Mann plant Kita-Anschlag im Chat mit Claude – Festnahme in Sydney

In Sydney wurde ein 29-Jähriger festgenommen, nachdem er dem KI-Assistenten Claude erzählt hatte, er wolle in einer Kita in der Nähe seines Wohnorts Kinder erschießen. Laut Medienberichten wurde das Gespräch über Interpol an die australische Polizei gemeldet. Der Fall wirft die Frage auf, wann KI-Firmen Chats an Behörden weitergeben sollten.

Branche 22. Okt. 2026 4 Min. Lesezeit Quelle: Futurism
Symbolbild, KI-generiert

Worum es geht

In Sydney, Australien, ist ein 29-jähriger Mann festgenommen worden, nachdem er dem KI-Assistenten Claude von Anthropic erzählt hatte, er wolle Kinder in einer Kita nahe seinem Zuhause töten. Das berichtet der Sydney Morning Herald, auf den sich Futurism, The Independent und der koreanische Sender SBS stützen. Der Mann heißt laut den englischsprachigen Berichten David Lan Thackray (SBS schreibt ihn als „Sacray“). Er wurde am Sonntag, dem 18. Oktober, festgenommen.

Was passiert ist

Laut Gerichtsunterlagen schrieb er an Claude, er wolle „sofort zum örtlichen Westfield gehen und die lokale Kita zusammenschießen“. Westfield ist ein Einkaufszentrum; gemeint ist eine Kita in der Gegend von Hurstville im Süden Sydneys, wo er wohnt. In den Gesprächen soll er auch Naveed Akram erwähnt haben. Dieser ist angeklagt, im Dezember 2025 beim Anschlag auf eine Hanukka-Feier am Bondi Beach beteiligt gewesen zu sein, bei dem mindestens 15 Menschen starben. Sein Vater Sajid Akram wurde laut Independent von der Polizei erschossen.

Die Staatsanwaltschaft sagte vor Gericht: „Was er vorhat, ist, Menschen in Sydney zu ermorden, genau wie der [mutmaßliche] Terrorist in Bondi.“ Man verstehe durch die Chats, was in seinem Kopf vorgehe. Eine Freilassung auf Kaution könne „katastrophale“ Folgen haben. Der Independent berichtet, sein Claude-Konto sei anschließend gesperrt worden.

Anklage und Verteidigung

Angeklagt ist er nach einem australischen Gesetz wegen der Nutzung eines „carriage service“ (Kommunikationsdienstes), um zu bedrohen, zu belästigen oder zu beleidigen. Sein Anwalt Danilo Rajkovic argumentiert, sein Mandant habe sich nur Luft gemacht: Er sei gestresst und frustriert gewesen, weil er Hilfe bei einer Ohrentzündung gesucht habe. Den Worten komme „kein Gewicht“ zu. Er habe Claude nicht angewiesen, jemanden zu bedrohen, und geglaubt, die Unterhaltung sei privat. Thackray studiert Internationale Beziehungen, hat keine Vorstrafen und lebt seit über 17 Jahren in Australien. Das Gericht in Sutherland schickte ihn in Untersuchungshaft zur psychischen Begutachtung; danach geht der Fall erneut vor Gericht.

Offene Fragen: Wie kam Interpol an die Chats?

Die Berichte nennen als Auslöser, Interpol habe das Gespräch markiert und die australische Polizei informiert. Futurism betont, unklar sei, wie Interpol Zugang erhielt und ob Anthropic die Chats weitergab. Anthropic sagt allgemein, seine Modelle seien darauf trainiert, Anfragen zur Planung oder Anstiftung von Gewalt abzulehnen, und automatische Sicherheitssysteme sollten gefährliche Gespräche erkennen und blockieren. Wenn es nötig sei, um Notlagen mit Lebensgefahr oder schwerer Körperverletzung zu verhindern, dürften Nutzerdaten an Strafverfolgungsbehörden weitergegeben werden. Der Independent verweist zudem auf einen Anthropic-Bericht vom September: Das Threat-Intelligence-Team habe zwischen Dezember 2025 und August 2026 Missbrauchsoperationen in sieben Bereichen erkannt und gestört, darunter Cyberoperationen, Einflussoperationen, Überwachung, Betrug, biologischer Missbrauch, Entwicklung konventioneller Waffen und Distillation (das Abschöpfen von Modellwissen zum Training anderer Modelle).

Hintergrund: Chatbots und Gewalt

Futurism verweist darauf, dass Chatbots für belastete Menschen zu Vertrauten werden, auch bei Wahnvorstellungen oder Fixierungen. Intensive Chatbot-Nutzung wurde mit Straftaten in Verbindung gebracht, darunter ein Mord mit anschließendem Suizid und mehrere Amokläufe, etwa 2025 an der Florida State University und im Februar an einer Schule in Tumbler Ridge, British Columbia. Einen Branchenstandard, wann oder ob KI-Firmen Behörden informieren, gibt es nicht. Chats sind oft sehr intim; es gibt Sorge vor Überwachung und Datenschutzverletzungen. Zugleich könnten sie Hinweise liefern, um Gewalt zu verhindern.

Einordnung

Der Fall zeigt, dass Gespräche mit KI-Assistenten nicht zwangsläufig privat bleiben, wenn Hinweise auf konkrete Gewalt auftauchen. Ob die Äußerungen echte Absicht oder bloßer Frust waren, ist offen und wird vom Gericht und der Begutachtung geklärt; bisher gilt die Unschuldsvermutung. Auch der Weg der Daten von Anthropic zur Polizei ist nicht belegt. Kritisch bleibt die Abwägung zwischen Prävention und Privatsphäre sowie das Risiko von Fehlalarmen. Für Nutzer heißt das: Wer Drohungen oder Gewaltfantasien in Chatbots schreibt, muss mit Sperrung und Meldung rechnen.

Quellen

#anthropic#claude#sicherheit#datenschutz#strafverfolgung
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