Custom GPTs werden am 11. Dezember abgeschaltet: So rettest du deine eigenen Bots
OpenAI schaltet die Custom GPTs am 11. Dezember 2026 ab und ersetzt sie durch Plugins. Ein Praxistest zeigt drei Wege, einen eigenen GPT zu retten: als ChatGPT-Plugin, als Claude-Skill oder als Bot auf Poe. Jeder Weg hat seine eigenen Haken.

Worum es geht
OpenAI beendet eine Funktion, die seit Ende 2023 zu ChatGPT gehört: die Custom GPTs. Das sind selbst gebaute ChatGPT-Varianten mit eigenen Anweisungen, eigenen Wissensdateien und manchmal Anbindungen an externe Dienste. Laut den Fachmedien Campus Technology, Virtualization Review und THE Journal hat OpenAI den Schritt am 11. September 2026 angekündigt. Die reguläre Abschaltung ist für den 11. Dezember 2026 geplant. Die offizielle OpenAI-Hilfeseite schränkt ein, dass Zeitplan und verfügbare Migrationsfunktionen je nach Konto und Workspace unterschiedlich sein können.
An die Stelle der GPTs treten Plugins. Diese Erweiterungen funktionieren sowohl in ChatGPT als auch in OpenAIs Programmier-Agenten Codex. Für Enterprise-Workspaces, die von der Umstellung betroffen sind, endete das Anlegen neuer GPTs laut den Berichten bereits am 26. Oktober. Enterprise-Kunden mit genehmigtem Aufschub und Umgebungen nach FedRAMP (einem US-Sicherheitsstandard für Behörden-Clouds) dürfen ihre GPTs bis zum 11. Februar 2027 weiter nutzen.
Wer eigene GPTs hat oder sie an andere weitergibt, muss also jetzt handeln. Eine Autorin der japanischen Plattform note.com hat am 7. November 2026 durchgespielt, wie man einen eigenen GPT rettet. Sie hat drei Wege getestet: als ChatGPT-Plugin, als Skill in Claude und als Bot auf der Plattform Poe.
Was sich technisch ändert: Plugins, Skills und MCP
Bisher war jeder Custom GPT eine eigene, abgeschlossene Version von ChatGPT. Plugins setzen auf Bausteine, die man wiederverwenden kann. Laut den Berichten kann ein Plugin zwei Dinge enthalten. Das eine sind Skills, also Pakete aus Anweisungen und Begleitmaterial für Arbeitsabläufe, die sich wiederholen. Das andere ist ein MCP-Server. Das Model Context Protocol ist ein offener Standard, über den eine KI auf Werkzeuge und externe Systeme zugreifen kann, etwa auf Firmendatenbanken. Ein Plugin kann auch beides enthalten. ChatGPT und Codex teilen sich ein gemeinsames Plugin-Verzeichnis, manche Funktionen gibt es aber nur in einer der beiden Umgebungen.
In OpenAIs Entwicklerdokumentation heißen Plugins Pakete, die man „entdecken, installieren, teilen und veröffentlichen“ kann. Die Oberfläche hat OpenAI schon umgebaut: GPTs sind weniger prominent platziert. Wer einen neuen GPT anlegen will, bekommt stattdessen das Erstellen eines Plugins angeboten.
Was beim Umzug verloren geht
Unter „Meine GPTs“ gibt es einen Knopf, mit dem sich ein bestehender GPT umwandeln lässt. Die Anweisungen werden dabei zu einem Skill, Wissensdateien landen als Referenzdateien im Plugin, und verbundene Apps können übernommen werden. Vieles geht aber nicht automatisch mit:
- Bisherige Chats mit dem GPT werden nicht übertragen.
- Das gewählte Modell wird nicht übernommen.
- Custom Actions, also eigene API-Anbindungen, müssen eventuell neu gebaut werden, entweder über eine verfügbare App oder einen eigenen MCP-Server.
- Freigaben gehen verloren. Migrierte Plugins sind zunächst privat, bisherige Nutzer eines GPTs bekommen nicht automatisch Zugriff, und alte Freigabe-Einstellungen gelten nicht weiter.
OpenAI warnt außerdem selbst:
„Ein migriertes Plugin kann anders antworten.“
Das Unternehmen empfiehlt, gewohnte Prompts, den Umgang mit Referenzmaterial, vorgeschriebene Ausgabeformate und Integrationen neu zu testen. Laut den Berichten von Converge 360 stößt das bei manchen GPT-Entwicklern auf Widerstand. Sie argumentieren, Plugins könnten die abgeschlossene und vorhersehbare Umgebung eines Custom GPT nicht vollständig nachbilden. Weitere Kritik betrifft das Teilen, den Aufwand der Migration und die veränderte Art, wie Anweisungen und Material verarbeitet werden.
Weg 1: Weiter in ChatGPT als Plugin
Für den Praxistest nahm die Autorin ihren einfachen GPT „Was ist heute für ein Tag“. Er schreibt zu einem Gedenktag und einem Bild einen kurzen Instagram-Reels-Text. Die Regeln: höchstens 200 Zeichen, ein heller, freundlicher Ton, zwei Pflicht-Hashtags (#TodayInHistory, #Midjourney), höchstens zwei weitere Hashtags. Am Ende fragt der GPT „Ist das so in Ordnung?“, nach einem „OK“ will er das nächste Bild. Wissensdateien oder externe Anbindungen hatte der GPT nicht. Komplexe GPTs wurden ausdrücklich nicht getestet.
Ihr wichtigster Rat: Vor dem Umzug Name, Beschreibung und Anweisungen sichern, Screenshots von den aktivierten Funktionen machen und einen Standard-Durchlauf mit festem Bild und festem Prompt aufbewahren. Sie nutzte ein Kätzchen im Pullover mit Kakao zum „Kakao-Tag“ am 7. November.
Die Umwandlung selbst ging schnell. Ein Bestätigungsfenster wies darauf hin, dass das Plugin privat angelegt wird und der ursprüngliche GPT danach nicht mehr bearbeitet werden kann. Im Test mit „Try in chat“ war der Text anders formuliert, passte aber zum Kakao-Tag. Die Hashtag-Regeln wurden eingehalten, und auch der Ablauf mit Rückfrage und nächstem Bild funktionierte. Ihr Fazit: Man sollte nicht prüfen, ob derselbe Text herauskommt, sondern ob sich die gewohnte Arbeit fortsetzen lässt.
Weg 2: Als Skill in Claude
Aus dem Menü des migrierten Plugins lässt sich ein ZIP-Archiv herunterladen. Die Autorin lud dieses ZIP nicht direkt in Claude hoch. Sie gab es im normalen Claude-Chat (nicht in Claude Code) mit einem genauen Auftrag ab: den Inhalt prüfen, Anweisungen und Regeln nicht verändern, nur Dateistruktur, Name und Beschreibung anpassen, nicht unterstützte Funktionen erklären statt sie stillschweigend wegzulassen, und am Ende ein hochladbares ZIP samt Änderungsliste liefern. Wer sich mit dem Formulieren schwertut, kann sich diesen Auftrag laut Autorin auch erst von ChatGPT schreiben lassen.
Claude lieferte das ZIP und eine Erklärung der Änderungen. Hochgeladen wird es in den Einstellungen unter „Skills“ → „Upload Skills“. Laut der offiziellen Claude-Hilfe müssen dafür Codeausführung und Dateierstellung aktiviert sein. Den Skill wählte die Autorin im Eingabefeld ausdrücklich aus. Danach funktionierte der Ablauf wie gewohnt.
Ein Unterschied fiel aber auf: Der Text kam als normaler Fließtext und ließ sich schlecht kopieren. Über „Edit with Claude“ ergänzte sie die Anweisung, den Post in einen Codeblock zu setzen. Danach erschien ein Kopier-Knopf, und die Rückfrage stand außerhalb des Codeblocks. Ihre Lehre daraus: nicht nur den Inhalt prüfen, sondern auch, wie sich das Ergebnis im Alltag verwenden lässt.
Weg 3: Für andere bereitstellen über Poe
Wer GPTs an andere weitergegeben hat, braucht einen neuen Ort dafür. Die Autorin testete Poe, eine Plattform, auf der man Modelle mehrerer Anbieter wie GPT, Claude und Gemini nutzen kann. Dort legte sie einen „Prompt Bot“ an: Name, Beschreibung und Basismodell wählen, die alten GPT-Anweisungen einfügen und den Zugriff auf „Only you“ stellen. Vorsicht: Der Knopf zum Speichern heißt „Publish“, der Bot war danach trotzdem privat.
Die Kosten sind der Knackpunkt. Poe rechnet mit eigenen Punkten ab, ein ChatGPT- oder Claude-Abo hilft dort nicht. Kostenlose Nutzer bekommen täglich ein Punktekontingent. Im Test reichten die Punkte für GPT-5.4 nicht, GPT-6.1-Terra hätte 701 Punkte verlangt. Erst mit GPT-4o-mini lief der Bot, und der Kontostand fiel von 300 auf 131 Punkte, also um 169 Punkte. Die Autorin betont, dass dieser Wert nur für diesen einen Durchlauf gilt. Der Verbrauch hängt von Ein- und Ausgabelänge, Modell und Funktionen wie Websuche ab.
Inhaltlich erfand GPT-4o-mini eine Kleinigkeit: „Die Katze genießt auch den Kakao“ stand so nicht im Bild. Texte sollte man also vor dem Posten prüfen.
Vorteil von Poe: Der Bot lässt sich zentral bearbeiten, statt jedem Nutzer neue Anweisungsdateien zu schicken. Freigeben kann man ihn für „Everyone“, „Only people with the access link“ oder „Only you“. Den Link holt man sich laut Poe-FAQ über den Bot-Namen und „Share bot“. Ob Dritte den Bot tatsächlich über den Link nutzen können, hat die Autorin nicht geprüft. Poe bietet außerdem eine „Knowledge base“ für TXT-, PDF-, DOCX- und HTML-Dateien. Die Dateien muss man aber selbst wieder hochladen, auch das wurde nicht getestet. Auch ChatGPT selbst erlaubt das Teilen von Plugins. Die Bedingungen dafür stehen im Migrationsleitfaden von OpenAI.
Einordnung
Die Abschaltung betrifft viele Menschen, die sich in den vergangenen drei Jahren kleine Helfer gebaut haben, vom Hobby-Bot bis zum Firmenwerkzeug. Für einfache GPTs, die nur aus Anweisungen bestehen, ist der Umzug laut dem Praxistest unkompliziert, sogar über Anbietergrenzen hinweg. Dass sich Skills von ChatGPT mit etwas Nacharbeit in Claude nutzen lassen, zeigt, wie ähnlich sich die Erweiterungskonzepte der großen Anbieter inzwischen sind.
Kritisch ist alles, was über reine Anweisungen hinausgeht: Custom Actions, Wissensdateien und vor allem öffentlich geteilte GPTs. Deren Nutzer bekommen nicht automatisch Zugriff auf den Ersatz, und alte Links bringen nichts mehr. Der Praxistest deckt nur einen einfachen Fall ab. Wie gut komplexe GPTs mit externen Anbindungen umziehen, bleibt offen. Für Firmen ist der Wechsel zu Plugins mit MCP-Anbindung mehr als eine Umbenennung. Er erlaubt mehr Integration, verlangt dafür aber auch mehr Aufwand. Wer betroffen ist, sollte die Benachrichtigung im eigenen Konto prüfen und vor dem 11. Dezember mit festen Testeingaben vergleichen, ob der Ersatz wirklich das leistet, was der alte GPT konnte.
Quellen
- Bing News (en-US) note.com
- campustechnology.com campustechnology.com
- virtualizationreview.com virtualizationreview.com
- thejournal.com thejournal.com
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