DeepSeek Harness: Neuer Creator Mode baut Plugins aus einem einzigen Satz
DeepSeek hat seiner quelloffenen Agenten-App Harness einen „Creator Mode“ spendiert: Du beschreibst ein Werkzeug in normaler Sprache, der Agent programmiert daraus ein Plugin, installiert es und prüft, ob es läuft. Das ist beeindruckend, aber riskant – laut DeepSeek selbst hat die Software noch keine Sicherheitsprüfung durchlaufen.

Worum es geht
Das chinesische KI-Unternehmen DeepSeek aus Hangzhou hat am 2. November 2026 eine neue Funktion für seine Agenten-Software DeepSeek Harness vorgestellt: den Creator Mode. Damit beschreibst du in normaler Sprache, welches Werkzeug du brauchst. Der KI-Agent programmiert daraus ein Plugin – also ein Zusatzmodul, das sich direkt in die Harness-App einklinkt –, installiert es selbst und prüft anschließend, ob es funktioniert. DeepSeek bewirbt das in sozialen Netzwerken mit dem Slogan „Your Harness. You Define It.“ (sinngemäß: „Dein Harness – du bestimmst, was es ist“). Gezeigt wurden unter anderem eine Design-Werkbank, ein Sandbox-Spiel und ein Werkzeug, das große Sprachmodelle in 3D sichtbar macht.
Harness selbst ist ein quelloffenes Agenten-Framework, also das Programmgerüst, das ein Sprachmodell zu einem selbstständig handelnden Assistenten macht. Es steht unter der freizügigen MIT-Lizenz und befindet sich laut DeepSeek weltweit in einer öffentlichen Testphase. Laufen kann es als Desktop-App für Macs mit Apple-Chip und 64-Bit-Windows oder als lokale Weboberfläche im Browser.
Sieben Beispiele: von 3D-Bauwerken bis zum Videoschnitt
Zum Start hat DeepSeek sieben Sätze von Beispiel-Prompts auf Chinesisch und Englisch veröffentlicht. Sie sollen zeigen, dass der Creator Mode mehr kann als kleine Helferlein:
| Beispiel | Was das Plugin kann |
|---|---|
| 3D-Ausstellung berühmter Bauwerke | Eiffelturm, Chinesische Mauer und Verbotene Stadt als 3D-Modelle |
| Transformer in 3D | Interaktive 3D-Demo, die die internen Rechenschritte eines Transformers (der Architektur hinter heutigen Sprachmodellen) zeigt |
| Pixel-Look für die App | Schaltet das Aussehen der gesamten Harness-Oberfläche um, fünf Stile zur Auswahl |
| Poster-Werkbank | Wird im Chat aufgerufen; Titel, Text und Hintergrund-Shader-Farben lassen sich anpassen |
| Videoschnitt-Werkbank | Dunkle Profi-Oberfläche mit Upload mehrerer Videos, Vorschau, Zeitleiste und Export, laut Kucoin/WSJ auch per Sprachbefehl steuerbar |
| Paper-Reader | Behält Layout, Schriften und Bilder wissenschaftlicher Arbeiten bei; Markieren, Notizen und Rückfragen im Chat |
| Sitzungsstatistik | Zeigt Token-Verbrauch, Zahl der Sitzungen, Kostenbudget und CPU-Auslastung |
Die Idee dahinter: Niemand muss vorher lernen, wie man Harness-Plugins entwickelt. Du beschreibst Funktion, Oberfläche und Bedienung – Harness versucht, daraus ein Plugin zu machen. DeepSeek räumt in der Prompt-Sammlung aber selbst ein, dass einige Demo-Plugins über mehrere Gesprächsrunden nachgebessert wurden. Ein einzelner Prompt reproduziert das Ergebnis aus den Videos also nicht unbedingt. Der Creator Mode senkt die Einstiegshürde, liefert komplexe Anwendungen aber nicht zuverlässig auf Knopfdruck.
So funktioniert es: Der Agent erweitert sich selbst
Die Grundlage ist eine Architektur, die DeepSeek schon vorher aufgebaut hat. Harness basiert auf Cordis, einem Plugin-System, und folgt dem Prinzip „Everything is a plugin“ (alles ist ein Plugin): Modelle, Werkzeuge, Fähigkeiten (Skills) und sogar Teile der Oberfläche sind austauschbare Bausteine statt fest eingebauter Funktionen.
Wie das konkret abläuft, zeigt DeepSeek auf der Produktseite am Beispiel eines Pomodoro-Timers, einer Zeitschaltuhr für konzentrierte Arbeitsphasen:
- Der Agent lädt den Cordis-Skill zur Plugin-Entwicklung.
- Er prüft die Laufzeitumgebung und die verfügbaren Schnittstellen.
- Er schreibt Konfigurations- und Programmdateien für das Plugin.
- Er ruft das Installationswerkzeug des Plugin-Managers auf.
- Er kontrolliert, ob das Plugin tatsächlich läuft.
Am Ende steht der schwebende Timer mit den Tasten „Focus“ und „Short break“ in der Liste der installierten Plugins und ist als gebaut, installiert und geprüft gemeldet. Laut Demo dauerte das Ganze etwa 5 Minuten und 24 Sekunden.
Genau das unterscheidet den Creator Mode von normaler Code-Erzeugung im Chat: Statt eines Code-Schnipsels oder einer einzelnen Webseite baut der Agent seine eigene Arbeitsumgebung aus. Laut Unite.AI wurde die Funktion schrittweise vorbereitet. Mit Version 0.1.6-alpha.2 vom 17. September stellte DeepSeek auf dauerhafte Plugins um, die über einen Plugin-Manager installiert und live ein- und ausgeschaltet werden. Die Vorabversion 0.2.1-alpha.1 vom 3. Oktober brachte im Plugin-Management einen Eintrag „Let Agent create a plugin“, der direkt in den Creator Mode wechselt. Ein experimenteller Baustein für eigene Plugin-Marktplätze fügt außerdem einen „Discover“-Tab hinzu. DeepSeek liefert dafür aber keine eigene Quelle mit, und geprüft wird nur das Dateiformat – nicht etwa Titel, Autorenangaben oder Herkunft der angebotenen Plugins.
Hintergrund: DeepSeeks Angriff auf Claude Code
Laut Bloomberg (zitiert von Quartz und Shiftdelete) hat DeepSeek das Harness-Team Anfang 2026 gegründet, um mit Programmier-Agenten amerikanischer Firmen mitzuhalten. Der wichtigste Gegner ist Anthropics Claude Code. Harness richtet sich bisher vor allem an Entwickler, nicht an Normalnutzer. Neben dem Programmieren soll es Daten analysieren, Dateien ordnen und recherchieren können.
Der Creator Mode ist Teil einer ganzen Reihe von Neuerungen. Im Oktober hat DeepSeek sein Modell V4.1-Flash laut Quartz speziell für Harness optimiert und empfiehlt dafür Harness ab Version 0.2.1-rc.1. Wenige Tage vor dem Creator Mode zeigte das Unternehmen einen Prototyp namens „Super-agent“ und einen verbesserten Programmierassistenten, der Probleme früh erkennen und wenig menschliche Aufsicht brauchen soll. Wirtschaftlich steht DeepSeek gut da: In der jüngsten Finanzierungsrunde sammelte die Firma laut Bloomberg rund 100 Milliarden Yuan (etwa 15 Milliarden US-Dollar) ein und bereitet einen Börsengang vor. Auf GitHub hat das Harness-Projekt laut Shiftdelete seit August mehr als 269.000 Sterne gesammelt.
Was du zum Ausprobieren brauchst
Harness ist eine App, kein eigenes Modell. Eine starke Grafikkarte brauchst du deshalb nicht – die Sprachmodelle werden in der Regel über eine Schnittstelle angebunden. Es gibt drei Wege, Harness zu starten:
- Desktop-App für Macs mit Apple-Chip und 64-Bit-Windows.
- Weboberfläche: Node.js installieren, dann
npx @deepseek-ai/dsh webausführen. Die Oberfläche öffnet sich lokal unterhttp://127.0.0.1:3080im Standardbrowser. - Aus dem Quellcode: Repository klonen, dann
pnpm install,pnpm run buildundpnpm dsh web.
Wichtig sind die Sicherheitshinweise. DeepSeek nennt Harness ausdrücklich experimentelle Software, die keine Sicherheitsprüfung durchlaufen hat. Sie kann von der KI erzeugten Code und Befehle ausführen, Plugins von Dritten laden und auf Netzwerk, Prozesse, Zugangsdaten und Dateien zugreifen, die man ihr freigibt. Fehlerhafte Ausgaben, böswillige Eingaben oder nicht vertrauenswürdige Plugins könnten Dateien löschen oder Daten und Passwörter preisgeben. Sandboxing (Abschotten in einer geschützten Umgebung), Freigabeabfragen und Rechteverwaltung senken das Risiko, garantieren laut DeepSeek aber keinen Schutz. Die Empfehlung: so wenige Rechte wie möglich, am besten in einer Wegwerf-VM oder einem Container, mit Backups, und Plugins vor dem Ausführen prüfen. Außerdem kündigt DeepSeek inkompatible Änderungen an. Heute gebaute Plugins müssen später also eventuell überarbeitet werden.
Einordnung
Der Creator Mode zeigt, wohin sich KI-Agenten entwickeln: weg vom Werkzeugbenutzer, hin zum Werkzeugbauer. Bisher legen Entwicklerteams fest, was ein Agent kann. Hier wächst der Funktionsumfang mit den Wünschen der Nutzer. Für DeepSeek hat das einen strategischen Nebeneffekt: Wenn Nutzer und Entwickler selbst Plugins bauen, entsteht ein Ökosystem, das das eigene Team allein nie abdecken könnte. Dass das Ganze quelloffen unter MIT-Lizenz läuft, unterscheidet Harness von geschlossenen Konkurrenten wie Claude Code.
Offen ist, ob aus automatisch erzeugten Plugins wirklich stabile Arbeitswerkzeuge werden. Korrekter Code, Kompatibilität, Datenzugriffe und Sicherheit sind bei komplexen Plugins schwierige Fragen. Dass DeepSeek selbst einräumt, die Demos seien in mehreren Runden nachgebessert worden, dämpft die Erwartungen an „ein Satz, ein Plugin“. Besonders heikel ist der Plugin-Marktplatz, bei dem Herkunftsangaben nicht geprüft werden: Wie schnell manipulierte Erweiterungen Schaden anrichten, zeigte erst kürzlich eine bösartige Programmier-Erweiterung, die eine SSH-Hintertür einschleuste. Für Bastler mit einer abgeschotteten Testumgebung ist der Creator Mode ein spannendes Spielzeug. Für den produktiven Einsatz mit echten Daten ist er noch zu früh.
Videos zum Thema
Quellen
- Google News (JP) finance.biggo.jp
- Google News (GB) finance.biggo.com
- Bing News (fr-FR) kucoin.com
- shiftdelete.net shiftdelete.net
- qz.com qz.com
- unite.ai unite.ai
Frag den KI-Assistenten
Fragen zu diesem Artikel, zur Installation oder zu Hintergründen? Unser Assistent kennt diese Seite und läuft auf unserem eigenen Rechner, nicht in einer fremden Cloud.
Der Assistent ist eine KI (Gemma 4) und kann sich irren – wichtige Angaben bitte in der Quelle prüfen. Fragen werden nur zum Beantworten genutzt und nach einer Stunde gelöscht. Bitte keine persönlichen Daten eingeben.
Kommentare
Was meinst du dazu? Schon ausprobiert? Schreib es hier, ohne Anmeldung.
Kommentare sind öffentlich. Links sind nicht erlaubt, beleidigende Beiträge löschen wir. Deinen eigenen Kommentar kannst du in diesem Browser jederzeit wieder löschen. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung.