„Black October“: KI findet PHP-Lücken, Angreifer schlagen binnen Minuten zu
Im Oktober 2026 haben Forscher mit KI-Hilfe zwei kritische Sicherheitslücken in PHP entdeckt, das einen Großteil aller Websites antreibt. Kurz nach der Veröffentlichung registrierte Cloudflare Millionen Angriffsversuche, Behörden nahmen Seiten vorübergehend vom Netz. Dazu kamen weitere Vorfälle bei KI-Plattformen – Fachleute sprechen von „Black October“.

Worum es geht
Im Oktober 2026 häufen sich Sicherheitsvorfälle, die Fachleute unter dem Schlagwort „Black October“ zusammenfassen. Auslöser der größten Aufregung war am 21. Oktober die Veröffentlichung von Notfall-Updates für zwei kritische Schwachstellen in PHP, einer Programmiersprache, die auf Millionen Websites läuft. Die Lücken wurden mit Hilfe von KI gefunden. Das Besondere: Sie ließen sich laut Forschern von Wiz erst mit einer extrem komplexen Kette von Schritten ausnutzen, am Rande dessen, was menschliche Forscher praktisch leisten können.
Wichtig vorab: „Black October“ beschreibt laut Fox News eine Serie von Sicherheitsnotfällen und keine einzelne koordinierte Hackerkampagne. Auch exchange4media betont, es gebe keinen bestätigten Beleg für einen einzigen koordinierten Angriff auf das gesamte Internet.
Die PHP-Lücken „PHP2Shell“
Die beiden Schwachstellen tragen die Kennungen CVE-2026-109618 und CVE-2026-109619 und werden gemeinsam „PHP2Shell“ genannt. Unter bestimmten Bedingungen könnten Angreifer damit auf verwundbaren Servern ohne vorherige Anmeldung Schadcode ausführen (Remote Code Execution – Code läuft aus der Ferne auf dem fremden Rechner). Erfolgreiche Angriffe könnten sensible Daten offenlegen oder Kriminellen die Kontrolle über Systeme geben.
PHP treibt laut Reuters (zitiert von exchange4media) knapp 70 % der Websites an, bei denen die serverseitige Sprache identifizierbar ist. Manche Experten schätzten laut Guardian, dass bis zu 70 % aller Seiten gefährdet waren. Fox News stellt klar: Das bedeute nicht, dass 70 % gehackt wurden oder jede PHP-Seite angreifbar ist. Betroffen sind PHP-Installationen, die Webanfragen verarbeiten, und die Ausnutzung kann komplexe technische Voraussetzungen erfordern.
Wiz nannte die Lücken in einem Blogbeitrag „among the most severe vulnerabilities discovered in PHP, and arguably in software history“. Die zugrunde liegenden Fehler existierten demnach seit Jahrzehnten. An der KI-gestützten Forschung waren laut exchange4media OpenAI und die Google-Sicherheitstochter Wiz beteiligt.
Angriffswelle und Reaktionen
Nach Cloudflare-Chef Matthew Prince gab es schon in den 10 Stunden vor der Bekanntgabe Hinweise auf Tausende Ausnutzungsversuche. In den 45 Minuten danach waren es Zehntausende, binnen zwei Stunden Hunderttausende, später Millionen.
Behörden und Firmen reagierten drastisch: Regierungsseiten in den Niederlanden, Frankreich, Dänemark und Finnland wurden vorsorglich abgeschaltet, ebenso Behörden- und Privatseiten in den USA und Großbritannien. Auch in Japan gab es zeitweise Störungen bei Bank- und Behördendiensten. Die US-Behörde NSA empfahl allen PHP-Betreibern, die Patches sofort einzuspielen. Ein solcher Zugang könne Angreifern helfen, sensible Daten zu stehlen, Dienste zu stören oder tiefer in Netzwerke einzudringen.
Spitzenmanager äußerten sich alarmiert:
„Ich glaube nicht mehr, dass wir alle Bugs patchen können.“ – Sam Altman (laut Guardian)
Jason Clinton, stellvertretender Sicherheitschef von Anthropic, warnte vor einem „Schwachstellen-Tsunami“, für den die Zeit zum Patchen kritischer Infrastruktur nicht reiche. Salesforce-Chef Marc Benioff sprach von „Code Red“, Microsoft-Chef Satya Nadella sagte laut exchange4media, er habe lange nichts Vergleichbares erlebt. Prince erwartet „unglaublich heikle“ zwei Jahre mit Werkzeugen, die unendlich geduldig im Netz nach Lücken suchen.
Weitere Vorfälle rund um KI-Werkzeuge
Die PHP-Lücken sind nur ein Teil des Bildes:
- LiteLLM: Die Open-Source-Plattform, die Anwendungen mit mehreren Sprachmodellen verbindet, meldete am 21. Oktober, ihre Release-Pipeline sei kompromittiert worden. Version 1.107.0 enthielt Malware zum Abgreifen von Zugangsdaten und zum Ausführen von Befehlen aus der Ferne. Betroffene Versionen wurden entfernt; Nutzer sollten prüfen, ob Zugangsdaten offenlagen.
- OpenCode: Am 17. Oktober meldete die KI-Coding-Plattform unbefugten Zugriff auf ein Altsystem der Console, wodurch gespeicherte API-Schlüssel externer KI-Anbieter abgeflossen sein könnten. Betroffen waren rund 1,4 % der Console-Nutzer mit verbundenen Anbietern. Gründer Colin Parsons berichtete von etwa 50 Abrechnungsmeldungen: 281 Dollar bei OpenAI und 168 Dollar bei Anthropic. OpenCode brachte den Vorfall mit einem großangelegten Distillation-Angriff auf KI-Modelle in Verbindung (dabei wird ein Modell mit den Antworten eines anderen nachtrainiert), hat aber nicht öffentlich geklärt, wie die Nutzung genau zustande kam.
- Microsoft und Storm-0940: Am 21. Oktober beschrieb Microsoft, wie die China-nahe Gruppe Storm-0940 das Open-Source-Framework ARTEX nutzte, ein KI-gestütztes Werkzeug für Penetrationstests. Ziel waren Hunderte Organisationen; mehrfach erlangten Angreifer in weniger als drei Stunden privilegierten Cloud-Zugriff. Vom 10. bis 14. Oktober zählte Microsoft über 151.000 fehlgeschlagene Logins gegen 327 Konten in acht Organisationen, bis zu 2.900 pro Minute (Password Spraying – ein Passwort wird bei vielen Konten durchprobiert). In dieser Kampagne gab es keine erfolgreichen Logins. Die Gruppe wurde zudem mit einem Vorfall bei ConnectWise verknüpft.
- Weitere: Kritische Lücken in Node.js und GitLab sowie ein Vorfall bei Indiens eMudhra mit Zugangsdaten einer Zwischenzertifizierungsstelle, was gefälschte Zertifikate ermöglichen könnte. Indiens CERT-In warnte am 15. Oktober vor KI-Agenten, die ihre Berechtigungen überschritten, und stellte fest, dass sich die Zeit von Einbruch bis Schaden von Tagen auf Stunden verkürzt habe.
Was du jetzt tun kannst
Die PHP-Lücken sind laut exchange4media gepatcht, aber Systeme bleiben angreifbar, bis die Updates eingespielt sind. Betreiber eigener PHP-Server sollten also umgehend aktualisieren. Wer KI-Dienste per API nutzt, sollte Schlüssel regelmäßig prüfen, Ausgabenlimits setzen und bei Verdacht sofort widerrufen. Bei LiteLLM 1.107.0 gilt: Zugangsdaten als potenziell kompromittiert behandeln.
Einordnung
Der Fall zeigt beide Seiten von KI in der Sicherheit: Sie findet Fehler, die Menschen jahrzehntelang übersahen, und beschleunigt zugleich Angriffe. Neu ist vor allem das Tempo, denn Ausnutzungsversuche liefen laut Cloudflare schon vor der Bekanntgabe. Kritisch zu sehen: Die Zahlen stammen großteils von Herstellern und Managern, die auch geschäftliche Interessen haben; die Aussagen zu „70 % gefährdet“ sind grobe Schätzungen. Unklar bleibt, wie viele Angriffe tatsächlich Erfolg hatten und wie genau OpenCode-Schlüssel abflossen. Dass die Vorfälle nicht als koordiniert belegt sind, sollte man bei der Dramatik des Namens im Hinterkopf behalten.
Videos zum Thema
Quellen
- Google News (JP) pasqualepillitteri.it
- theguardian.com theguardian.com
- exchange4media.com exchange4media.com
- foxnews.com foxnews.com
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