Was ein KI-Agent im Monat kostet: Anthropic, Kimi, OpenAI und DeepSeek nachgerechnet
Die KI-Labore verkaufen nicht mehr nur Modelle, sondern auch die Umgebung, in der Agenten rund um die Uhr arbeiten. Wir haben für einen Dauer-Agenten und einen Zwei-Stunden-Agenten nachgerechnet, was Anthropic, Kimi, OpenAI, DeepSeek, AWS und Perplexity verlangen. Ergebnis: Die Laufzeitgebühr ist der kleinste Posten. Teuer werden die Token, und der eigentliche Preis ist die Abhängigkeit.

Darum geht es
Lange haben sich die KI-Labore vor allem über ihre Modelle verglichen. Seit Herbst 2026 verkaufen sie zusätzlich die Laufzeitumgebung, im Fachjargon „Harness“: die Software um das Modell herum. Dazu gehören eine Sandbox (ein abgeschotteter Rechner, auf dem der Agent Code ausführt), Werkzeuge, ein Gedächtnis, Protokolle und eine Fehlerbehandlung. Erst damit kann ein Agent tage- oder wochenlang selbstständig arbeiten.
Allein in der Woche um den 5. November ist viel passiert. Moonshot hat Kimi Hosted Agents offiziell gestartet. DeepSeek hat am selben Abend erstmals Nutzerzahlen für DeepSeek Harness veröffentlicht und einen Plugin-Marktplatz angekündigt. AWS hat Kiro um Crew-Bots erweitert, und Perplexity hat Teammates gestartet. Westliche Vergleiche wie der von The New Stack („the harness is the product … they disagree on the price“) behandeln Anthropic, OpenAI, Google und Microsoft. Die chinesischen Anbieter fehlen darin. Wir haben deshalb für ein konkretes Szenario nachgerechnet, was die Anbieter verlangen und wo man sich an einen Anbieter bindet.
Die Angebote im Überblick
| Anbieter | Laufzeitgebühr | Abrechnung | Selbst hostbar? |
|---|---|---|---|
| Anthropic Claude Managed Agents | 0,08 $ pro Sitzungsstunde | nur Status „running“, Millisekunden-genau | nein; Alternative: Claude Agent SDK |
| Kimi Hosted Agents | 0,072 ¥ (≈ 0,011 $) pro Sandbox-Stunde | nach Laufzeit, plus Plugin-Aufrufe | nicht angekündigt |
| OpenAI Agents SDK / Agents API | keine eigene Gebühr | gehostete Sandbox zu Container-Preisen | ja, eigene oder Partner-Sandbox |
| DeepSeek Harness | 0 (Open Source, MIT) | läuft lokal | ja |
| AWS Kiro Crew-Bots | keine eigene Gebühr | Credits des Kiro-Abos (20–200 $) | Crew teils offen, Kiro-Basis proprietär |
| Perplexity Teammates | Pauschale | Max-Abo 200 $/Monat inkl. Credits | nein |
Die Laufzeit: kleine Beträge mit Kleingedrucktem
Anthropic. Die offizielle Preisseite nennt 0,08 Dollar pro Sitzungsstunde. Laut Anthropic wird diese Zeit „auf die Millisekunde gemessen und fällt nur an, solange der Status der Sitzung running ist“. Wartet der Agent auf die nächste Nachricht oder eine Freigabe (idle), läuft keine Gebühr. Dasselbe gilt für die Status rescheduling und terminated. Die oft genannten 58 Dollar im Monat sind deshalb eine Obergrenze für einen Agenten, der ununterbrochen rechnet. Ein Agent, der die meiste Zeit wartet, kostet deutlich weniger. Die Gebühr ersetzt die sonst fälligen Container-Stunden der Code-Ausführung (0,05 $/Stunde nach 1.550 Freistunden). Batch-Rabatte gelten in Sitzungen nicht. Anbieten will Anthropic Managed Agents nur über die eigene API, nicht über Partner-Clouds wie Bedrock.
Kimi. Die offizielle Formel auf der Preisseite lautet: Sandbox-Stunden × 0,072 Yuan + Modellkosten + Plugin-Aufrufe × Stückpreis. Laut Sina kostet ein 30 Tage lang laufender Sandbox 51,84 Yuan. Beim Kurs vom 5. November (6,667 Yuan je Dollar) sind das 7,78 Dollar, etwa ein Siebtel von Anthropics Höchstsatz. Laut Biggo Finance hat die Sandbox nur 1 CPU-Kern und 1 GB Arbeitsspeicher, auf der offiziellen Seite fanden wir dazu keine Angabe. Ob auch Leerlauf berechnet wird, ist nicht dokumentiert. Plugins kosten pro Aufruf zwischen 0,001 und 0,45 Yuan: eine Websuche 0,03 Yuan, eine Bildsuche 0,045 Yuan, manche Finanzdaten-Plugins 0,35 oder 0,45 Yuan. Zum Start gibt es über 140 Skills, mehr als 30 Plugins mit Datenquellen wie Wind, iFinD und S&P Global sowie acht Vorlagen für Finanz-Agenten. Die Beta lief seit September für verifizierte Firmenkunden in China.
OpenAI. Am Agents SDK und an der Agents API (Public Beta seit 10. September) verdient OpenAI nichts direkt. Im Forum heißt es: „Für die Nutzung der Agents API fallen keine zusätzlichen Gebühren an.“ Wer aber die von OpenAI gehostete Sandbox nutzt, zahlt Container-Preise. Laut Preisseite sind das 0,03 Dollar (1 GB) bis 1,92 Dollar (64 GB) pro 20-Minuten-Sitzung. Eine Fußnote spricht dagegen von Minutenabrechnung mit 5 Minuten Minimum für „berechtigte“ Sitzungen. Ob Leerlauf zählt, ist laut tokencost.app nicht veröffentlicht. Alternativ bringt man die Sandbox selbst mit oder nutzt Partner wie DigitalOcean, E2B, Modal oder Cloudflare.
Zum Vergleich: reine Infrastruktur. DigitalOcean verlangt für seine Harness-Runtime 0,0535 Dollar pro Stunde für 1 vCPU und 1 GB. CPU-Kosten fallen beim Warten auf null, nur der Speicher (0,0095 $/GB-Stunde) läuft weiter.
AWS Kiro. Crew-Bots sind benannte, langlebige Agenten mit eigenem Gedächtnis, etwa für Build-Überwachung oder Code-Review. Ein AWS-Sprecher sagte The Register: „Alle Kiro-Bots werden gemeinsam über den bestehenden Kiro-Plan abgerechnet.“ Die Pläne kosten laut kiro.dev 20 bis 200 Dollar mit 1.000 bis 10.000 Credits, jeder weitere Credit 0,04 Dollar. Wie viele Token ein Credit wert ist, hängt vom Modell ab. In Dollar pro Stunde lässt sich das nicht umrechnen. The Register warnt: Weil jeder Bot ein eigenes Gedächtnis hat, kann sich derselbe Kontext doppelt in den Kosten niederschlagen.
Perplexity. Teammates gibt es nur im Max-Abo für 200 Dollar. Laut Hilfeseite enthält es 10.000 Computer-Credits im Monat, und die Agenten zehren davon.
Unsere Beispielrechnung
Szenario: Agent A läuft 30 Tage rund um die Uhr (720 Stunden). Agent B arbeitet zwei Stunden täglich (60 Stunden). Zusammen sind das 780 Agentenstunden. Für die Token nehmen wir an: 120 Millionen Eingabe-Token im Monat, davon 80 Prozent Cache-Treffer (bereits verarbeiteter Kontext, der billiger wiederverwendet wird), und 6 Millionen Ausgabe-Token. Cache-Schreibkosten haben wir der Einfachheit halber weggelassen. Die Annahmen sind unsere, die Preise stammen von den offiziellen Preisseiten. Euro-Werte beruhen auf dem EZB-Kurs vom 5. November (1,1224 $).
| Paket | Laufzeit (780 h) | Token | Summe/Monat |
|---|---|---|---|
| Anthropic + Claude Opus 5.5 ($4/$0,20/$20) | bis 62,40 $ | 235,20 $ | bis 297,60 $ (≈ 265 €) |
| Anthropic + Claude Sonnet 5.5 ($2/$0,10/$10) | bis 62,40 $ | 117,60 $ | bis 180,00 $ (≈ 160 €) |
| Kimi Hosted Agents + K3.1 Pro (13/1,30/68 ¥) | 8,42 $ | 126,71 $ | 135,13 $ (≈ 120 €) |
| OpenAI SDK, eigene Sandbox + GPT-6.1 Sol ($2/$0,10/$10) | eigene Kosten, z. B. 7–42 $ bei DigitalOcean | 117,60 $ | ≈ 125–160 $ |
| OpenAI Agents API, 1-GB-Sandbox + GPT-6.1 Sol | bis 70,20 $ (Leerlauf unklar) | 117,60 $ | bis 187,80 $ |
| DeepSeek Harness lokal + V4-Pro | 0 $ + eigene Hardware | 30–60 $ (Neben-/Hauptzeit) | ≈ 30–60 $ |
| Perplexity Teammates | Pauschale | in Credits | ab 200 $ |
Dazu kommen Websuchen. Bei 900 Suchen im Monat sind das bei Anthropic und OpenAI je 9 Dollar (10 $ pro 1.000), bei Kimi rund 4 Dollar und bei DeepSeek 0,68 Dollar (0,75 $ pro 1.000).
Ein wichtiger Vorbehalt: Die Tabelle vergleicht gleiche Token-Mengen, nicht gleiche Arbeit. Laut Anthropic erzeugen Claude 4.7 und neuere Modelle mit ihrem neuen Tokenizer für denselben Text etwa 30 Prozent mehr Token. Kimi K3.1 Pro läuft nur im Denkmodus, standardmäßig auf der höchsten Stufe, was mehr Ausgabe-Token kostet. Ein unabhängiger Test des Kanals Prompt Engineering ergab für Kimi gegenüber Opus 5.5 trotzdem rund 55 Prozent Ersparnis, aber auch mehr Fehler bei Präzisionsaufgaben.
Unsere Einschätzung: Die Laufzeitgebühr ist der kleinste Posten. Selbst im ungünstigsten Fall macht sie bei Anthropic ein Drittel bis ein Fünftel der Rechnung aus, bei Kimi rund sechs Prozent. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam im April eine Analyse von Scott Armbruster: Anthropics Laufzeitgebühr entspreche 10 bis 15 Prozent einer typischen Sitzungsrechnung. Die großen Unterschiede entstehen beim Modellpreis.
Wo das Lock-in steckt
Lock-in heißt: Man bindet sich so an einen Anbieter, dass ein Wechsel teuer oder mühsam wird. Billig ist die Laufzeit, die Bindung entsteht an anderer Stelle.
- Sitzungszustand: Bei Anthropic liegt jede Sitzung als fortlaufendes Ereignisprotokoll auf Anthropics Servern und läuft nur mit Claude-Modellen. Der Ratgeber von Verdent nennt das den eigentlichen Preis: Ein Wechsel sei „nicht trivial“. Auch OpenAIs Agents API verwaltet Kontext und lange Sitzungen selbst. Laut Drittberichten gibt es dort nur US-Datenhaltung und kein Zero Data Retention, also keine Zusage, dass keine Daten gespeichert werden. Das sollte man vor dem Einsatz prüfen.
- Plugin-Marktplätze: Kimis Vorteil sind lizenzierte Finanzdaten (Wind, iFinD, S&P), die man nicht einfach mitnehmen kann. DeepSeek plant einen offiziellen Marktplatz. Laut IT Home gibt es schon rund 35.000 Plugins, und etwa 60 Prozent der aktiven Nutzer haben mindestens eines gebaut oder installiert.
- Sicherheits-Hooks: Kimis „Inference Hook“ prüft vor jeder Modellanfrage Eingaben und Werkzeug-Rückgaben nach firmeneigenen Regeln. Er steht aber nur verifizierten Firmenkunden auf Einladung offen. Solche Kontrollschichten sind schwer zu ersetzen, sobald Compliance-Prozesse darauf aufbauen.
- Nutzungsregeln: Kiro verbietet laut Preisseite Harnesses von Drittanbietern wie OpenClaw, die Anfragen an Kiros eigenen Oberflächen vorbei leiten. Kiro Crew steht zwar unter Apache-2.0-Lizenz, läuft laut Berichten aber auf der proprietären Kiro-CLI.
Was man selbst hosten kann
Am offensten ist DeepSeek Harness: MIT-Lizenz, laut GitHub rund 274.000 Sterne, Start lokal per npx. Mitgelieferte Anbieter sind DeepSeek, Anthropic und OpenAI, dazu jede OpenAI-kompatible Schnittstelle bis hin zu lokalen Modellen über Ollama. Das Projekt ist aber eine Entwickler-Vorschau, und die README warnt vor Änderungen, die bestehende Setups brechen. Die Bindung entsteht hier über das Ökosystem. Die Nutzerzahl von 1,54 Millionen zählt nur Nutzer der offiziellen DeepSeek-API, und die angekündigten Prämien für Plugin-Autoren werden in DeepSeek-Token ausgezahlt. Nachgerechnet: 92 Billionen Token am Tag geteilt durch 1,54 Millionen Nutzer ergibt rund 60 Millionen Token pro Nutzer und Tag. Der kostenlose Harness ist also vor allem ein Vertriebsweg für die API. Am 30. September lag die Zahl noch bei etwa 271.000 täglichen Nutzern.
OpenAIs Agents SDK lässt sich mit eigener Sandbox oder in der eigenen VPC betreiben, also einem abgeschotteten Netz in der eigenen Cloud. GitHub hat einen anderen Weg gewählt: Die Copilot-Laufzeit wurde von rund 430.000 Zeilen TypeScript auf 832.378 Zeilen Rust portiert. Laut GitHub-Blog geschah das, damit sie ohne Node.js direkt in Programme eingebettet werden kann, von VS Code bis Word und Outlook. Laut einer GeekNews-Zusammenfassung des zugehörigen Vortrags verbrauchte die Portierung etwa 136 Milliarden Token, zu Listenpreisen rund 120.000 Dollar. Eine Preisänderung für Copilot hat GitHub nicht angekündigt.
Unser Fazit
Wer nur auf die Stundensätze schaut, sieht ein klares Gefälle: Kimi kostet rund ein Siebtel von Anthropic, OpenAI und DeepSeek verlangen für die Laufzeit nichts. Die Sätze messen aber Verschiedenes. Anthropic berechnet nur aktive Rechenzeit, Kimi berechnet die Sandbox-Laufzeit einer sehr kleinen Maschine, und bei OpenAI ist die Abrechnung des Leerlaufs ungeklärt. Unsere Einschätzung: Für die Monatsrechnung entscheidet das Modell, nicht die Laufzeit. Für die langfristigen Kosten entscheidet, wo Sitzungen, Gedächtnis und Plugins liegen.
Für Teams in Europa kommt hinzu: Kimi Hosted Agents richtete sich in der Beta an chinesische Firmenkunden, und die Datenfrage stellt sich bei allen gehosteten Angeboten. Wer flexibel bleiben will, fährt mit einem offenen Harness (DeepSeek, OpenAI SDK) und austauschbaren Modellen am sichersten. Dafür übernimmt man Betrieb und Sicherheit selbst. Offen bleibt, wie Microsoft abrechnet: Laut Sina startet die Abrechnung für seine Copilot-Laufzeit in Foundry am 1. Dezember, Preise nach Ressourcenverbrauch sind angekündigt.
Quellen
- Anthropic: Pricing (Claude Managed Agents, Modellpreise) platform.claude.com
- Kimi API: 托管智能体定价 (Hosted Agents Pricing) platform.kimi.com
- Sina: 月之暗面发布托管智能体服务,沙箱运行与插件调用单独计费 k.sina.cn
- Biggo Finance: Moonshot AI Launches Hosted Agent Service finance.biggo.com
- NetEase: 月之暗面B端收入中API调用占比达70% 163.com
- IT之家: DeepSeek Harness 日活跃用户达 154 万 ithome.com
- 什么值得买: DeepSeek Harness 插件作者 Token 激励 post.smzdm.com
- GitHub: deepseek-ai/deepseek-harness github.com
- DEV Community: How to run any model in DeepSeek Harness dev.to
- DeepSeek API: Pricing api-docs.deepseek.com
- OpenAI: API Pricing developers.openai.com
- OpenAI Community: Introducing the Agents API and hosted sandboxes community.openai.com
- tokencost.app: OpenAI Agents API hosted sandbox pricing tokencost.app
- DigitalOcean: Harness Runtime Pricing docs.digitalocean.com
- Kiro Blog: Introducing bots in Kiro Crew kiro.dev
- Kiro: Pricing kiro.dev
- The Register: AWS Kiro aims to solve identity crisis by adding another identity theregister.com
- VentureBeat: AWS launches agentic AI Kiro bots venturebeat.com
- GitHub Blog: Migrating the GitHub Copilot runtime to Rust github.blog
- GeekNews: GitHub Copilot 런타임 Rust 이식 news.hada.io
- Digital Trends: Perplexity's new AI coworkers digitaltrends.com
- Perplexity Help Center (Spiegel): What is Computer perplexity-help-center.pages.dev
- Scott Armbruster: What Running AI Agents Actually Costs in 2026 armbruster-brand-astro.pages.dev
- TrueFoundry: Claude Managed Agents Pricing truefoundry.com
- ARIVA: EZB-Referenzkurs 1,1224 US-Dollar (05.11.26) ariva.de
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