NVIDIA Kumo Relational: Foundation-Modell sagt direkt auf Datenbanken voraus
NVIDIA stellt Kumo Relational vor, ein vortrainiertes Modell, das ohne Training direkt auf relationalen Unternehmensdatenbanken Vorhersagen wie Kundenabwanderung oder Betrug trifft. Laut NVIDIA schlägt es überwachte Verfahren wie XGBoost-Pipelines auf gängigen Benchmarks. Gewichte und Code sind offen verfügbar.

Worum es geht
NVIDIA hat Kumo Relational veröffentlicht, ein vortrainiertes „Relational Foundation Model“. Es macht Vorhersagen direkt auf relationalen Datenbanken, also Datenbanken mit mehreren verknüpften Tabellen, etwa Nutzer, Bestellungen und Produkte. Typische Aufgaben sind Kundenabwanderung (Churn), Nachfrage oder Betrugserkennung. Das Modell braucht laut NVIDIA kein aufgabenspezifisches Training, kein Feature Engineering (manuelles Ableiten von Kennzahlen) und kein Zusammenpressen der Tabellen in eine einzige. Es ist ab sofort verfügbar, Gewichte liegen auf Hugging Face, Code auf GitHub.
Warum Foundation-Modelle für strukturierte Daten
NVIDIA zieht eine Parallele zu Sprachmodellen: Früher brauchte jede Textaufgabe ein eigenes Modell samt Pipeline, heute ersetzen LLMs das weitgehend. Dasselbe soll für Tabellendaten gelten, und zwar aus drei Gründen (Herstellerangaben):
- Genauigkeit: Auf RelBench-V1-Klassifikationsaufgaben liegt Kumo Relational im Schnitt knapp 4 AUROC-Punkte vor Gradient-Boosted Trees (z. B. XGBoost) auf von Experten gebauten Features. Auf SAP SALT schlägt es XGBoost auf entwickelten Features um 7 MRR-Punkte ohne Anpassung und um 13 nach Fine-Tuning.
- Einfachheit: Ein Modell ersetzt viele Einzel-Pipelines. Eine neue Vorhersage wird zur Abfrage statt zum Projekt.
- Agenten: Agenten können über die Predictive Query Language (PQL) Vorhersagefragen stellen, etwa welcher Kunde abwandert.
So funktioniert das Modell
Die meisten Modelle für Tabellendaten arbeiten auf einer flachen Tabelle. Kumo Relational arbeitet dagegen direkt auf der Datenbank und beachtet Tabellen, Fremdschlüssel und Zeitstempel. Es lernt per In-Context-Learning: Zur Laufzeit bekommt es Beispiele, die jeweils einen Teilgraphen um eine Entität zu einem Zeitpunkt mit dem bekannten Ergebnis verbinden (z. B. „dieser Nutzer ist abgewandert“).
Drei Schritte:
- Automatische Kontexterzeugung: Aufgaben werden in PQL formuliert, einer deklarativen Sprache (man sagt, was, nicht wie). Das System spielt historische Datenbankzustände ab und gibt dem Modell nur Daten vor dem Stichzeitpunkt; so wird Datenleck (Data Leakage) verhindert.
- Denken innerhalb von Tabellen: Ein leichtes Netz nutzt Spalten- und Zeilen-Attention, um relevante Spalten und Zeilen zu erkennen und Rauschen zu filtern.
- Denken über Tabellen hinweg: Ein größeres Netz verteilt Zeilen-Embeddings per Graph-Attention über Primär-/Fremdschlüssel-Beziehungen, danach folgt Cross-Sample-Attention über die Kontextbeispiele. Da dies auf Embeddings statt auf jeder Zelle läuft, vermeidet das Design quadratische Kosten.
Training mit synthetischen Daten
Vielfältige relationale Datenbanken sind selten öffentlich. Deshalb wurde das Modell komplett auf synthetischen Daten vortrainiert, schrittweise von Einzeltabellen zu komplexeren Strukturen. Der Generator baut auf PluRel (ICML 2026) auf: Er erzeugt ein Schema, Fremdschlüssel-Verknüpfungen wie in echten Daten und Spaltenwerte aus strukturellen Kausalmodellen mit zeitlichen Trends und Abhängigkeiten zwischen Tabellen. Da die Erzeugung leicht ist, sind die Trainingsdaten praktisch unbegrenzt. Der Trainingsverlust folgt einem Potenzgesetz, und die Gewinne übertragen sich laut NVIDIA auf echte Datenbanken.
Ergebnisse
Getestet wurde auf 41 Aufgaben in 15 Datenbanken aus RelBench V1 und V2, SAP SALT und 4DBInfer (E-Commerce, Medizin, Unternehmen, Soziales, Akademisches). Keiner dieser Datensätze kam im Vortraining vor. Laut NVIDIA schlägt das Modell die stärksten überwachten Modelle bei Klassifikation und Regression und ist das beste In-Context-Modell im RelBench-Leaderboard. Auf RelArena-α (Stand 21.09.2026) liegt es auf der Pareto-Front aus Genauigkeit und Effizienz und ist bei ähnlicher Genauigkeit etwa 430-mal schneller als rtl-plurel.
Auf SAP SALT übertrifft es große AutoGluon-Ensembles um 8 % MRR, mit Fine-Tuning um 16 %. Es funktioniert mit nur 0,2 % der Trainingsdaten als Kontext, bleibt stabil, wenn bis zu 75 % der Fremdschlüssel-Links entfernt werden, und verliert kaum durch zusätzliche verrauschte Spalten.
Nutzung und Lizenz
Das Modell läuft in-memory, über Datenbank- und Warehouse-Konnektoren oder über kumo-engine, das laut NVIDIA über 500 Mrd. Zeilen per Memory-Mapped-I/O mit bis zu 5 GB/s verarbeitet. Die GPU-native Bibliothek structured-data-models (pip install) lädt die Gewichte beim ersten Einsatz von Hugging Face. Alternativ läuft es als NVIDIA NIM, angesprochen über den Client structured-data-models-client mit PQL-Abfragen wie „PREDICT COUNT(orders.*, 0, 30, days) FOR EACH users.user_id“. Code: Apache 2.0, Gewichte: OpenMDW License 1.1.
Was du zum Ausprobieren brauchst
Die Quelle nennt keine genauen Zahlen. Das Modell ist für GPUs ausgelegt (device="cuda"), du brauchst also eine NVIDIA-Grafikkarte, am besten in einem GPU-Notebook wie Google Colab. Rechne mit einigen GB freiem Speicherplatz für Gewichte und Daten. Reiner CPU- oder Mac-Betrieb wird nicht beschrieben. Ein Quickstart-Notebook liegt im Client-Repository.
Einordnung
Dass ein vortrainiertes Modell ohne Training mit speziell gebauten Pipelines mithalten oder sie schlagen kann, wäre für Unternehmen mit Datenbanken ein großer Aufwandsgewinn. Alle Zahlen stammen von NVIDIA bzw. aus dem eigenen Paper; unabhängige Replikationen fehlen noch. Grenzen nennt NVIDIA selbst: Am besten funktioniert es bei Daten mit sinnvollen Beziehungen und zeitlicher Dynamik. Bei sehr großen Trainingsmengen können spezialisierte überwachte Modelle noch vorne liegen, und das Vorhersagesignal muss in wenigen Hops erreichbar sein.
Quellen
- Hugging Face Blog huggingface.co
Selbst ausprobieren: Kumo Relational
Schritt für Schritt erklärt, auch ohne Vorkenntnisse – auf deinem Rechner oder kostenlos im Browser.
Was kann ich damit machen?
Du verbindest mehrere Tabellen einer Datenbank und formulierst per PQL, was vorhergesagt werden soll, etwa Kundenabwanderung oder Bestellzahlen. Das Modell liefert die Vorhersage in einem Durchlauf ohne eigenes Training.
Für wen lohnt es sich?
Für Data-Science- und ML-Teams mit relationalen Daten und Zugang zu einer NVIDIA-GPU. Für Laien oder reine Textaufgaben ist es nicht gedacht.
Was dein Rechner braucht
Für dieses Modell gibt es keine verlässlichen Größenangaben. Die genauen Anforderungen stehen in der Model Card.
Es gibt eine Modellvariante. Betrieb direkt über die Python-Bibliothek in einem GPU-Notebook oder als NVIDIA-NIM-Dienst mit Client.
- Die Bibliothek ist GPU-nativ; im Beispiel wird device="cuda" genutzt.
- Die Quelle nennt keinen konkreten VRAM-Bedarf.
- Ein GPU-Notebook (z. B. Colab) reicht für den Einstieg mit dem Quickstart.
- Für sehr große Datenbanken (500 Mrd.+ Zeilen) wird kumo-engine mit Memory-Mapped-I/O genutzt.
- Gewichte werden beim ersten Aufruf von Hugging Face geladen.
Wie finde ich heraus, was mein Rechner hat?
- Windows: Strg + Umschalt + Esc drücken → Task-Manager → Reiter Leistung → links GPU anklicken. Unten steht Dedizierter GPU-Speicher (das ist dein VRAM). Den Arbeitsspeicher findest du unter Arbeitsspeicher.
- Mac: Apfel-Menü oben links → Über diesen Mac. Dort stehen Chip (z. B. M2) und Speicher (z. B. 16 GB). Bei Apple-Chips teilen sich Grafik und Prozessor diesen Speicher.
- Linux: Im Terminal
nvidia-smieingeben (zeigt Grafikkarte und Speicher) undfree -hfür den Arbeitsspeicher.
Anleitung
Google Colab (im Browser, ohne Installation)
Google Colab ist ein kostenloser Dienst von Google: Du bekommst für ein paar Stunden einen Rechner mit Grafikkarte im Browser. Du brauchst nur ein Google-Konto.
- Notebook herunterladen. Klick auf den Knopf und speichere die Datei.
- Colab öffnen. Geh auf colab.research.google.com und melde dich mit deinem Google-Konto an.
- Notebook hochladen. Im Fenster, das erscheint, links auf Hochladen klicken (oder oben Datei → Notebook hochladen) und die Datei
colab.ipynbauswählen. - Grafikkarte einschalten. Oben im Menü Laufzeit → Laufzeittyp ändern → bei Hardwarebeschleuniger T4-GPU auswählen → Speichern.
- Alles starten. Laufzeit → Alle ausführen (Tastenkürzel Strg + F9). Kommt die Warnung „Dieses Notebook wurde nicht von Google erstellt“, auf Trotzdem ausführen klicken.
- Warten. Die Zellen laufen nacheinander durch. Links neben jeder Zelle erscheint ein grüner Haken, wenn sie fertig ist. Installation und Download dauern meist 3–10 Minuten.
- Ausprobieren. Das Ergebnis steht unter der letzten Zelle. Um etwas anderes zu testen, den Text in der Zelle ändern und mit Shift + Enter erneut ausführen.
- Aufräumen. Wenn du fertig bist: Laufzeit → Sitzung beenden. Das schont dein kostenloses Kontingent.
Gut zu wissen: Die Gratis-GPU ist begrenzt (meist einige Stunden am Tag). Nach rund 90 Minuten ohne Aktivität trennt Colab die Verbindung, dann alles neu starten.
Windows 10 / 11
Dieses Modell läuft mit Python. Unser Skript erledigt die Einrichtung automatisch: Es legt eine abgeschottete Python-Umgebung an, installiert die nötigen Programme (PyTorch, ca. 3 GB) und lädt das Modell.
- Grafikkartentreiber aktualisieren (NVIDIA): aktuellen Treiber installieren. Ohne NVIDIA-Karte läuft es auf dem Prozessor – deutlich langsamer.
- Python installieren. Auf python.org Python 3.12 herunterladen und starten. Wichtig: Unten im ersten Fenster das Häkchen bei Add python.exe to PATH setzen, dann Install Now.
- Ordner anlegen und Dateien laden. Einen Ordner erstellen, z. B.
Dokumente\KI-Test, und beide Dateien hineinspeichern: - Terminal im Ordner öffnen. Den Ordner im Explorer öffnen, Rechtsklick auf eine freie Stelle → In Terminal öffnen.
- Starten. Diesen Befehl einfügen und Enter drücken:
Jetzt laufen Installation und Download. Das kann beim ersten Mal 10–30 Minuten dauern.powershell -ExecutionPolicy Bypass -File try_windows.ps1 - Ergebnis. Das Modell liegt im Unterordner
models. Wie es genau benutzt wird, steht in der Model Card auf Hugging Face. - Nochmal mit eigener Eingabe:
demo.pymit dem Editor öffnen, den Beispieltext ändern, speichern. Dann im Terminal:.\.venv-kumo-relational\Scripts\Activate.ps1 python demo.py
macOS
Ideal sind Macs mit Apple-Chip (M1 bis M5). Ältere Intel-Macs sind sehr langsam.
- Terminal öffnen. Cmd + Leertaste, Terminal eintippen, Enter.
- Entwicklerwerkzeuge installieren (nur beim ersten Mal, liefert Python mit):
Im Fenster auf Installieren klicken. Kommt „already installed“, ist alles schon da.xcode-select --install - Dateien herunterladen – beide landen im Ordner Downloads:
- Starten:
Installation und Download dauern beim ersten Mal 10–30 Minuten.cd ~/Downloads bash try_mac.sh - Ergebnis. Das Modell liegt im Unterordner
models. Wie es genau benutzt wird, steht in der Model Card auf Hugging Face.
Linux
- Grafikkarte prüfen.
nvidia-smisollte deine Karte anzeigen. Wenn nicht, unter Ubuntu den Treiber installieren und neu starten:sudo ubuntu-drivers install - Python-Grundlagen installieren (Ubuntu/Debian):
sudo apt update && sudo apt install -y python3-venv python3-pip git - Dateien in einen Ordner laden und dort ein Terminal öffnen:
- Starten:
bash try_linux.sh - Ergebnis. Das Modell liegt im Unterordner
models. Wie es genau benutzt wird, steht in der Model Card auf Hugging Face.
Das kannst du ausprobieren
PREDICT COUNT(orders.*, 0, 30, days) FOR EACH users.user_idWelche Kunden werden in den nächsten 30 Tagen voraussichtlich abwandern?Wie viele Einheiten wird jedes Produkt im nächsten Monat verkaufen?
Wenn es hakt
Installation per pip install structured-data-models; eine CUDA-fähige GPU wird vorausgesetzt.
Die Gewichte stehen unter der OpenMDW License 1.1, Lizenzbedingungen vorher prüfen.
Fremdschlüssel und Zeitstempel müssen sauber definiert sein, sonst fehlt dem Modell das Beziehungssignal.
Es ist kein Chat-Modell, sondern arbeitet mit Tabellen und PQL.
„out of memory“, Absturz oder der Rechner hängt
Das Modell ist zu groß für deinen Grafikspeicher. Nimm eine kleinere Variante aus der Tabelle oben und schließe andere Programme, vor allem Spiele und Browser mit vielen Tabs.
Es läuft, aber extrem langsam
Wahrscheinlich rechnet der Prozessor statt der Grafikkarte. Bei Ollama zeigt ollama ps in der Spalte PROCESSOR, wie viel auf der GPU läuft. Steht dort „100% CPU“, Grafiktreiber aktualisieren oder eine kleinere Variante nehmen, die komplett in den Grafikspeicher passt.
„ollama“ bzw. „python“ wird nicht gefunden
Das Eingabefenster schließen und neu öffnen, damit es das frisch installierte Programm kennt. Bei Python unter Windows: neu installieren und das Häkchen Add python.exe to PATH setzen.
Windows: „Die Ausführung von Skripts ist auf diesem System deaktiviert“
Das Skript genau mit dem Befehl oben starten: powershell -ExecutionPolicy Bypass -File try_windows.ps1. Das erlaubt die Ausführung nur dieses einen Mal.
Fehlermeldung beim Laden des Modells (Version, „trust_remote_code“, unbekannte Architektur)
Ganz neue Modelle brauchen oft die neueste Programmversion. Bei Ollama: Ollama aktualisieren. Bei Python: pip install -U transformers in der aktivierten Umgebung. Die Model Card nennt meist die genaue Version.
Skripte und Notebook erzeugt Tokenstrom automatisch. Bitte vor dem Ausführen kurz ansehen – sie sind lesbarer Klartext. Lizenz des Modells beachten: openmdw-1.1.