KI-Flut im Spielehandel: Was Steam, itch.io und Nexus Mods jetzt verlangen

Innerhalb weniger Tage haben itch.io, Nexus Mods und Steam auf die Masse an KI-Uploads reagiert. Ein Verbot hat keine der Plattformen beschlossen. Stattdessen setzen alle auf Kennzeichnungspflichten, Spam-Regeln und strengere Prüfungen. Wir stellen die Regeln nebeneinander, prüfen die Zahlen zur Wirkung und zeigen, worauf Entwickler und Modder jetzt achten müssen.

Analysen 5. Nov. 2026 9 Min. Lesezeit Eigene Analyse der Redaktion
Symbolbild, KI-generiert

Darum geht es

Wer gerade ein Spiel, ein Asset-Paket oder einen Mod veröffentlichen will, trifft auf neue Hürden. Innerhalb weniger Tage haben mehrere große Plattformen auf die Welle KI-generierter Uploads reagiert. itch.io hat Anfang November nach eigenen Worten „ein paar Terabyte AI Slop“ gelöscht. „Slop“ steht für massenhaft und lieblos erzeugten KI-Ausschuss. Nexus Mods verlangt seit dem 3. November KI-Angaben zu jedem neuen Mod. Und bei Steam warten Indie-Studios bis zu drei Wochen auf ihre Freigabe.

Bisher gab es dazu nur Einzelmeldungen. Wir stellen die Regeln nebeneinander und prüfen, was die Daten zur Wirkung tatsächlich zeigen. Unsere These: Die Plattformen verbieten KI nicht. Sie regeln sie über Kennzeichnungspflichten und Spam-Regeln. Kontrolliert wird also nicht das Werkzeug, sondern die Masse.

Steam: Offenlegen, was Spieler sehen, und dann warten

Valve verlangt seit Januar 2024, dass Entwickler KI-Einsatz in einem Fragebogen angeben, der „Content Survey“. Mitte Januar 2026 hat Valve das Formular präzisiert. Laut Steamworks-Dokumentation geht es um Inhalte, die mit dem Spiel ausgeliefert und von Spielern „konsumiert“ werden, also Grafik, Sound, Story und Lokalisierung. Hinzu kommt Marketingmaterial auf der Shopseite. Ausdrücklich ausgenommen ist reine Arbeitserleichterung:

„Effizienzgewinne durch den Einsatz dieser Werkzeuge stehen nicht im Fokus dieses Abschnitts.“

Ein Code-Assistent im Editor muss also nicht angegeben werden. Valve unterscheidet zwei Arten von KI-Inhalten:

  • Vorab erzeugte Inhalte (Pre-Generated) werden geprüft wie alle anderen Inhalte. Sie dürfen nichts Illegales enthalten und keine fremden Rechte verletzen.
  • Live erzeugte Inhalte (Live-Generated) entstehen erst während des Spiels, etwa Dialoge eines Chatbots. Hier müssen Entwickler ihre „Guardrails“ beschreiben, also die Schutzmechanismen gegen illegale Ausgaben. Spieler können solche Inhalte über das Steam-Overlay melden. Live erzeugte sexuelle Inhalte für Erwachsene lässt Valve gar nicht zu.

Neu ist der Rückstau. In einem Steamworks-Beitrag vom 3. November schreibt Valve von einem „deutlichen Anstieg der Einreichungen“. Die Prüfung dauere derzeit bis zu 12 Werktage statt der üblichen 3 bis 5. Zugleich kommen neue Punkte auf die Checkliste vor dem Release. Unter anderem muss das Spiel in den letzten sieben Tagen mindestens fünf Minuten über Steam gespielt worden sein. KI erwähnt Valve als Ursache nicht. Ein Verbot lehnt Tom Giardino vom Steam-Business-Team ausdrücklich ab:

„Wir wollen keine Torwächter sein, die Entwicklern vorschreiben, welche Werkzeuge sie nutzen sollen oder nicht.“

Die Folgen tragen kleine Studios. Laut Power Up Gaming sollte „Wheel Make It“ vom Publisher 2 Left Thumbs am 12. Oktober erscheinen. Zweimal wurde es abgelehnt: Einmal fanden die Prüfer den lokalen Koop-Modus nicht, einmal war die Auflösung nicht per Controller einstellbar. Erschienen ist es am 1. November. Trotz über 11.000 Wunschlisteneinträgen kam es anfangs auf nur 15 gleichzeitige Spieler. Der Publisher macht eine „Flutwelle aus KI-Slop“ in der Warteschlange verantwortlich. Kotaku nennt weitere verspätete Titel wie „Food Devils“, das seit dem 12. Oktober in der Prüfung hing.

itch.io: Verstoß ist erst der Spam, nicht die KI

itch.io ist ein kleiner Indie-Marktplatz mit kostenlosem Hosting. Laut Kotaku hat sich die Zahl der täglich angelegten Spieleseiten zwischen dem 3. August und dem 30. Oktober von gut 3.000 auf über 6.000 verdoppelt. Downloads und Käufe sind nicht mitgewachsen. Der Anstieg kommt laut itch.io von Erst-Uploadern, nicht von einzelnen Massen-Uploadern. Auf die Frage nach dem Grund antwortete die Plattform nur: „Take a guess.“

Laut Aftermath, PC Gamer und Kotaku gelten nun folgende Regeln:

  • Offenlegung: Für Game-Assets ist sie seit November 2024 Pflicht. Ohne Angabe taucht eine Seite nicht in der Suche auf. Neu hinzugekommen sind Tabletop, Bücher, Comics und Soundtracks. Diese Seiten lassen sich ohne KI-Angabe weder anlegen noch bearbeiten, laut Kotaku auch dann, wenn die KI-Teile später entfernt wurden.
  • Filter: Wer keine KI-Inhalte sehen will, kann sie jetzt auch in den Suchergebnissen ausblenden. 80.lv beschreibt das als „No AI“-Filter. Der Filter wirkt allerdings nur so gut wie die Angaben der Hochladenden.
  • Spam-Regeln: Verboten sind Projekte, die „überwiegend von Algorithmen oder KI mit minimalem menschlichem Eingriff“ erstellt wurden. Ebenfalls verboten sind Zufallsinhalte ohne kuratiertes Design und viele nahezu identische Varianten. KI-Inhalte sind erlaubt, wenn sie „substanziellen Mehrwert“ bieten und offengelegt sind.

Ein allgemeines Verbot plant itch.io laut Aftermath nicht. Gelöscht beziehungsweise aus der Suche entfernt wurde, was als Spam galt. Die Schwachstelle benennt Aftermath gleich mit: Wer KI verschweigt, fällt kaum auf. Der Autor fand unter den neuesten Veröffentlichungen zahlreiche offensichtliche KI-Titel ohne Kennzeichnung.

Nexus Mods: Drei Labels und eine Nachweispflicht

Die größte Mod-Plattform geht am weitesten ins Detail. Laut der Ankündigung vom 3. November, zusammengefasst von ComputerBase und Inven Global, gibt es drei Kategorien:

  1. AI-Generated Content: Texturen, Stimmen, Dialoge, Übersetzungen, Musik oder Code stammen überwiegend von einer KI.
  2. AI-Assisted: Die KI übernimmt nur einzelne Arbeitsschritte, zum Beispiel beim Upscaling, dem Hochrechnen von Texturen auf höhere Auflösung, oder beim Bereinigen von Audio. Wer diese Kategorie wählt, muss öffentlich angeben, welche Werkzeuge was erzeugt haben.
  3. AI Media: Vorschaubilder, Videos oder Beschreibungen. Auch ein handgemachter Mod mit KI-Titelbild muss gekennzeichnet werden.

Bei Zweifeln können Moderatoren laut ComputerBase Projektdateien oder die Versionshistorie anfordern und das Label notfalls selbst ändern. Für bestehende Mods gilt eine Übergangsfrist bis zum 2. Januar 2027. Danach gilt ein Stufenverfahren: Erst kommt ein Hinweis, dann folgen Verwarnung, Kontoeinschränkung oder Löschung.

Auch Nexus lehnt ein Verbot ab. Die Begründung: Ein Verbot führe nur dazu, dass Autoren KI-Nutzung verschweigen. Die eigentliche Front ist auch hier die Masse. Im vergangenen Jahr wurden 20.000 Uploads zur zusätzlichen Prüfung in Quarantäne gestellt, zwölfmal so viele wie im Vorjahr. Außerdem testet Nexus Obergrenzen, damit Vielhochlader die Liste neuer Mods nicht dominieren. Mods mit dem Label „AI-Generated“ bekamen dieses Jahr 2,13 Prozent der ausgeschütteten Donation Points, also der Prämien, die Nexus an Mod-Autoren verteilt.

Und die anderen?

Epic Games Store: Eine KI-Kennzeichnung gibt es nicht. Epic-Chef Tim Sweeney nannte Steams Pflicht laut VGC im Juni „wirklich unverantwortlich“ und einen „scharlachroten Buchstaben der KI“, also ein öffentliches Schandmal.

GOG: Eine öffentliche KI-Regel für Spiele konnten wir nicht finden. Nach Kritik an einem KI-generierten Sale-Banner im Januar wollte sich GOG laut GamingOnLinux nicht zu „internen Prozessen“ äußern.

Roblox: Spiele mit KI, mit der Spieler interagieren, etwa Chat, Sprache, Bilder oder 3D, müssen sichtbare Hinweise zeigen. Dauerhafte KI-Gespräche mit Gedächtnis gibt es nur hinter dem „Restricted“-Label ab 18 Jahren.

Apple und Google: Beide verlangen keine KI-Kennzeichnung für Apps. Apple setzt auf die Regeln gegen Kopien (4.1) und Spam (4.3), die „nicht unterscheidbare“ Varianten ablehnen. Googles Regel für KI-Inhalte zielt auf schädliche Ausgaben, nicht auf Herkunft.

Offenlegung Assets Code-Assistenz Live-KI Kontrolle Sanktion
Steam Pflicht, auch Marketing ausgenommen Pflicht + Guardrails Prüfung vor Release, Meldungen Ablehnung, Entfernung bei illegalen Inhalten
itch.io Pflicht (Assets, Tabletop, Bücher, Comics, Soundtracks) unklar keine eigene Regel bekannt Selbstangabe, Spam-Moderation Ausblenden aus der Suche, Löschung
Nexus Mods Pflicht, 3 Labels, auch Vorschaubilder wird erfasst, wenn überwiegend KI – Meldungen, Nachweise auf Anfrage Verwarnung, Sperre, Löschung
Roblox nein nein sichtbarer Hinweis Moderation der KI-Schnittstellen nicht spezifiziert
Epic / GOG nein / keine Regel bekannt – – – –

Was die Daten zur Wirkung zeigen

Wie verbreitet KI-Hinweise inzwischen sind, zeigen mehrere Zählungen mit unterschiedlicher Methode:

Zeitraum Anteil Steam-Neuerscheinungen mit KI-Hinweis Quelle
Januar 2024 10,9 % Zählung Sulka Haro (via games.gg)
2025 ca. 21 % Game Oracle
2026 bis Juli 30,8 % Zählung Sulka Haro
Oktober 2026 ca. 50 % von rund 4.000 Releases GamesChart.com (via Dark Horizons), Kotaku

Laut Kotaku und dem Reddit-Thread, auf den sich Kotaku stützt, wären das allein im Oktober rund 2.000 KI-markierte Spiele. Haros Zählung ergab Mitte 2026 noch etwa 530 pro Monat. Unsere Einschätzung: Falls beide Zahlen stimmen, hat sich die Menge innerhalb weniger Monate vervierfacht. Das würde den Stau bei Valve gut erklären. Bewiesen ist dieser Zusammenhang nicht.

Zur Wirkung auf den Erfolg der Spiele: In Teil eins seiner Studie kommt Game Oracle auf etwa 21 Prozent KI-markierte Spiele unter den Steam-Titeln aus 2025. Für Teil zwei wertete das Unternehmen eine bereinigte Stichprobe von 9.879 Spielen aus, die zwischen Januar und Oktober 2025 erschienen sind. Gratisspiele und Spam waren ausgeschlossen. Ergebnis: Vergleichbare Spiele mit KI-Offenlegung bekamen etwa 52,6 Prozent weniger Reviews. Im ersten Monat waren es im Schnitt 4 statt 7. Wichtig ist der Unterschied: Gemessen wurde vor allem die Anzahl der Reviews, die als grober Ersatz für Verkaufszahlen dient. Die Bewertungen selbst lagen bei Spielen mit mindestens 100 Reviews nur etwas niedriger, bei 84,6 statt 88,3 Prozent positiv. Game Oracle schränkt selbst ein: Budget, Marketing und Feinschliff lassen sich nicht sauber herausrechnen. KI könnte schlicht häufiger in billigen Projekten stecken. Eine unabhängige Auswertung von über 53.000 Steam-Spielen kommt zu einem ähnlichen Bild. Dort erreichen KI-markierte Spiele die Schwelle von 100 Reviews nur mit etwa 55 Prozent der Quote anderer Spiele.

Was du jetzt tun solltest

  • Steam: Gib alles an, was Spieler sehen oder hören, auch KI-Grafiken auf der Shopseite. Plane mindestens drei Wochen Puffer vor dem Release ein, denn jede Ablehnung startet eine neue Prüfung. Spiele den Build vorher fünf Minuten über Steam.
  • itch.io: Setze die KI-Angabe auch bei Tabletop, Comics, Büchern und Soundtracks. Lade keine nahezu identischen Varianten hoch.
  • Nexus Mods: Prüfe alte Mods bis zum 2. Januar. Vergiss die Vorschaubilder nicht. Wer „AI-Assisted“ wählt, sollte die Werkzeuge nennen und Projektdateien aufbewahren.

Unser Fazit

Die These hält. Keine der großen Plattformen verbietet generative KI. Gelöscht wird bei itch.io, was als Spam gilt. Nexus kämpft mit Quarantäne und Upload-Grenzen, Valve mit Checklisten, und Apple hat dafür schon lange seine Spam-Regel. Die Offenlegung selbst ist dabei die eigentliche Sanktion: Sie überlässt das Urteil den Kunden, und die Game-Oracle-Daten deuten darauf hin, dass Kunden es auch fällen.

Daraus entsteht ein Widerspruch. Ehrlichkeit kostet Reichweite, und kontrolliert wird fast überall nur über Selbstauskunft und Meldungen von Nutzern. Wer schummelt, hat gute Chancen, damit durchzukommen. Genau darauf zielt Sweeneys Kritik. Dazu kommen neue Probleme, die keine Kennzeichnung löst. Die Drohung, Demos per KI zu klonen, hat bereits Studios dazu gebracht, ihre Steam-Demos zurückzuziehen. Und Anthropic hat Claude Code verboten, bestehende Spiele nachzubauen. Unsere Einschätzung: Die nächste Runde wird weniger um Labels gehen als um Kapazität. Gewinnen dürften die Plattformen, die Masse am billigsten aussortieren, ohne ehrliche Kleinstudios dabei mitzubestrafen. Steams Rückstau zeigt, dass das noch niemand gelöst hat.

Quellen

#steam#itch.io#nexus mods#generative ki#spieleentwicklung#plattformregeln

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