Claude entwirft 35.000 Antikörper in einem Monat – Anthropic zeigt Pharma-Ergebnisse

Anthropic berichtet, dass sein Modell Claude gemeinsam mit Divergence Labs in rund einem Monat etwa 35.000 Antikörper-Designs für eine mögliche Nahrungsmittelallergie-Therapie erzeugt hat. Dazu kommen Ergebnisse aus Projekten mit Generate Biomedicines, Enveda und Bristol Myers Squibb. Alles ist noch früh und präklinisch – am Menschen wurde nichts getestet.

Forschung 27. Okt. 2026 4 Min. Lesezeit Quelle: Bing News (en-US)
Symbolbild, KI-generiert

Worum es geht

Anthropic hat ein Update zu seiner Life-Sciences-Forschung veröffentlicht. Der Kernsatz: Das Sprachmodell Claude hat zusammen mit dem Biotechunternehmen Divergence Labs in etwa einem Monat rund 35.000 Antikörper-Designs für eine mögliche Behandlung von Nahrungsmittelallergien erzeugt. Ein Antikörper ist ein Eiweißmolekül, das gezielt an andere Moleküle andockt. Außerdem nennt Anthropic Ergebnisse aus Projekten mit Generate Biomedicines, Enveda und Bristol Myers Squibb. Der Zeitpunkt ist bemerkenswert: Nach Berichten über ein Börsenregistrierungsdokument (Form S-1, laut einer der Quellen am 26. Oktober 2026 eingereicht) gehört Biologie zu den Wachstumsfeldern, die Anthropic Investoren zeigt.

Das Allergie-Projekt mit Divergence Labs

Das Ziel ist, IgE (Immunglobulin E) zu entfernen, ein Molekül, das an allergischen Reaktionen beteiligt ist. Übliche Medikamente neutralisieren nur IgE, das im Blut zirkuliert. Der neue Ansatz soll darüber hinaus IgE auch von Immunzellen lösen.

Die bisherigen Ergebnisse laut Anthropic:

  • Divergence Labs identifizierte drei Designs, die an IgE binden könnten.
  • 20 Designs könnten IgE von Immunzellen ablösen.
  • Drei dieser 20 schienen besser abzuschneiden als das Standardmedikament.
  • Nächster Schritt: Beide Funktionen sollen in einem möglichen Wirkstoff kombiniert werden.

Die Zahl 35.000 beschreibt nur die Menge der Entwürfe, nicht deren Qualität. Man kann sie sich als obere Öffnung eines Trichters vorstellen: Jedes Design muss noch hergestellt, im Labor getestet und auf Bindung, Sicherheit und Herstellbarkeit geprüft werden. Wie viele Designs am Ende taugen, ist nur teilweise sichtbar – die Zahlen zu drei und 20 vielversprechenden Kandidaten sind der erste Hinweis darauf.

Weitere Projekte

Generate Biomedicines: Claude half bei einer verkürzten Version genetischer Anweisungen für CAR-T-Zellen. Das sind körpereigene Immunzellen, die gentechnisch so verändert werden, dass sie Krebszellen erkennen; hier geht es um die Erforschung bei soliden Tumoren. Ein Design war rund 70 Prozent kürzer als die Standardversion. Im Labortest bildeten Immunzellen etwa zehnmal so viele Rezeptoren und töteten Tumorzellen effizienter, so Anthropic.

Enveda: Claude las 1.061 Seiten Herstellungsdokumentation. Es fand alle 11 Probleme, die menschliche Prüfer entdeckt hatten, und markierte sieben zusätzliche. Die menschliche Prüfzeit sank um 89 Prozent, von mehr als 25 Stunden auf unter drei.

Bristol Myers Squibb: Hier wird untersucht, wie Claude bei der Planung klinischer Studien helfen und deren Erfolgsaussichten einschätzen kann. Die Zusammenarbeit soll 2027 ausgeweitet werden.

Strategie und Infrastruktur

Anthropic sagt, man wolle KI in mehreren Phasen der Wirkstoffentwicklung einsetzen und nicht nur beim Entwerfen von Molekülen. Nach eigener Aussage bestehen Forschungspartnerschaften mit sechs Organisationen, außerdem eigene Wirkstoffprogramme, darunter zu seltenen kindlichen Formen der Muskeldystrophie. Laut einer der Quellen baut das Unternehmen ein molekularbiologisches Labor, hat Coefficient Bio übernommen und Life-Sciences-Experten eingestellt. Preise, Standorte oder Mitarbeiterzahlen nennen die Berichte nicht. Medien verknüpften die Arbeit zudem mit Novo Nordisk, Bristol Myers Squibb, AbbVie und Sanofi; ob diese vier mit den sechs Partnern identisch sind, geht aus den Quellen nicht hervor, ebenso wenig Vertragsbedingungen. Das S-1 nennt den globalen Pharmamarkt mit über 2 Billionen US-Dollar Jahresausgaben für 2026 als Chance. Anthropic zitiert sich selbst mit den Worten:

Wir planen, diese Arbeit von hier aus deutlich auszubauen.

Einordnung

Die Ergebnisse zeigen zwei unterschiedliche Stärken: Claude als Entwurfswerkzeug (Antikörper, genetische Konstrukte) und als Leser großer Dokumentenmengen (Enveda). Der Enveda-Fall ist am leichtesten nachvollziehbar, weil Fehler mit menschlichen Prüfern verglichen wurden. Beim Antikörper-Projekt steht ein belastbarer Beweis aus: Trefferquoten, Bindungsdaten und Laborbestätigung im größeren Umfang sind nicht veröffentlicht. Alle Zahlen stammen von Anthropic selbst, unabhängige Überprüfung gibt es bislang nicht. Anthropic betont selbst, die Forschung sei früh und meist präklinisch, die möglichen Medikamente also noch nicht am Menschen getestet. Ein Börsengang erhöht den Anreiz, Erfolge herauszustellen – daher lohnt es sich, auf veröffentlichte Daten und Folgeergebnisse zu warten. Im Wettbewerb mit anderen KI-Anbietern und spezialisierten Biotech-KI-Firmen zeigen die Quellen keinen Vergleich.

Quellen

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