Microsoft stellt MAI-Modellfamilie vor: Reasoning, Stimme, Code und Bild
Auf der Build 2026 hat Microsoft eine Familie eigener KI-Modelle vorgestellt, darunter mit MAI-Thinking-1 das erste Reasoning-Modell. Dazu kommen Modelle für Bild, Sprache, Transkription und Code. Außerdem gibt es ein neues Bildbearbeitungsmodell, das in Vergleichstests dicht an OpenAI heranreicht.

Worum es geht
Microsoft hat auf der Entwicklerkonferenz Build 2026 eine neue Familie hauseigener KI-Modelle namens MAI vorgestellt. Die Ankündigung kam in der Keynote von CEO Satya Nadella und ist Teil eines größeren Pakets, das vom Chip über das Betriebssystem bis zur Cloud reicht. Im Zentrum steht MAI-Thinking-1, das erste Reasoning-Modell von Microsoft. Reasoning-Modelle sind Sprachmodelle, die vor der Antwort Zwischenschritte „durchdenken“. Dazu kommen sechs weitere Modelle für Bild, Transkription, Stimme und Code.
Die Modelle im Überblick
Die neue Familie umfasst laut Mashable:
- MAI-Thinking-1
- MAI-Image-2.5 und eine Flash-Variante
- MAI-Transcribe-1.5
- MAI-Voice-2 und eine Flash-Variante
- MAI-Code-1
MAI-Thinking-1 ist ein mittelgroßes Modell mit 35 Milliarden aktiven Parametern. Parameter sind grob gesagt die Stellschrauben, die ein Modell beim Training lernt. „Aktiv“ deutet darauf hin, dass pro Token nur ein Teil des Modells genutzt wird. Das ist typisch für Mixture-of-Experts-Architekturen, die Quelle nennt das aber nicht ausdrücklich. Das Kontextfenster, also die Textmenge, die das Modell auf einmal verarbeiten kann, beträgt 128K Token. Microsoft betont hohe Effizienz bei niedrigen Token-Kosten.
Kyle Daigle, Microsoft Developer CMO und COO von GitHub, sagte, das Modell sei für komplexe mehrstufige Anweisungen, Schlussfolgern über lange Kontexte und Codegenerierung gebaut. Es sei von Grund auf mit kommerziell lizenzierten Daten trainiert worden.
Leistungsangaben und Verfügbarkeit
Laut Microsoft bevorzugten unabhängige Prüfer MAI-Thinking-1 gegenüber Anthropics Claude Sonnet 4.6. Auf dem Coding-Benchmark SWE Bench Pro soll es mit Claude Opus 4.6 gleichziehen. Das sind Herstellerangaben; unabhängige Bestätigungen nennt die Quelle nicht.
| Modell | Stand |
|---|---|
| MAI-Thinking-1 | Private Preview in Microsoft Foundry |
| MAI-Image-2.5 (+ Flash) | live in PowerPoint und OneDrive, bald in Foundry |
| MAI-Code-1 | verfügbar in Copilot und VS Code |
| MAI-Transcribe-1.5 | bald in 43 Sprachen |
| MAI-Voice-2 (+ Flash) | bereits in 15 weiteren Sprachen, mehrere Stimmen |
Langfristig sollen alle Modelle in Foundry, Microsofts Dienst zum Bauen mit KI-Modellen, und in der neuen Umgebung „MAI Playground“ verfügbar sein.
MAI-Image-2.7: Bildbearbeitung nahe an OpenAI
Parallel wurde die Vorschau von MAI-Image-2.7 bekannt, die bestehende Bilder verändert. Nutzer geben ein Bild und eine Anweisung vor, etwa Licht oder Stil ändern, Text im Bild korrigieren oder Material aufwerten und restaurieren. Bearbeitung konnten schon die 2.5-Modelle seit Juni, die 2.6-Reihe unterstützte mehrere Referenzbilder.
Die unabhängige Plattform Artificial Analysis meldet Verbesserungen gegenüber 2.6 in allen sieben gemessenen Bearbeitungsarten. Die Elo-Werte, die zeigen, wie oft Prüfer ein Ergebnis bevorzugen, stiegen bei Komposition und Bildausschnitt um 57 Punkte, bei Text- und Symbolbearbeitung um 49 und bei Szene und Stil um 48. In vier Disziplinen liegt 2.7 vorn.
| Modell | Elo | 95-%-Intervall |
|---|---|---|
| GPT Image 2.5 Sunburst (max) | 1199 | 1188–1210 |
| MAI-Image-2.7 Preview | 1193 | 1178–1208 |
| GPT Image 2.5 Flare (max) | 1182 | 1171–1193 |
| MAI-Image-2.6 | 1151 | 1139–1163 |
Die Intervalle von 2.7 und beiden OpenAI-Modellen überlappen, ein klarer Sieger ist also nicht feststellbar. Die Verbesserung gegenüber 2.6 ist dagegen eindeutig. In der Image Edit Arena belegt 2.7 Platz 3 mit 1470 Punkten, 45 mehr als 2.6.
Das Modell ist im MAI Playground zur Bildbearbeitung nutzbar; Text-zu-Bild folgt später ohne Datum. Für Entwickler gibt es laut Artificial Analysis keine API, Preise und Foundry-Termin nennt Microsoft nicht.
Weitere Build-Ankündigungen
- Microsoft Scout: ein proaktiver persönlicher Agent für Terminplanung, Meeting-Vorbereitung und Routineaufgaben über Teams und Outlook. Rollout für Frontier-Kunden beginnt.
- Surface RTX Spark Dev Box: mit NVIDIAs RTX-Spark-Chip, bis zu 1 Petaflop KI-Rechenleistung und 128 GB Unified Memory; soll Modelle bis 120 Milliarden Parameter lokal ausführen. Release später im Jahr in den USA.
- Microsoft Discovery: Forschungsplattform, jetzt allgemein verfügbar.
- Microsoft Execution Containers: neues Sandbox-System, das Windows zur „agentennativen“ Laufzeitumgebung machen soll (Preview).
Einordnung
Microsoft baut sich damit eigene Modelle neben der bisherigen Abhängigkeit von Partnern auf und deckt alle gängigen Modalitäten ab. Für Entwickler ist vor allem MAI-Code-1 sofort nutzbar. MAI-Thinking-1 ist dagegen nur eine Private Preview, die Vergleiche mit Claude stammen von Microsoft selbst. Bei der Bildbearbeitung sind die Messwerte unabhängig, aber knapp. Offen bleiben Preise, Gewichte (es handelt sich um proprietäre Modelle) und echte Praxistests.
Quellen
- Google News (US) mashable.com
- Google News (US) winbuzzer.com
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