ChatGPT Work und neue Desktop-App: OpenAI verschmilzt ChatGPT, Codex und Browser

OpenAI baut ChatGPT zum Arbeitsagenten um: „ChatGPT Work“ soll Tabellen, Präsentationen und Web-Apps aus Firmendaten erstellen, die neue Desktop-App bindet den Programmieragenten Codex und einen Browser ein. Ab Dezember teilen sich ChatGPT und Codex außerdem ein gemeinsames Nutzungskontingent – was nicht allen gefällt.

Projekte 7. Nov. 2026 6 Min. Lesezeit Quelle: Google News (VN)
Symbolbild, KI-generiert

Worum es geht

OpenAI baut seine ChatGPT-Produkte grundlegend um. Kern ist ChatGPT Work, ein KI-Agent, also ein Programm, das Aufgaben selbstständig in mehreren Schritten erledigt, statt nur Fragen zu beantworten. Laut einem Bericht der vietnamesischen Zeitung Báo Cần Thơ, die sich auf Neowin stützt, basiert er auf der Modellreihe GPT-5.6. Gleichzeitig gibt es eine komplett neue ChatGPT-Desktop-App für Windows und macOS, die den Programmieragenten Codex und einen Webbrowser enthält. Dazu kommen die Beta des Website-Generators Sites, eine neue Chrome-Erweiterung und das Aus für OpenAIs eigenen KI-Browser Atlas.

Als Nächstes werden laut ZDNet, Betanews und Cryptobriefing die bisher getrennten Tabs „Chat“ und „Work“ verschmolzen, und ab Dezember gibt es ein gemeinsames Nutzungskontingent für ChatGPT und Codex.

Work steht zunächst Nutzern von ChatGPT Pro, Enterprise und Edu im Web und in den mobilen Apps zur Verfügung. Plus- und Business-Kunden sollen es in den folgenden Tagen bekommen. Die neue Desktop-App ist weltweit kostenlos.

Was ChatGPT Work kann

Work soll über Anwendungen, Dateien und Arbeitsabläufe hinweg arbeiten. Der Agent sammelt Daten aus verschiedenen Quellen und macht daraus fertige Ergebnisse: Tabellen, Präsentationen, Dokumente, Berichte oder sogar Web-Apps. Dabei hält er sich an Vorlagen und Referenzdokumente, die man ihm gibt.

Angebunden werden die Datenquellen über Plugins, also Erweiterungen für den Zugriff auf andere Dienste. Genannt werden Slack, Microsoft Teams, Google Drive, SharePoint, E-Mail, Kalender, CRM-Systeme (Software zur Kundenverwaltung) und Projektmanagement-Werkzeuge. Im Prompt reicht ein „@“, um ChatGPT gezielt Daten oder Kontext aus einer bestimmten Anwendung holen zu lassen.

Neu ist auch Sites, zunächst als öffentliche Beta. Damit lässt sich fast jede Datenquelle ohne Programmierkenntnisse in eine Website oder interaktive Web-App verwandeln, zum Beispiel ein Dashboard, einen Projekt-Tracker, einen Produkt-Fahrplan, ein internes Portal oder einen visuellen Bericht. Ändern sich die Quelldaten, sollen sich diese Seiten automatisch aktualisieren.

OpenAI ist mit solchen Arbeitsagenten nicht allein. Anthropic, Microsoft und Google bieten Geschäftskunden schon ähnliche Agenten an. Anthropic hat laut ZDNet im September die Chat- und Cowork-Funktionen von Claude auf einer Oberfläche zusammengeführt.

Die neue Desktop-App: Codex, Browser und Computer Use

In der neuen Desktop-App steckt jetzt auch Codex. Dadurch kann ChatGPT auf lokale Dateien und Programme auf dem Rechner zugreifen. Ein eingebauter Browser erledigt Online-Aufgaben direkt in der App. Unter Windows und macOS kommt Computer Use dazu: Die KI bedient Dateien, Programme, Werkzeuge und Websites selbst, ähnlich wie ein Mensch mit Maus und Tastatur.

Codex bleibt dabei ein eigener, spezialisierter Programmieragent mit eigenem Bereich in der gemeinsamen Oberfläche. Wer die Codex-App installiert hatte, wird automatisch auf die neue ChatGPT-Desktop-App umgestellt. Entwickler können Codex als Startansicht festlegen und sogar das Codex-Symbol als App-Icon wählen. Die bisherige ChatGPT-Desktop-App heißt künftig ChatGPT Classic.

Im Browser gibt es eine neue Chrome-Erweiterung, die ChatGPT in der Seitenleiste öffnet. Den eigenen KI-Browser Atlas entwickelt OpenAI nicht mehr als eigenständiges Produkt weiter.

Chat und Work verschmelzen

Die Desktop-App ist bisher nicht besonders übersichtlich, auch ZDNet stellt das fest. Es gibt einen ChatGPT- und einen Codex-Bereich, und im ChatGPT-Bereich noch einmal die Tabs Chat und Work. OpenAI will die Agentenfunktionen von Work deshalb in den normalen Chat übernehmen. In einer E-Mail an Abonnenten, über die TechCrunch, ZDNet und Betanews berichten, heißt es:

„So kommst du von der ersten Idee bis dahin, dass ChatGPT sie umsetzt – alles an einem Ort. Du kannst deine Dateien und Plugins einbinden und ChatGPT bitten, eine Website zu bauen, eine Präsentation zu erstellen oder Dinge im Web für dich zu erledigen, während du seine Arbeit prüfst und lenkst.“

Zuerst bekommt eine ausgewählte Testgruppe die zusammengelegte Oberfläche, um Feedback zu geben. Einen Termin für den breiten Start nennt die E-Mail laut Betanews nicht. Codex bleibt ein eigener Bereich in der Desktop-App.

Gemeinsames Token-Kontingent ab Dezember

Für zahlende Nutzer am wichtigsten ist die neue Abrechnung. Ab Dezember teilen sich ChatGPT und Codex in den Tarifen Plus, Pro und Business ein gemeinsames Kontingent. Gemessen wird in Tokens, den Textstückchen, die ein Modell liest und schreibt. Wie viel man verbraucht, hängt vom gewählten Modell und von der Aufgabe ab. Stärkere Modelle und aufwendige Aufgaben verbrauchen mehr. „Instant chat wird nicht von deinem Kontingent abgezogen“, schreibt OpenAI. Restguthaben und Rücksetzzeiten stehen unter Einstellungen > Nutzung. Ist das Limit erreicht, kann man auf den Reset warten, einen teureren Tarif buchen oder Credits kaufen.

OpenAI erwartet, dass die meisten Nutzer nicht öfter auf einen Reset warten müssen als heute. Laut Cryptobriefing gelten weiterhin unterschiedliche Regeln: Plus und Business haben ein 5-Stunden-Limit, Pro nicht, dort kann es aber Wochengrenzen geben. Wie diese Grenzen mit dem gemeinsamen Topf zusammenspielen, ist noch offen.

Die Kritik ist deutlich. Auf Hacker News kam der Artikel laut Betanews auf über 220 Punkte und mehr als 160 Kommentare. Viele bemängeln, dass nach Tokens abgerechnet wird, obwohl kein Tarif angibt, wie viele Tokens er enthält. Tatsächlich nennen weder E-Mail noch Hilfeartikel konkrete Mengen. Cryptobriefing warnt außerdem vor Konkurrenz im eigenen Konto: Wer viel mit Codex programmiert, hat weniger für den normalen Chat übrig.

Dazu kommt ein Hin und Her bei den Limits. Am 29. September hatte OpenAI angekündigt, das Agenten- und Coding-Kontingent im Pro-200-Tarif ab 30. Oktober zu halbieren, ohne den Preis zu senken. Am 29. Oktober nahm Manager Thibault Sottiaux („Tibo“) das auf X zurück:

„Wir verdoppeln ab heute alle Nutzungslimits für alle Pro-Tarife 100/200/500 und Business Premium. Wir haben euer freundliches Feedback gehört und werden die Limits für Pro 200 nicht senken.“

Die Plus-Kontingente blieben unverändert. Nur Pro 500 für 500 Dollar im Monat bietet „Ultrafast“-Versionen von GPT-6 Astra und GPT-6.1 Sol. OpenAI weist selbst darauf hin, dass ein doppeltes Kontingent nicht doppelt so viel erledigte Arbeit bedeutet.

Einordnung

OpenAI räumt sein Produkt-Wirrwarr auf und setzt dabei klar auf Agenten, die Büroarbeit von Anfang bis Ende erledigen. Damit holt die Firma nach, was Anthropic mit Claude und Microsoft und Google mit ihren Firmenagenten schon anbieten. Für Nutzer sind die kostenlose Desktop-App mit Computer Use und die tiefere Anbindung an Slack, Teams und Google Drive die greifbarsten Neuerungen. Das Aus für Atlas zeigt, dass OpenAI den eigenen Browser nicht mehr als eigenständiges Produkt sieht.

Kritisch ist die Abrechnung. Ein gemeinsamer Token-Topf ohne veröffentlichte Mengen macht es schwer, die eigene Nutzung zu planen. Die mehrfachen Kurswechsel bei den Limits zeigen, dass sich die Zahlen jederzeit wieder ändern können. Unklar sind auch die Angaben zum Modell: Der Hauptbericht nennt GPT-5.6 als Basis von Work, während in den Tarifinformationen von GPT-6 Astra, GPT-6 Pro und GPT-6.1 Sol die Rede ist. Welche Modelle Work im Alltag konkret nutzt, bleibt offen.

Videos zum Thema

How Gen uses ChatGPT Work to turn data Into decisions | OpenAI OpenAI · YouTube

Quellen

#openai#chatgpt#codex#ki-agenten#desktop-app
Originalquelle lesen

Frag den KI-Assistenten

Fragen zu diesem Artikel, zur Installation oder zu Hintergründen? Unser Assistent kennt diese Seite und läuft auf unserem eigenen Rechner, nicht in einer fremden Cloud.

Verbinde …

Der Assistent ist eine KI (Gemma 4) und kann sich irren – wichtige Angaben bitte in der Quelle prüfen. Fragen werden nur zum Beantworten genutzt und nach einer Stunde gelöscht. Bitte keine persönlichen Daten eingeben.

Kommentare

Was meinst du dazu? Schon ausprobiert? Schreib es hier, ohne Anmeldung.

  1. Kommentare werden geladen …

Kommentare sind öffentlich. Links sind nicht erlaubt, beleidigende Beiträge löschen wir. Deinen eigenen Kommentar kannst du in diesem Browser jederzeit wieder löschen. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung.