KI übersetzt Portal 2 Maschinencode – Spiel läuft nativ auf Mac und iPhone
Ein Entwickler hat zusammen mit Claude Opus 5.5 ein Werkzeug gebaut, das die Linux-Version von Portal 2 in C-Code zurückübersetzt und daraus native Apps für Mac und iPhone macht. Emulator, Wine und Rosetta braucht es dafür nicht. Der erste spielbare Raum lief nach zwei Tagen, obwohl Claude selbst mit Monaten gerechnet hatte.

Worum es geht
Im Reddit-Forum r/ClaudeAI hat ein Entwickler ein Projekt vorgestellt: Das Puzzlespiel Portal 2 von Valve läuft bei ihm als echte, native App auf Macs mit Apple-Chip und sogar auf dem iPhone. Er hat das Spiel nicht nachgebaut und lässt es auch nicht in einem Emulator laufen, also einem Programm, das einen fremden Computer nachahmt. Stattdessen hat er zusammen mit Anthropics KI-Modell Claude Opus 5.5 ein Werkzeug gebaut, das den fertigen Maschinencode der Linux-Version von Portal 2 automatisch in die Programmiersprache C zurückübersetzt. Heraus kamen rund 125.000 Funktionen. Diesen C-Code kompiliert das Werkzeug dann neu für ARM64, die Prozessorarchitektur der Apple-Chips.
Das Projekt liegt öffentlich auf GitHub (kanapitsas/portal2-recomp), Beiträge sind ausdrücklich erwünscht.
Wie das funktioniert: Übersetzen statt Nachahmen
Wer ein Spiel für eine andere Plattform zum Laufen bringen will, hat meist drei Möglichkeiten:
- Emulation: Ein Programm ahmt die fremde Hardware nach. Das ist flexibel, kostet aber viel Rechenleistung.
- Übersetzungsschichten wie Wine oder Rosetta: Wine übersetzt Windows-Befehle für andere Betriebssysteme. Apples Rosetta übersetzt Intel-Programme während der Laufzeit für Apple-Chips.
- Statische Rekompilierung: Der Maschinencode wird einmal vorab vollständig in eine andere Form übersetzt, hier in C, und dann für die Zielplattform neu kompiliert. Am Ende steht ein ganz normales, natives Programm.
Das Projekt nutzt den dritten Weg. Laut dem Entwickler sind weder Emulator noch Wine oder Rosetta im Spiel. Statische Rekompilierung ist aus der Fan-Szene bekannt, etwa bei Portierungen alter Konsolenspiele. Normalerweise ist das aber monatelange Handarbeit, weil Sonderfälle, Grafikaufrufe und Systemfunktionen einzeln angepasst werden müssen. Umso bemerkenswerter ist der Zeitrahmen: Nach nur zwei Tagen war ein erster Raum spielbar. Claude selbst hatte vorher geschätzt, dass das viele Monate dauern würde.
Was schon läuft
Der Entwickler nennt einige konkrete Fähigkeiten:
- iPhone: Auf einem iPhone 15 Pro Max ist Portal 2 mit Touch-Steuerung spielbar. Portale schießt man ab, indem man auf die Rückseite des Telefons tippt. Ein Demovideo hat er auf YouTube veröffentlicht.
- Controller: Bluetooth-Gamepads funktionieren, getestet mit einem Modell von 8BitDo.
- Koop-Modus: Gemeinsames Spielen funktioniert im lokalen Netzwerk. Ein Mac ist der Gastgeber, ein zweiter Mac oder ein iPhone tritt über die IP-Adresse bei.
Schneller durch direkten Weg zu Metal
Ursprünglich war die Source-Engine von Portal 2 auf die Windows-Grafikschnittstelle Direct3D 9 ausgelegt. Die Linux-Version setzt die Grafik über OpenGL um, eine plattformübergreifende Grafikschnittstelle, die Apple aber seit Jahren nicht mehr weiterentwickelt. Das Projekt hat OpenGL inzwischen durch einen direkten Übersetzungsweg von Direct3D 9 zu Metal ersetzt, Apples eigener Grafikschnittstelle. Grundlage ist das Open-Source-Projekt mtld3d.
Der Effekt ist deutlich. In einer Szene auf einem MacBook mit M3 Pro stieg die Bildrate von 81 auf 122 Bilder pro Sekunde, also um rund 50 Prozent. Der Entwickler betont aber selbst, dass die Werte je nach Raum stark schwanken. Es handelt sich also um eine Einzelmessung und keinen systematischen Benchmark.
Wer hat was gemacht?
Der Entwickler beschreibt die Aufgabenteilung offen:
Claude Code hat den Code geschrieben; ich habe die Richtung vorgegeben, auf meinen Geräten getestet und die Entscheidungen getroffen.
Zusätzlich setzte er OpenAIs Programmier-Agenten Codex als Gutachter ein, der den Code prüfte und Zweitmeinungen lieferte, wenn Claude nicht weiterkam. Damit ist das Projekt ein Beispiel dafür, wie Entwickler mehrere KI-Agenten kombinieren: Ein Modell schreibt, ein zweites prüft, und der Mensch steuert und testet.
Rechtliches: eigene Spielkopie nötig
Das Repository enthält keine Spieldateien von Valve. Du brauchst eine eigene, rechtmäßig erworbene Kopie von Portal 2 in der Linux-Version. Die native App wird dann auf deinem Rechner aus diesen Dateien erzeugt. Dieses Vorgehen ist bei Rekompilierungsprojekten üblich, um keine urheberrechtlich geschützten Inhalte zu verbreiten. Ob und wie Valve auf das Projekt reagiert, ist nicht bekannt.
Einordnung
Technisch ist das Projekt aus zwei Gründen interessant. Erstens zeigt es, dass KI-Agenten inzwischen große, mühsame Aufgaben wie das Zurückübersetzen von Maschinencode in Tagen statt Monaten schaffen können, wenn ein erfahrener Mensch sie lenkt. Zweitens öffnet dieser Ansatz einen Weg, ältere PC-Spiele ohne die Leistungsverluste eines Emulators auf Apple-Geräte zu bringen, für die es keine offizielle Version gibt.
Einiges bleibt aber offen. Alle Angaben stammen vom Entwickler selbst und wurden nicht unabhängig geprüft. Wie vollständig und stabil das Spiel über alle Level hinweg läuft, geht aus dem Beitrag nicht hervor. Unklar ist auch, wie viel Fachwissen des Menschen in den Ergebnissen steckt und wie gut sich das Werkzeug auf andere Spiele übertragen lässt. Die Aussage „zwei Tage bis zum spielbaren Raum“ heißt nicht, dass das ganze Spiel fertig portiert ist. Das Projekt sucht weiter nach Mitwirkenden. Für Bastler mit Mac oder iPhone und einer eigenen Portal-2-Kopie ist es trotzdem eines der anschaulichsten Beispiele dafür, was agentisches Programmieren mit Claude Code heute leisten kann.
Quellen
- Reddit r/ClaudeAI reddit.com
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