Elvis-Nachlass verklagt Anthropic: 274 Songs, 41 Millionen Dollar

Die Rechteinhaber an Elvis Presleys Musik verklagen Anthropic, die Firma hinter Claude. Sie werfen ihr vor, 274 Songs ohne Erlaubnis fürs KI-Training genutzt zu haben, und fordern rund 41,1 Millionen US-Dollar. Es ist eine der ersten Klagen eines Künstler-Nachlasses gegen eine KI-Firma.

Branche 31. Okt. 2026 4 Min. Lesezeit Quelle: Google News (DE)
Symbolbild, KI-generiert

Worum es geht

Die Rechteinhaber an der Musik von Elvis Presley haben am 23. Oktober 2026 Klage gegen das KI-Unternehmen Anthropic eingereicht, den Entwickler des Chatbots Claude. Sie werfen der Firma vor, 274 Songs des 1977 gestorbenen Sängers ohne Erlaubnis zum Training ihrer Modelle verwendet zu haben. Gefordert werden rund 41,1 Millionen US-Dollar Schadenersatz, laut Promiflash etwa 36,9 Millionen Euro. Die Klage wird nicht von einem Familienmitglied geführt, sondern von den Verwaltern des musikalischen Nachlasses.

Wer klagt und was vorgeworfen wird

Laut Engadget, das sich auf die New York Times beruft, gehören zu den Klägern Authentic Brands Group, Raleigh Music Publishing, mehrere Trusts und mindestens eine Einzelperson. Authentic Brands Group ist das Lizenzunternehmen, das Elvis' Musik kontrolliert (so berichtet es Parade/Yahoo unter Berufung auf Billboard). Genannt werden Klassiker wie „Can't Help Falling in Love“, „Don't Be Cruel“ und „A Little Less Conversation“.

Die Vorwürfe gehen über das Training hinaus:

  • Training ohne Lizenz: Die Songs seien als Trainingsmaterial genutzt worden. Training heißt: Das Modell lernt aus riesigen Datenmengen statistische Muster.
  • Umgehung von DRM und Entfernen von Rechteinformationen: DRM sind technische Kopierschutzmaßnahmen. Anthropic soll sie umgangen und „Copyright Management Information“ (Angaben zu Urhebern und Rechteverwaltung) entfernt oder verändert haben. Engadget nennt dafür die Zahl 247 Songs, während sonst überall von 274 die Rede ist. Das ist vermutlich ein Tippfehler, geklärt ist es in den Quellen nicht.
  • Ausgaben, die den Originalen sehr nahekommen: Claude soll auf Anfrage abgewandelte Elvis-Songs erzeugen, die Melodien und Refrains nahezu eins zu eins wiedergeben.

Die Klageschrift zitiert laut Parade einen Fall, in dem Claude gebeten wurde, bestimmte Songs „für ein modernes Publikum“ neu zu fassen. Die KI habe dabei selbst eingeräumt, die Ergebnisse blieben „sehr nah an den Originalen“: gleiche Struktur, gleiche Hooks mit leicht geänderten Worten, komplette Strophen, Refrains und Bridges. Das gehe über „inspiriert von“ hinaus. Die Kläger werten das als Beleg, dass Claude auch nach den angeblich nachträglich eingebauten Schutzmechanismen („Guardrails“) weiter Rechte verletze.

Forderungen

Neben dem Schadenersatz verlangen die Kläger eine dauerhafte Unterlassungsverfügung, ein Geschworenenverfahren und die Vernichtung aller nicht autorisierten Kopien. Chefanwalt Richard Busch schrieb, Anthropic habe sein gesamtes Geschäftsmodell auf Urheberrechtsverletzungen „in nie dagewesenem Ausmaß“ aufgebaut. Die Kläger seien „zutiefst schützend“ gegenüber diesen ikonischen Songs. In der Klage heißt es zudem, Elvis habe über eine Milliarde Tonträger verkauft.

Anthropics Haltung

Anthropic erklärte gegenüber Engadget kurz, man widerspreche den Vorwürfen und wolle den Fall „voll verteidigen“. Bei früheren Verfahren hat sich das Unternehmen darauf berufen, das Training mit urheberrechtlich geschützter Musik sei „Fair Use“. Das ist ein US-Rechtsprinzip, das die angemessene Nutzung geschützter Werke ohne Zustimmung erlaubt, aber an Kriterien gebunden ist.

Hintergrund: weitere Klagen

Anthropic ist nicht zum ersten Mal betroffen. Laut Engadget haben Sony und Warner kürzlich wegen „offensichtlicher Verletzung“ des Urheberrechts bei Tausenden Werken geklagt. Zuvor hatten Universal Music und Concord Music Group geltend gemacht, Anthropic habe 20.000 geschützte Songs illegal heruntergeladen und fürs Training genutzt. Dort stehen laut Engadget Schadenersatzforderungen in Milliardenhöhe im Raum. Auch andere KI-Firmen wie OpenAI werden verklagt.

Besonders an der Elvis-Klage ist: Laut Billboard (zitiert von Parade) ist es eines der ersten Male, dass ein Künstler-Nachlass gegen eine KI-Firma klagt. Busch war zuvor an der Klage des Marvin-Gaye-Nachlasses gegen Robin Thicke und Pharrell wegen „Blurred Lines“ beteiligt. Beide Fälle argumentieren, dass „nicht lizenzierte abgeleitete Werke“ entstehen. Vice berichtet, Streitigkeiten zwischen Labels und KI-Firmen endeten meist mit Vergleichen und Partnerschaften; ein Einzelkünstler-Fall könne einen Präzedenzfall setzen. Das ist Vices Einschätzung.

Einordnung

Die Klage ist wichtig, weil sie zeigt, dass nicht nur große Labels, sondern auch Nachlassverwalter einzelner Künstler gegen KI-Training vorgehen. Die 41 Millionen Dollar für einen Katalog sind ein Gradmesser dafür, was Rechteinhaber verlangen. Unbelegt ist bisher alles Wesentliche: Ob Claude tatsächlich mit diesen Songs trainiert wurde, ob Fair Use greift und ob die Ausgaben als Verletzung zählen, muss das Gericht klären. Die Zitate aus der Klageschrift stammen von den Klägern, Anthropics Gegenposition liegt bisher nur als kurze Stellungnahme vor. Ein Urteil ist nicht absehbar; ein Vergleich wäre möglich, ist aber reine Spekulation.

Videos zum Thema

Elvis Presley’s estate sues A.I. Anthropic for $41 million over copyright infringement WQAD News 8 · YouTube

Quellen

#anthropic#claude#urheberrecht#elvis presley#klage
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