Gesichtserkennung in Westaustralien: 1,38 Mio. Gesichter gescannt, 122 Festnahmen
Die Polizei von Westaustralien hat in einem fünfmonatigen Test Gesichter per Live-Gesichtserkennung gescannt: rund 1,38 Millionen, mit 122 Festnahmen und neun Fehlalarmen. Bürgerrechtler halten die Fehlerquote von 0,00065 Prozent für beschönigend und fordern mehr Transparenz.

Worum es geht
Die Polizei von Westaustralien (WA) hat einen Test mit Live-Gesichtserkennung abgeschlossen. Laut Guardian wurden dabei 1.380.882 Gesichter gescannt, bei 100 Einsätzen an 43 Orten in der Hauptstadtregion und auf dem Land. Das Ergebnis laut Polizei: 122 Festnahmen und neun falsche Alarme. Der Test endete am Samstag, dem 31. Oktober 2026. Zwischenstände liefern die anderen Quellen: Bei der Regierungsmitteilung nach drei Monaten waren es 905.117 Gesichter, 209 Alarme und 79 Festnahmen.
Wie das System arbeitet
Kameras an oder neben gekennzeichneten Polizeifahrzeugen scannen Gesichter in ausgewiesenen öffentlichen Bereichen. Sie werden mit einer Alarmliste aus Polizeidatenbanken verglichen. Bilder von Personen, die nicht auf der Liste stehen, werden laut Polizei in Echtzeit verpixelt und sofort gelöscht. Laut Techtimes umfasst die Liste rund 4.000 Einträge: Personen mit offenen Haftbefehlen, registrierte Sexualstraftäter, Vermisste und Menschen, die als Risiko für sich oder andere gelten. Die Software stammt von NEC (NeoFace). Sie berechnet aus Gesichtsmerkmalen wie Augenabstand oder Kieferform einen biometrischen Vektor und vergleicht ihn mit der Liste. Überschreitet die Ähnlichkeit einen Schwellenwert, erscheint ein Alarm im Fahrzeug. Beamte prüfen ihn selbst; ein Alarm allein rechtfertigt laut Polizeichef Col Blanch keine Festnahme.
Die Zahlen
| Merkmal | Ergebnis |
|---|---|
| Gescannte Gesichter | 1.380.882 |
| Einsätze / Orte | 100 / 43 |
| Festnahmen | 122 |
| Begegnungen mit registrierten Sexualstraftätern | 146 |
| Wohlfahrtschecks | 10 |
| Fehlalarme | 9 |
Bei der Perth Royal Show wurden in drei Einsätzen 223.749 Gesichter gescannt. Das ergab 15 Alarme, drei Festnahmen und sieben Kontakte mit Sexualstraftätern. Die Regierung nannte zum Zwischenstand Beispiele: Ein 78-Jähriger mit Haftbefehl wegen Kindesmissbrauchsvorwürfen wurde in der Perther Innenstadt festgenommen, eine Frau mit einem 426 Tage offenen Haftbefehl auf einem Parkplatz.
Streit um die Fehlerquote
Blanch sagte, kein Fehlalarm habe zu einer Festnahme oder Beschwerde geführt, jeder habe aber ein Gespräch mit der Person ausgelöst. Die Technik sei „nicht perfekt“. Bill Rowlings von Civil Liberties Australia sagt, die Polizei „beschönige stark“. Die wahre Fehlerquote zeige sich erst, wenn die 122 Festgenommenen vor Gericht standen. Würde die Hälfte nicht verurteilt, läge sie bei 50 Prozent. Zudem seien fast 1,4 Millionen Menschen ohne begründeten Verdacht gescannt worden.
Techtimes rechnet anders: Auf die Alarme bezogen lag die Fehlerrate in der ersten Woche bei etwa 6 Prozent (2 falsche bei 33 Alarmen). Nach dieser Rechnung wurde etwa bei jedem 15. oder 16. gültigen Alarm eine unschuldige Person angesprochen. Wegen der NEC-Testwerte (1 zu 6.000) vermutet das Medium, dass die Polizei einen konservativen Schwellenwert nutzt. Der Wert ist nicht veröffentlicht. Beim Zwischenstand der Regierung lagen die Fehlalarme bei acht von 209 Alarmen, also etwa 4 Prozent.
Datenschutz, Verzerrung und Recht
Die Datenschutzbehörde OIC WA war laut Techtimes nicht in die Planung eingebunden und warnte vor „kollektiven Datenschutzschäden“. Auch kurzes Erfassen sei eine Datenerhebung. Das neue Datenschutzgesetz PRIS Act trat in seinen Kernprinzipien erst am 1. Juli 2026 in Kraft, neun Tage nach Teststart. Es verlangt etwa, Risiken durch Verzerrung zu bewerten. Ob die von der Polizei veröffentlichte Folgenabschätzung unabhängig geprüft wurde, ist unklar. Anders als die EU kennt Australien kein Verbot von biometrischer Echtzeit-Identifikation.
Experten warnen vor Verzerrungen: Gesichtserkennung hat historisch höhere Fehlerraten bei dunkler Haut, bei Frauen und jungen Menschen. Laut The Conversation führte Blanch die acht Fehlalarme des Zwischenstands unter anderem auf dunklere Haut, Lichtverhältnisse und die Qualität der Referenzbilder zurück. Die Ergebnisse sagen nichts über übersehene Personen (False Negatives) und nichts über Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen. Auch die Zusammensetzung der Alarmliste ist unklar.
Einordnung
Der Test ist der erste dieser Art in Australien und dürfte Debatten in anderen Bundesstaaten prägen. Die Zahlen stammen überwiegend von der Polizei selbst. Die Quote von 0,00065 Prozent bezieht sich auf alle Scans, was bei einer sehr großen Zahl unbeteiligter Gesichter fast zwangsläufig winzig ausfällt. Aussagekräftiger wären die Fehlerrate pro Alarm, spätere Verurteilungen und Aufschlüsselungen nach Gruppen. Die interne Auswertung läuft; ob und wie die Technik dauerhaft eingesetzt wird, ist offen. Das Beispiel Großbritannien und die USA zeigt, dass fehlerhafte Treffer reale Folgen haben können, etwa Fehlfestnahmen.
Quellen
- The Guardian – KI theguardian.com
- techtimes.com techtimes.com
- theconversation.com theconversation.com
- wa.gov.au wa.gov.au
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