Perplexity startet „Teammates“: KI-Kollegen, die rund um die Uhr selbstständig arbeiten

Perplexity bringt mit „Teammates“ dauerhaft laufende KI-Agenten, die feste Aufgaben übernehmen, Veränderungen selbst bemerken und über Slack mit Menschen und anderen Agenten reden. Das Ganze ist eine Testphase und kostet 200 Dollar im Monat. Damit tritt Perplexity direkt gegen ähnliche Angebote von OpenAI, Anthropic und Microsoft an.

Projekte 6. Nov. 2026 5 Min. Lesezeit Quelle: Techmeme
Symbolbild, KI-generiert

Worum es geht

Das KI-Unternehmen Perplexity, bekannt für seine KI-Suchmaschine und den KI-Browser Comet, hat am 5. November 2026 „Teammates“ vorgestellt. Die japanische Seite Gigazine nennt als Datum den 4. November Ortszeit. Teammates sind KI-Agenten, also Programme, die nicht nur Fragen beantworten, sondern eigenständig Aufgaben erledigen. Anders als ein Chatbot warten sie nicht auf die nächste Eingabe. Sie übernehmen eine feste Rolle und arbeiten rund um die Uhr. Perplexity beschreibt sie als virtuelle Kollegen: Man nennt ein übergeordnetes Ziel, statt bei jeder Sitzung lange Anweisungen zu schreiben.

Teammates gibt es zunächst nur als „Research Preview“, also als öffentliche Testphase, in der Web-Version. Voraussetzung ist ein Abo des Tarifs Perplexity Max für 200 US-Dollar im Monat. Eine iOS-Version soll bald folgen. Laut CEO Aravind Srinivas sind auch eigene Apps für Smartphone und Desktop geplant.

Wie Teammates funktionieren

Grundlage ist Perplexity Computer. Das System erschien im Februar 2026 und verteilt Arbeitsaufträge laut Gigazine auf bis zu 19 verschiedene KI-Modelle. Wie Digital Trends erklärt, lief Computer bisher in kurzlebigen Sandbox-Sitzungen, also in abgeschotteten Arbeitsbereichen, die nach jedem Auftrag wieder verschwanden. Wer einen Agenten dauerhaft einsetzen wollte, musste vorher genau planen.

Teammates bleiben dagegen bestehen. Sie haben Zugriff auf alles, was der Nutzer in Perplexity Computer bereits eingerichtet hat: Projekte, „Skills“ (gespeicherte Arbeitsabläufe), das Gedächtnis („Memory“), Konnektoren zu anderen Diensten, Dateien und frühere Sitzungen. Laut Gigazine planen sie Projekte, stimmen Arbeitsschritte ab und ändern ihr Vorgehen, wenn sich Prioritäten verschieben. Zwischenergebnisse legen sie zur Prüfung vor. Den Fortschritt verfolgt man in eigenen Threads in der Perplexity-App.

Wichtig ist, dass die Agenten auch ohne Anweisung handeln. Ein Teammate beobachtet die verbundenen Werkzeuge und reagiert, sobald sich etwas ändert. Braucht er eine Entscheidung, hält er an und fragt nach. Perplexity nennt ein Beispiel: Ein Vertriebsagent merkt, dass ein Stammkunde nicht mehr bestellt. Er prüft daraufhin Bestellverlauf und Support-Anfragen, sucht die Ursache und bereitet laut ChainCatcher einen Plan für die Nachverfolgung vor.

Zusammenarbeit über Slack und zwischen Agenten

Teammates lassen sich in Slack-Kanäle einbinden. Dann können Kolleginnen und Kollegen ihnen dort Aufgaben geben oder nach dem Stand fragen. Auch andere Agenten können das. Die Agenten geben Arbeit untereinander weiter: Einer findet zum Beispiel einen Fehler auf der Website und übergibt seine Analyse an einen zweiten, der einen Lösungsvorschlag schreibt.

Perplexity nennt Einsatzfelder in Marketing, Vertrieb, Kundensupport, Betrieb und Finanzen. Laut Digital Trends sollen Teammates unter anderem Fehlermeldungen sortieren, Qualitätstests durchlaufen lassen, die Sicherheit überwachen, Daten auswerten und A/B-Tests verwalten, also Vergleiche zweier Varianten etwa einer Werbeanzeige. Sie sollen außerdem aus Fehlern und Rückmeldungen lernen. In einer Demo bemerkt ein Werbe-Teammate, dass Anzeigen von Creatorn die Zielvorgabe für die Kundengewinnungskosten unterbieten. Er bereitet eine größere Kampagne vor und schickt die Vertragsverlängerung an die Rechtsabteilung. Die Markenleiterin sagt ihm daraufhin, er solle das künftig ohne Rückfrage erledigen.

Intern nutzt Perplexity das Werkzeug schon länger. Laut einem Bericht von ChainCatcher, den die Kryptobörse KuCoin übernommen hat, hatte Business Insider das interne Tool bereits im Juli enthüllt. Damals diente es vor allem der Fehlersuche und Systemüberwachung in der Softwareentwicklung. Srinivas sagt, in den vergangenen 30 Tagen seien in der Firma rund 10.000 Teammates angelegt worden, etwa 20-mal so viele wie menschliche Angestellte. Diese Zahl stammt vom Unternehmen selbst und lässt sich nicht unabhängig prüfen.

„Wir stellen uns vor, dass mit der Zeit jede Organisation Hunderte Teammates hat, die für jede einzelne Person arbeiten.“ – Aravind Srinivas auf X

Sicherheit und Kosten

Jeder Teammate läuft laut Perplexitys Hilfeartikel auf einem eigenen, isolierten Rechner mit eigenem Desktop, Browser und eigenen Cookies. Man kann sich den Desktop eines Agenten ansehen, ihn umlenken oder die Steuerung selbst übernehmen. Plugins und Skills laufen mit denselben Rechten wie der Nutzer. Zugangsdaten werden verschlüsselt gespeichert, die Agenten selbst können sie nicht einsehen. Auf welche Projekte ein Agent zugreifen darf und welche Slack-Kanäle er beobachtet, wird getrennt festgelegt.

Der Preis ist hoch. Teammates verlangen den Max-Tarif für 200 Dollar im Monat. Free- und Pro-Kunden müssen also upgraden. Firmenkonten (Enterprise Pro und Enterprise Max) sind laut Shiftdelete standardmäßig nicht freigeschaltet. Dazu kommt: Die Agenten verbrauchen Credits aus dem monatlichen Kontingent des Max-Tarifs. Komplexe oder parallel laufende Aufgaben kosten mehr. Wer viele Agenten ununterbrochen arbeiten lässt, kann sein Kontingent schnell aufbrauchen.

Die Konkurrenz

Perplexity ist mit der Idee nicht allein. The Verge vergleicht Teammates mit OpenAIs „Dots“ und Anthropics „Claude Duet“, die ebenfalls mehrere Aufgaben gleichzeitig rund um die Uhr erledigen. Digital Trends nennt außerdem OpenAIs Workspace-Agenten, Microsofts Copilot Cowork, Grok Bot von xAI und Anthropics Claude Cowork. Die Angebote von OpenAI und Microsoft richten sich laut Digital Trends eher an Organisationen. Perplexity zielt dagegen vorerst auf einzelne Abonnenten. Laut The Verge ist Perplexitys Variante deutlich teurer als die der Konkurrenz.

Einordnung

Teammates setzen fort, was Perplexity mit dem Browser Comet und mit Computer begonnen hat: weg vom Antwort-Chatbot, hin zu Software, die selbst handelt. Neu ist vor allem, dass die Agenten dauerhaft laufen, von sich aus aktiv werden und sich die Arbeit untereinander aufteilen. Damit steht Perplexity im direkten Wettbewerb mit deutlich größeren Firmen wie OpenAI, Anthropic und Microsoft.

Vieles ist noch offen. Es gibt bisher keine unabhängigen Tests, wie zuverlässig die Agenten über Wochen arbeiten. Gerade bei Agenten, die ohne Rückfrage Verträge weiterleiten oder Kampagnen vergrößern, entscheiden Fehlerquote und Kontrollmöglichkeiten über den Nutzen. Wie Shiftdelete anmerkt, dürften Credit-Verbrauch und Rechteverwaltung im Alltag den Ausschlag geben. Und für viele Einzelpersonen ist der Einstiegspreis von 200 Dollar im Monat ohnehin eine hohe Hürde.

Quellen

#perplexity#ki-agenten#produktivität#slack#abo
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