Canva Craft: Erstes eigenes Bild-KI-Modell plant Layouts vor dem Zeichnen
Canva hat mit Craft sein erstes selbst entwickeltes Bildmodell veröffentlicht. Es plant erst Komposition und Textplatzierung und zeichnet dann – trainiert auf Millionen Canva-Vorlagen. Es startete auf Platz 4 der DesignArena-Rangliste und ist auch per API nutzbar.

Worum es geht
Canva, die Design-Plattform mit laut Betanews über 250 Millionen Nutzern, hat am 22. Oktober 2026 Canva Craft vorgestellt – sein erstes komplett selbst entwickeltes KI-Bildmodell. Es konkurriert mit Modellen von OpenAI, Google und anderen. Craft ist laut The Verge für alle Nutzer weltweit verfügbar: In Canva findest du es in Dream Lab (im linken Menü über die drei Punkte). Entwickler können es zusätzlich über eine API in eigene Apps einbauen.
Wie Craft arbeitet: erst planen, dann zeichnen
Die meisten Bild-KIs gehen direkt vom Text-Prompt zu Pixeln. Craft teilt das in zwei Schritte:
- Planer: Liest die Anfrage und legt fest, welche Objekte wo und wie groß erscheinen, was wichtig ist und welche Wörter im Bild stehen müssen.
- Bildmodell: Zeichnet anhand dieses Plans das fertige Bild, in über 30 Seitenverhältnissen und bis 2K-Auflösung.
Das soll Text lesbar halten und Objekte präzise platzieren – laut Canva ein Vorteil bei Postern, Social-Media-Grafiken und Marketingmaterial. Man kann außerdem einen Teil eines Bildes ändern, ohne den Rest anzutasten. Später sollen weitere Bearbeitungswerkzeuge und die Arbeit mit Referenzbildern folgen. Prompts funktionieren in jeder Sprache, Text im Bild laut Betanews in 55 Sprachen. Craft fällt unter Canva Shield, das Eingaben und Ergebnisse prüft und Meldungen schädlicher Inhalte erlaubt.
Training mit Vorlagen statt nur Fotos
Der größte Unterschied zu Konkurrenten: Craft wurde laut Canva auf Millionen von Menschen erstellter Vorlagen aus der Canva-Bibliothek trainiert – Menüs, Infografiken, Folien, Social-Media-Grafiken, Poster und textlastige Layouts. Andere Modelle lernen überwiegend aus Fotos. Danach wurde das Modell mit Reinforcement Learning (Lernen per Belohnung) und Supervised Fine-Tuning (Nachschulung mit vorgegebenen Beispielen) verfeinert, angeleitet von hauseigenen Designern.
Designer und Forscher verglichen über 25.000 Bildpaare mit Konkurrenzmodellen. Bei Widersprüchen zwischen automatischer Bewertung und menschlichem Urteil galt: „Wir haben uns auf die Seite des Designers gestellt.“
Zahlen und Rangliste
Auf DesignArena, einer Rangliste, bei der Nutzer Bilder per Abstimmung bewerten, debütierte Craft auf Platz 4. Davor liegen laut The Verge GPT-Image-2.5 Sunburst, GPT-Image-2.5 Flare und GPT-Image-2. TechRadar nennt darunter liegende Modelle wie Nano Banana 2.1.
| Kategorie | Platz |
|---|---|
| Gesamt | 4 |
| People & Portraits (87 Modelle) | 1 |
| Landscapes & Nature (85) | 1 |
| Abstract & Patterns (85) | 2 |
| Products | 4 |
Canva sieht sich damit als zweitbestes Bild-Labor auf dieser Liste. Die Elo-Wertung (aus Abstimmungen berechnet) lag am 23. Oktober laut Betanews bei 1330, nach 1340 zum Start – solche Werte ändern sich mit neuen Modellen.
Tempo, Kosten, API
Bei über 400 neuen Designs pro Sekunde spielen Geschwindigkeit und Kosten eine große Rolle. Durch Distillation (ein kleines Modell lernt, ein großes nachzuahmen) wurden die Verarbeitungsschritte stark reduziert; zusammen mit einer eigenen Engine für den Planer läuft Craft etwa zehnmal schneller als die früheste interne Version. Zwei günstigere Varianten, Craft-fast und Craft-ultrafast, sind angekündigt, ohne Preise oder Termine. Partnermodelle bleiben parallel im Einsatz.
Über die Connect API wählt man den Modellnamen craft_v1_2k; jede Anfrage verbraucht AI-Credits und dauert laut Entwicklerforum „etwa 50 bis 60 Sekunden“. Unterstützung für Canvas MCP-Server (Anbindung von KI-Assistenten) soll bald folgen.
Praxiseindruck
Ein Nutzer auf note.com, der Dream Lab ein Jahr nicht angefasst hatte, war überrascht: Vier Bilder entstanden in etwa einer Minute, alle verschieden und von guter Qualität. Besonders nützlich fand er das Neu-Layouten eigener Entwürfe und das Erstellen von Thumbnails aus Fotos. Auffällig: Mit angehängtem Referenzbild verschwindet die Anzeige „Canva Craft“, stattdessen erscheint „Use of attached image“ (Stil übernehmen oder Bild bearbeiten) – welches Modell dann arbeitet, ist unklar. Nach 14 Generierungen zeigte seine Nutzung 14 %; es gibt offenbar ein monatliches, tarifabhängiges Limit. Dream Lab startete im Oktober 2024 zunächst mit Leonardo.Ais Modell „Phoenix“.
Einordnung
Craft ist für Canva strategisch wichtig: Eigene Modelle geben mehr Kontrolle über die Kosten. Der Ansatz, auf Vorlagen zu trainieren und vorab zu planen, adressiert die Schwäche vieler Bild-KIs bei Text und Layout. Platz 4 und Bestwerte bei Porträts und Landschaften sind stark, aber auf eine einzelne Abstimmungs-Rangliste bezogen, die sich schnell ändert; OpenAI liegt weiter vorn. „Zweitbestes Labor“ ist Canvas eigene Lesart. Unabhängige Tests zur Textqualität und zu Referenzbild-Funktionen stehen noch aus.
Videos zum Thema
Quellen
- Bing News (en-US) note.com
- betanews.com betanews.com
- theverge.com theverge.com
- techradar.com techradar.com
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