Qwenputer: Ein RISC-V-Prozessor läuft direkt in den Gewichten von Qwen 3.5
Ein Entwickler hat in Qwen 3.5 4B eine funktionierende 32-Bit-RISC-V-CPU hineinkompiliert, die komplett innerhalb der Rechenschritte des Modells läuft. Die Gated-DeltaNet-Schichten dienen dabei als exakter Arbeitsspeicher, ganz ohne externe Tools oder Python-Sandbox.

Worum es geht
Unter dem Namen Qwenputer hat der Entwickler Divyansh Agrawal ein ungewöhnliches Experiment veröffentlicht: ein unverändertes Qwen 3.5 4B (ein Sprachmodell mit rund 4 Milliarden Parametern, also gelernten Stellschrauben), in dessen Gewichte eine funktionierende 32-Bit-RISC-V-CPU hineinkompiliert wurde. RISC-V ist eine offene Prozessor-Architektur. Die CPU läuft vollständig innerhalb der Vorwärtsdurchläufe des Modells und kann Arithmetik sowie C- und MicroPython-Code ausführen – ohne externes Programm, Tool oder Sandbox. Das Modell ist auf Hugging Face und ModelScope verfügbar, der Code auf GitHub.
Der Trick: Gated DeltaNet als exakter Arbeitsspeicher
Qwen3-Next und Qwen 3.5 nutzen in drei von vier Attention-Schichten Gated DeltaNet, eine lineare RNN (ein Netz mit einem fortlaufenden Gedächtniszustand) als Aufmerksamkeitsmechanismus. Jeder Kopf hält eine Zustandsmatrix als Gedächtnis. Setzt man das Gate (steuert das Vergessen) auf 1, die Schreibstärke beta auf 1 und verwendet One-Hot-Schlüssel (ein Vektor mit genau einer 1, der wie eine Speicheradresse auf eine Zeile zeigt), überschreibt jeder Schreibvorgang genau eine Zeile und jede Abfrage liefert den exakten Wert zurück. So werden die Schichten zu echtem RAM. Dessen Größe bleibt, anders als der KV-Cache normaler Attention, unabhängig von der Gesprächslänge gleich. Dass die Delta-Regel als Speicher taugt, zeigten schon Schlag et al. (2021); neu ist laut Autor, sie exakt und adressierbar in einem Produktionsmodell zu machen.
Eine CPU ohne Training
Ein Compiler setzt jedes Gewicht direkt. Die CPU wird als Schaltung beschrieben (Register lesen, addieren, bedingt springen), und jeder Schritt wird zu einem Teil einer Transformer-Schicht: Attention-Köpfe schlagen nach, Feed-Forward-Einheiten rechnen, DeltaNet-Köpfe halten den RAM. Jede Instruktion entspricht wenigen erzeugten Tokens (ADDR, VAL, STEP); diese Tokens sind der Ausführungsverlauf der CPU.
Die CPU implementiert RV32IM plus Zba-Erweiterung und eine kleine Bignum-Einheit für große Zahlen und belegt 11 Schichten vor Qwens 32. Sie besteht die offiziellen riscv-tests, ihre Programme stimmen mit dem Emulator qemu überein, und sie führte 18 Millionen Instruktionen ohne einen Fehler aus. Sie ist noch keine Linux-taugliche CPU. Qwens Originalgewichte bleiben unverändert, die Computer-Gewichte sitzen in zusätzlichen Dimensionen und Schichten. Qwen nutzt die CPU ohne Nachtraining, indem es das bekannte Tool-Call-Format verwendet; ein kleiner Treiber namens RvChat lädt die Firmware in den DeltaNet-Zustand.
Messwerte
| Test | Qwenputer | Qwen mit Python-Tool | Basis-Qwen |
|---|---|---|---|
| div_big | 97,5 % | 95 % | 72,5 % |
| mul_big | 97,5 % | 100 % | 55 % |
| mul_div_multiple_longer | 100 % | 97,5 % | 90 % |
| add_or_sub_big | 97,5 % | 97,5 % | 87,5 % |
Bei NUPA (lange Ganzzahlarithmetik) steigt Qwenputer von 48,6 % auf 100 %, gleichauf mit Python-Tool. Rund 230.000 Ausgabepositionen wurden gegen eine Referenzmaschine geprüft, ohne Abweichung. Normaler Text bleibt nahe am Basismodell (KL 6e-4 bei einem Rauschboden von 5e-4).
Ein Dateisystem im Modell
Zusätzlich gibt es ein experimentelles Dateisystem mit den Operationen put, append, get, list und delete. Dateinamen werden auf eines von 1.024 Verzeichnis-Slots gehasht, der Text liegt in anderen Köpfen, acht Tokens pro Zeile. Es fasst bis zu 512 Dateien, etwa 53.000 Tokens Text. Der Zustand lässt sich speichern und in ein neues Gespräch laden. Geänderte Fakten gibt Qwen damit in 90 % der Fälle richtig wieder, gegenüber 30 %, wenn man alte Chats einfügt; Python-basierte Memory-Tools erreichen 83,3 % gegenüber 78,9 % (so im Original angegeben). Der Code liegt auf dem Branch rv-store.
Was du zum Ausprobieren brauchst
- Eine einzelne GPU mit 24 GB VRAM.
- Der Checkpoint ist 18,8 GB groß (etwa doppelt so groß wie Basis-Qwen, größtenteils Nullen als Padding), plane also gut 20 GB Speicherplatz ein.
- Werkzeuge: uv und die Hugging-Face-CLI; Linux/Python-Umgebung.
- Eine Live-Demo gibt es auf ModelScope. Der Autor testete den Durchsatz auf einer L4-GPU (etwa 3.200 CPU-Tokens pro Sekunde).
- Auf CPU oder Mac ist das nicht angegeben.
Grenzen
Es ist ein Experiment. Es braucht den Treiber RvChat und läuft noch nicht mit einem einfachen generate()-Aufruf. Es ist langsam, da jede CPU-Instruktion mehrere Tokens kostet; große Rechnungen dauern Sekunden statt Millisekunden. Als Nächstes plant der Autor, dass Qwen Python schreibt und auf dem MicroPython in den eigenen Gewichten ausführt, sowie eine schnellere CPU. Zwei Folgeartikel behandeln KI-Sicherheit: wie Hybridmodelle ihr Denken im RNN-Zustand verstecken und CoT-Überwachung umgehen könnten, und wie kompilierte Gewichte als nicht abschaltbare Monitore dienen könnten.
Einordnung
Qwenputer zeigt, dass ein Sprachmodell exakte, deterministische Berechnungen intern ausführen kann – ein Ansatz, der Tool-Calling teils überflüssig machen könnte. Praktisch ist es noch langsam und sperrig, und alle Zahlen stammen vom Autor selbst, nicht aus unabhängiger Prüfung. Die Benchmarks sind auf Arithmetik beschränkt, wo Python-Tools schon perfekt funktionieren. Spannend ist vor allem die Forschungsperspektive: exakte Kontrolle über den RNN-Zustand als Testbett für Interpretierbarkeit und Sicherheit.
Quellen
- r/LocalLLaMA divagr.com
Selbst ausprobieren: Qwen3.5-4B-Qwenputer
Schritt für Schritt erklärt, auch ohne Vorkenntnisse – auf deinem Rechner oder kostenlos im Browser.
Was kann ich damit machen?
Qwenputer ist ein Qwen-3.5-4B-Modell mit eingebauter RISC-V-CPU. Es kann große Zahlen exakt multiplizieren, dividieren, addieren sowie C- und MicroPython-Programme in seinen eigenen Schichten ausführen, ohne externes Tool. Zusätzlich gibt es eine experimentelle Dateiablage im Modellzustand.
Für wen lohnt es sich?
Für Forschende, Tüftler und Neugierige, die sehen wollen, wie ein Modell intern rechnet. Wer ein schnelles Alltagsmodell oder ein einfaches Chat-Setup sucht, ist hier falsch.
Was dein Rechner braucht
Werte geschätzt aus der Modellgröße – die Model Card kann genauere Angaben enthalten.
Welche Variante passt zu mir?
Viele Modelle gibt es in mehreren Größen oder „Quantisierungen“. Das sind komprimierte Fassungen: kleiner und schneller, dafür minimal ungenauer. Faustregel: Nimm die größte Variante, deren Speicherbedarf in deinen Grafikspeicher (VRAM) passt. Die Skripte unten wählen das automatisch für dich aus.
| Variante | Download | Braucht ca. | Passende Grafikkarten |
|---|---|---|---|
4-bit (Q4) Standard |
5,6 GB | 7,5 GB | z. B. RTX 3060 Ti, RTX 4060, RTX 5060, RX 7600 |
8-bit (Q8) |
10 GB | 12 GB | z. B. RTX 4060 Ti 16 GB, RTX 4080, RTX 5080, RX 7800 XT |
16-bit (Original) |
19 GB | 22 GB | z. B. RTX 3090, RTX 4090, Tesla P40 |
Es gibt das Qwenputer-Modell und eine Filesystem-Variante (experimentell, Branch rv-store). Für den Einstieg das Qwenputer-Modell nehmen; eine quantisierte Variante ist in der Quelle nicht genannt.
- Läuft laut Autor auf einer einzelnen 24-GB-GPU.
- Der Checkpoint ist 18,8 GB groß, größtenteils Nullen als Padding.
- Benchmarks liefen auf einer L4-GPU mit etwa 3.200 CPU-Tokens pro Sekunde.
- Jede CPU-Instruktion kostet mehrere Tokens, große Rechnungen dauern Sekunden.
- CPU-/Apple-Silicon-Betrieb ist in der Quelle nicht angegeben.
Wie finde ich heraus, was mein Rechner hat?
- Windows: Strg + Umschalt + Esc drücken → Task-Manager → Reiter Leistung → links GPU anklicken. Unten steht Dedizierter GPU-Speicher (das ist dein VRAM). Den Arbeitsspeicher findest du unter Arbeitsspeicher.
- Mac: Apfel-Menü oben links → Über diesen Mac. Dort stehen Chip (z. B. M2) und Speicher (z. B. 16 GB). Bei Apple-Chips teilen sich Grafik und Prozessor diesen Speicher.
- Linux: Im Terminal
nvidia-smieingeben (zeigt Grafikkarte und Speicher) undfree -hfür den Arbeitsspeicher.
Anleitung
Google Colab (im Browser, ohne Installation)
Google Colab ist ein kostenloser Dienst von Google: Du bekommst für ein paar Stunden einen Rechner mit Grafikkarte im Browser. Du brauchst nur ein Google-Konto. Für dieses Modell: läuft kostenlos – Gratis-GPU Tesla T4 mit 15 GB reicht.
- Notebook herunterladen. Klick auf den Knopf und speichere die Datei.
- Colab öffnen. Geh auf colab.research.google.com und melde dich mit deinem Google-Konto an.
- Notebook hochladen. Im Fenster, das erscheint, links auf Hochladen klicken (oder oben Datei → Notebook hochladen) und die Datei
colab.ipynbauswählen. - Grafikkarte einschalten. Oben im Menü Laufzeit → Laufzeittyp ändern → bei Hardwarebeschleuniger T4-GPU auswählen → Speichern.
- Alles starten. Laufzeit → Alle ausführen (Tastenkürzel Strg + F9). Kommt die Warnung „Dieses Notebook wurde nicht von Google erstellt“, auf Trotzdem ausführen klicken.
- Warten. Die Zellen laufen nacheinander durch. Links neben jeder Zelle erscheint ein grüner Haken, wenn sie fertig ist. Installation und Download dauern hier etwa 6 Minuten.
- Ausprobieren. Das Ergebnis steht unter der letzten Zelle. Um etwas anderes zu testen, den Text in der Zelle ändern und mit Shift + Enter erneut ausführen.
- Aufräumen. Wenn du fertig bist: Laufzeit → Sitzung beenden. Das schont dein kostenloses Kontingent.
Gut zu wissen: Die Gratis-GPU ist begrenzt (meist einige Stunden am Tag). Nach rund 90 Minuten ohne Aktivität trennt Colab die Verbindung, dann alles neu starten.
Windows 10 / 11
Dieses Modell läuft mit Python. Unser Skript erledigt die Einrichtung automatisch: Es legt eine abgeschottete Python-Umgebung an, installiert die nötigen Programme (PyTorch, ca. 3 GB) und lädt das Modell (5,6 GB (bei 100 MBit/s ca. 7 Min.)).
- Grafikkartentreiber aktualisieren (NVIDIA): aktuellen Treiber installieren. Ohne NVIDIA-Karte läuft es auf dem Prozessor – deutlich langsamer.
- Python installieren. Auf python.org Python 3.12 herunterladen und starten. Wichtig: Unten im ersten Fenster das Häkchen bei Add python.exe to PATH setzen, dann Install Now.
- Ordner anlegen und Dateien laden. Einen Ordner erstellen, z. B.
Dokumente\KI-Test, und beide Dateien hineinspeichern: - Terminal im Ordner öffnen. Den Ordner im Explorer öffnen, Rechtsklick auf eine freie Stelle → In Terminal öffnen.
- Starten. Diesen Befehl einfügen und Enter drücken:
Jetzt laufen Installation und Download. Das kann beim ersten Mal 10–30 Minuten dauern.powershell -ExecutionPolicy Bypass -File try_windows.ps1 - Ergebnis. Im Fenster erscheint die Antwort des Modells auf eine Testfrage.
- Nochmal mit eigener Eingabe:
demo.pymit dem Editor öffnen, den Beispieltext ändern, speichern. Dann im Terminal:.\.venv-qwen3-5-4b-qwenputer\Scripts\Activate.ps1 python demo.py
macOS
Ideal sind Macs mit Apple-Chip (M1 bis M5). Ältere Intel-Macs sind sehr langsam.
- Terminal öffnen. Cmd + Leertaste, Terminal eintippen, Enter.
- Entwicklerwerkzeuge installieren (nur beim ersten Mal, liefert Python mit):
Im Fenster auf Installieren klicken. Kommt „already installed“, ist alles schon da.xcode-select --install - Dateien herunterladen – beide landen im Ordner Downloads:
- Starten:
Installation und Download dauern beim ersten Mal 10–30 Minuten.cd ~/Downloads bash try_mac.sh - Ergebnis. Im Fenster erscheint die Antwort des Modells auf eine Testfrage.
Linux
- Grafikkarte prüfen.
nvidia-smisollte deine Karte anzeigen. Wenn nicht, unter Ubuntu den Treiber installieren und neu starten:sudo ubuntu-drivers install - Python-Grundlagen installieren (Ubuntu/Debian):
sudo apt update && sudo apt install -y python3-venv python3-pip git - Dateien in einen Ordner laden und dort ein Terminal öffnen:
- Starten:
bash try_linux.sh - Ergebnis. Im Fenster erscheint die Antwort des Modells auf eine Testfrage.
Das kannst du ausprobieren
Use calc: what is 123456789 * 987654321?Use calc: was ist 98765432109876543210 geteilt durch 12345?Use calc: berechne 2^100 minus 3^50 und gib das genaue Ergebnis an.
Wenn es hakt
Ein einfacher generate()-Aufruf funktioniert nicht; der Treiber RvChat muss die Firmware laden (siehe chipformer.rv.chat).
uv und die Hugging-Face-CLI müssen installiert sein.
Die Firmware-Datei (tests/data/rv/calc-bridge.elf) aus dem GitHub-Repo muss angegeben werden.
Das Dateisystem ist experimentell und liegt auf dem Branch rv-store.
„out of memory“, Absturz oder der Rechner hängt
Das Modell ist zu groß für deinen Grafikspeicher. Nimm eine kleinere Variante aus der Tabelle oben und schließe andere Programme, vor allem Spiele und Browser mit vielen Tabs.
Es läuft, aber extrem langsam
Wahrscheinlich rechnet der Prozessor statt der Grafikkarte. Bei Ollama zeigt ollama ps in der Spalte PROCESSOR, wie viel auf der GPU läuft. Steht dort „100% CPU“, Grafiktreiber aktualisieren oder eine kleinere Variante nehmen, die komplett in den Grafikspeicher passt.
„ollama“ bzw. „python“ wird nicht gefunden
Das Eingabefenster schließen und neu öffnen, damit es das frisch installierte Programm kennt. Bei Python unter Windows: neu installieren und das Häkchen Add python.exe to PATH setzen.
Windows: „Die Ausführung von Skripts ist auf diesem System deaktiviert“
Das Skript genau mit dem Befehl oben starten: powershell -ExecutionPolicy Bypass -File try_windows.ps1. Das erlaubt die Ausführung nur dieses einen Mal.
Fehlermeldung beim Laden des Modells (Version, „trust_remote_code“, unbekannte Architektur)
Ganz neue Modelle brauchen oft die neueste Programmversion. Bei Ollama: Ollama aktualisieren. Bei Python: pip install -U transformers in der aktivierten Umgebung. Die Model Card nennt meist die genaue Version.
Skripte und Notebook erzeugt Tokenstrom automatisch. Bitte vor dem Ausführen kurz ansehen – sie sind lesbarer Klartext. Lizenz des Modells beachten: apache-2.0.
Frag den KI-Assistenten
Fragen zu diesem Artikel, zur Installation oder zu Hintergründen? Unser Assistent kennt diese Seite und läuft auf unserem eigenen Rechner, nicht in einer fremden Cloud.
Der Assistent ist eine KI (Gemma 4) und kann sich irren – wichtige Angaben bitte in der Quelle prüfen. Fragen werden nur zum Beantworten genutzt und nach einer Stunde gelöscht. Bitte keine persönlichen Daten eingeben.
Kommentare
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