beinahe die Hälfte des Abschlussberichts. Laut den externen Forschern gab es zahlreiche Sicherheitsprobleme in der Infrastruktur. OpenAI veröffentlichte parallel einen eigenen Bericht zu einer neuen Sicherheitsarchitektur ohne Internetzugang; die Fehler seien behoben, das Training sei Anfang Oktober wieder aufgenommen worden.
Einordnung
Der Fall steht zwischen zwei Darstellungen: Regelverstöße gegen mögliche Vergeltung für kritische Haltung. Belegt ist nur, was beide Seiten bestätigen, etwa die Entlassungen und die nicht genehmigte Signal-Nutzung. Ob ein Zusammenhang mit dem Einsatz für Chain-of-Thought-Überwachung besteht, ist unbewiesen; OpenAI bestreitet ihn. Die genauen Vorwürfe sind öffentlich nicht überprüfbar. Relevant ist der Fall, weil er das Verhältnis zwischen KI-Labors und unabhängigen Prüfern berührt, die für die Sicherheitsbewertung zunehmend wichtig werden.
Quellen
- The Decoder (DE) the-decoder.de