Smart-TV-Werbung per Claude Code abschalten: CleanYourTV geht viral

Ein Entwickler ließ Claude Code die Werbung auf dem Xiaomi-Fernseher seiner Eltern abschalten. Daraus wurde das Open-Source-Projekt CleanYourTV, das binnen gut einer Woche über 37.000 GitHub-Sterne sammelte. Es deaktiviert Werbe- und Tracking-Apps auf Android- und Google-TVs, ist aber nicht ohne Risiko.

Tools 2. Nov. 2026 5 Min. Lesezeit Quelle: Bing News (fr-FR)
Symbolbild, KI-generiert

Worum es geht

Ein Entwickler namens Gathin T. ärgerte sich über Werbung auf dem Xiaomi-Fernseher seiner Eltern: Bevor man Netflix erreichte, erschien eine gesponserte Anzeige. Er gab Anthropics Coding-Agenten Claude Code die Modellnummer des Geräts. Der Agent fand den Fernseher im WLAN, deaktivierte 25 Xiaomi-Softwarepakete und schrieb einen neuen, an Apple TV angelehnten Startbildschirm. Aus dem Experiment, das er laut Wccftech am 17. Oktober 2026 auf X teilte, wurde das Open-Source-Projekt CleanYourTV. Es verbreitete sich rasant. Nutzer sprechen von „Vibe Coding“ für den Fernseher: Man beschreibt in normaler Sprache, was man will, und eine KI schreibt und führt den Code aus.

Wie es funktioniert

Das Werkzeug nutzt die Android Debug Bridge (ADB), ein Wartungswerkzeug, das in Android-TVs eingebaut ist. Nach Freischalten des Entwicklermodus und Aktivieren des USB-/Netzwerk-Debuggings kann ein Computer im selben WLAN das Gerät steuern und alle installierten Apps auflisten.

CleanYourTV sichert zuerst die bestehende Konfiguration, deaktiviert unerwünschte Pakete mit dem Android-Befehl pm disable-user und installiert einen schlanken Ersatz-Launcher (Startbildschirm). Root-Zugriff ist nicht nötig. Weil Apps nur abgeschaltet und nicht gelöscht werden, lässt sich über tools/restore.sh alles zurücksetzen. Laut note.com dauert der Vorgang mit dem Agenten etwa 15 Minuten.

Beispiele aus der Community: Mihir Gupta ersetzte einen 192 MB großen Standard-Launcher durch einen eigenen mit 83 MB. Ansub Khan gab an, der freie Speicher auf dem alten Android-TV seiner Eltern sei um rund 90 % gestiegen. Ryan Doyle ließ sich von Claude durch den Prozess führen und änderte sogar den Bildschirmschoner (beides laut TechCrunch-Bericht, wie note.com und Blockonomi es wiedergeben).

Zahlen und Version 3.0

Die Angaben zum Umfang unterscheiden sich je nach Quelle und Zeitpunkt, weil das Projekt schnell wächst:

Zeitpunkt / Quelle Stand
note.com (Anfang) 54 Modelle, 23 Marken
Blockonomi 107 Modelle, 37 Marken, 10.700 Sterne, 1.200 Forks, 85 offene Pull Requests
Wccftech (Version 3.0) 300 Modelle, 86 Marken, über 37.000 Sterne

Gathin schrieb laut Blockonomi, einige tausend Leute hätten ihre Fernseher binnen zwei Tagen gesäubert. Version 3.0 bringt laut Release Notes 28 Sprachen und 20 optionale Add-ons, darunter:

  • Anzeige von Home-Assistant-Lichtern, Klima- und Schlossstatus direkt auf dem Fernseher,
  • Steuerung von Pi-hole oder AdGuard Home (DNS-Filter gegen Werbung) vom Sofa aus,
  • frei belegbare Fernbedienungstasten,
  • neue Layouts, Themen und Hintergrundbilder,
  • eine von der Community entwickelte Android-App, mit der man kompatible Fernseher ohne PC bereinigen kann.

Konkurrenzprojekt dumbtv

Ein ähnliches Projekt namens dumbtv von Muzzammil Yasin Sabuwala zielt auf Amazon Fire TV. Es deaktiviert rund 65 Pakete, darunter ACR, Werbe-IDs, Werbung in Empfehlungsfeldern, Nutzungsanalysen sowie Alexa- und Mikrofon-Apps, und installiert einen 41 KB kleinen Launcher ohne Internetberechtigung. Laut note.com entstand es mit DeepSeek V4.1 Flash sowie Claude Opus 5.5 und Sonnet 5.5, dauert etwa 10 Minuten und startet den Fernseher dabei zweimal neu. Beide Projekte stehen unter MIT-Lizenz.

Hintergrund: Warum Fernseher Daten sammeln

Viele Smart-TVs nutzen Automatic Content Recognition (ACR): Die Software erkennt, was auf dem Bildschirm läuft – auch von Kabelbox oder HDMI-Geräten – und meldet es zurück, damit Hersteller gezielte Werbung verkaufen können. Texas verklagte laut Blockonomi im Dezember 2025 Sony, Samsung, LG, Hisense und TCL; die Fernseher könnten alle 500 Millisekunden einen Screenshot des Bildes erfassen. 2017 zahlte Vizio 2,2 Millionen Dollar Vergleich, weil Sehdaten von 11 Millionen Geräten ohne Zustimmung gesammelt wurden. Walmart kaufte Vizio 2024 für etwa 2,3 Milliarden Dollar und verwies auf das Werbegeschäft.

Risiken und Grenzen

  • Kompatibilität: Voll funktioniert der Hauptweg auf Android TV und Google TV (Sony, TCL, Hisense, Philips, Xiaomi, NVIDIA Shield). Fire TV erlaubt keine fremden Launcher, dort läuft nur das Abschalten. Samsung und LG sind nicht unterstützt.
  • Defekte Geräte: Ein Nutzer berichtete, sein Fernseher sei nach der Aktion nicht mehr gestartet („gebrickt“), bei einem anderen blieb ein Fire-TV-Vorgang hängen. Claude reagierte zudem nicht auf die simple Bitte „hack den Fernseher“; es brauchte detaillierte Anweisungen.
  • Updates: Viele deaktivierte Pakete gehören zum Firmware-Update-Mechanismus. Wer Updates will, muss sie wieder aktivieren. Das README empfiehlt, die Liste schrittweise anzuwenden.
  • Sicherheit: ADB über das Netzwerk ist unverschlüsselt. Bei manchen Firmwares kann jedes Gerät im selben WLAN den Fernseher übernehmen, daher sollte man das Debugging danach ausschalten.
  • Werbung bleibt teils: Anzeigen innerhalb von Streaming-Apps verschwinden laut Wccftech nicht.

Wer dem Agenten nicht traut, kann laut TechCrunch auf bestehende Launcher-Apps wie ATV Launcher, Projectivy Launcher oder FLauncher setzen.

Was du zum Ausprobieren brauchst

Du brauchst keine starke Hardware: einen Computer (oder laut Wccftech die Community-App auf dem Smartphone) im selben WLAN wie der Fernseher, einen Android-TV, Google-TV oder Fire-TV, aktiviertes ADB-Debugging und Zugang zu Claude Code (Anthropic-Konto). Speicherplatz spielt kaum eine Rolle. Prüfe unter „Info“ in den Einstellungen, welches Betriebssystem läuft.

Einordnung

Das Projekt zeigt, wie Coding-Agenten Alltagsärger in teilbare Werkzeuge verwandeln, und trifft einen Nerv: Hersteller subventionieren Geräte über Werbung und Daten. Praktisch ist die Rückgängig-Funktion. Kritisch bleiben Brick-Risiko, fehlende Updates und das offene ADB. Zahlen wie Modellanzahl und Sterne stammen aus Berichten, die sich teils auf Social Media stützen; unabhängig geprüft ist wenig. Wer unsicher ist, sollte die modellspezifischen Listen und Backup-Hinweise lesen und erst an einem Zweitgerät üben. Der Artikel von note.com weist selbst darauf hin, KI-generiert zu sein.

Quellen

#claude-code#smart-tv#open-source#datenschutz#android-tv#vibe-coding
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