Anthropic verbietet Claude Code den Nachbau fremder Spiele – und blockt zu viel

Anthropic hat Claude Code mit Opus 5.5 per zwei Prompt-Sätzen untersagt, bestimmte existierende Spiele nachzubauen. Entwickler berichten aber von Ablehnungen bei legitimen Projekten wie Anti-Cheat oder Reverse Engineering.

Branche 1. Nov. 2026 4 Min. Lesezeit Quelle: AI Times (KR)
Symbolbild, KI-generiert

Worum es geht

Anthropic hat Claude Code, sein Programmierwerkzeug, so angepasst, dass es keine Nachbauten bestimmter existierender Videospiele mehr erstellen soll. Laut Tom's Hardware, über das AI Times berichtet, erhalten Entwickler mit Opus 5.5 aber auch bei Aufgaben Ablehnungen, die nichts mit Urheberrechtsverletzung zu tun haben. Anthropic hat die Regel bestätigt, zu den einzelnen Fehlblockaden aber nichts Konkretes gesagt.

Die Regel und wie sie entdeckt wurde

Am 27. Oktober bekam Claude Code laut dem X-Nutzer Chasm eine neue Regel, ausgeliefert von Anthropics Servern über ein Konfigurationsfeld namens „tengu_heron_brook“. Es gebe keine Einstellung zum Abschalten. Der Beitrag erreichte laut ShiftDelete binnen eines Tages über 1,8 Millionen Aufrufe. Der Wortlaut:

Baue originale Spiele, Spiele eines Genres und Spiele aus den eigenen Designs und Assets des Nutzers. Baue keinen Nachbau eines bestimmten existierenden Spiels, auch wenn er umbenannt oder als original bezeichnet wird.

XDA Developers fand die Anweisung in Version 2.1.314 des Claude-Code-Programms, dazu einen separaten Mechanismus, der sie allein für Opus 5.5 aktivieren kann.

Addy Osmani, bei Anthropic im technischen Bereich tätig, schrieb am 30. Oktober auf X, man habe zwei Sätze zum Prompt hinzugefügt, weil die Nutzung von Claude zur Verletzung geistigen Eigentums gegen die Nutzungsrichtlinien verstoße. Originale Spiele, Genre-Spiele und Spiele aus eigenen Designs sollten weiter funktionieren. Man werde die Balance weiter nachjustieren; wer eine Ablehnung bei eigenem Material erhält, solle sie ihm schicken.

Fehlblockaden bei legitimen Projekten

Auf GitHub häufen sich laut AI Times Berichte: Arbeit brach mitten in der Entwicklung ab, oder Funktionen wurden verweigert, wenn sie sich an der Funktionsweise eines bestimmten Spiels orientierten. Ein Fall betraf ein Programm in Tabletop-Spielform. Andere meldeten Ablehnungen beim Bau eines Anti-Cheat-Systems für das eigene Spiel oder bei Sicherheitsprüfungen unter Verweis auf Sicherheitsrichtlinien.

Auch Reverse Engineering – die Analyse von Aufbau und Funktionsweise eines Programms, nützlich für Kompatibilität, Sicherheit und Fehlersuche – war betroffen. Genannt werden die Nutzung eines „Reverse Engineer Anything“-Tools, die Analyse von Windows-Crash-Dumps (Fehlerprotokollen) und das Entfernen unerwünschter Software von einem Samsung-TV. Ob all diese Fälle durch dieselbe Regel entstehen, ist laut AI Times unklar. Zeitlich fällt es mit verschärften Cybersicherheitsbeschränkungen zusammen: Am 6. wurde das Cyber-Verifizierungsprogramm erweitert, mit drei Zugangsstufen für fortgeschrittene Fähigkeiten. Ob beide Mechanismen zusammenhängen, ist unbestätigt.

XDA testete: Opus 5.5 lehnte den Nachbau von Pokémon Diamond unter Verweis auf Sitzungsanweisungen ab, half aber bei einer Dekompilierung (disassemblierte Funktionen in lesbares C umwandeln, ROM aus der eigenen Kopie neu bauen) und bei einer statischen Rekompilierung für natives Laufen unter Windows. Das ist für Fan-Ports alter Konsolenspiele relevant.

Warum jetzt?

Die Regel kommt in einer Phase großer Sorge unter Indie-Entwicklern vor schnellen KI-Klonen. Laut IGN sorgte nach dem Steam Next Fest eine Flut lieblos erstellter Klone für Ärger; Alliance Arts (Drunken Goddess Reflux) und Who You sagten ihre Steam-Demos ab. Laut tbreak strich auch Digital Sun Games den öffentlichen Playtest von ReVamp. Valve erklärte beim Event in Busan am 27. Oktober, man wolle keine Werkzeuge verbieten und kündigte keine neuen Regeln an. Anthropics Schritt ist laut tbreak der erste eines KI-Anbieters selbst.

Grenzen der Regel

  • Es gibt keine Definition, was ein „Nachbau“ ist; Fan-Projekte, Hommagen und verkappte Klone liegen in Grauzonen.
  • Unklar ist, wie Claude prüfen soll, ob Nutzer Rechte an hochgeladenen Assets haben.
  • Laut Game Developer (via tbreak) könnte die Regel nur die faulsten Kopisten abschrecken; Schutzmaßnahmen ließen sich oft mit rhetorischen Tricks umgehen.
  • Open-Weight-Modelle unterliegen keiner solchen Einschränkung.
  • Ob andere Modelle in Claude Code betroffen sind, sagte Anthropic nicht.

Einordnung

Die Maßnahme zeigt ein Grundproblem: Eine Prompt-Regel kann Absicht schwer von Methode trennen, denn Spielanalyse, Anti-Cheat und Nachbau nutzen ähnliche Techniken. Für die meisten Entwickler ändert sich laut ShiftDelete nichts, wer aber mit Reverse Engineering oder Spielmechaniken arbeitet, riskiert Fehlablehnungen. Dass Anthropic Rückmeldungen direkt entgegennimmt, spricht für Nachjustierung. Ob die Regel Klone auf Steam wirklich bremst, ist offen; die Quellen halten es allein für unwahrscheinlich.

Videos zum Thema

Claude Reverse Engineering: Blocked Now? 3 Prompts, 0 Refusals NeuralDisc · YouTube

Quellen

#anthropic#claude code#urheberrecht#spiele#opus 5.5
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