OpenClaw 2.0: Größtes Update des KI-Agenten bringt einfachere Installation
Der Open-Source-KI-Agent OpenClaw ist in Version 2.0 (2026.8.1) erschienen. 933 Beteiligte haben das bislang größte Update gebaut, mit schlankerem Setup, neuer Browser-App und gemeinsamen Cloud-Sitzungen fürs Team. Die Sicherheitsrisiken bleiben aber bestehen.

Worum es geht
OpenClaw, der quelloffene und selbst gehostete KI-Agent, ist in Version 2.0 erschienen (offiziell Version 2026.8.1). Das Projekt nennt es „bei Weitem das größte Update in der Geschichte von OpenClaw“. OpenClaw hieß früher Clawdbot und später Moltbot, wurde Ende des Vorjahres viral und wird heute von einer gemeinnützigen Stiftung verwaltet, die von OpenAI unterstützt wird. Gründer Peter Steinberger wurde laut Mashable von OpenAI eingestellt.
Das Update wurde nach Angaben der Stiftung komplett per Crowdsourcing gebaut: 933 Beteiligte, davon 569 erstmals. Es besteht aus über 16.000 Pull Requests (Änderungsvorschlägen an den Code). heise spricht von knapp 17.000 und sagt, das seien etwa die Hälfte aller bis dahin akzeptierten Änderungen im Projekt gewesen.
Einfachere Installation und neue Browser-App
Laut Mashable räumt das Projekt ein, dass das ursprüngliche OpenClaw für Einsteiger komplizierter war als nötig. Konfigurationen wurden deshalb aus der Installation herausgenommen, vereinfacht oder ganz gestrichen.
Bei Neuinstallationen erkennt OpenClaw nun vorhandene Zugänge selbst. Das sind laut heise und Times of India bestehende ChatGPT- oder Claude-Abos, API-Schlüssel, Codex-Logins und lokale Modelle, etwa über LM Studio und Ollama. Weitere Einstellungen nimmt man später im Gespräch mit dem Agenten vor. Auf dem Desktop (Linux, Windows, macOS) wurde die Einrichtung vereinfacht. Die Apps für iOS und Android haben einen schlankeren Ablauf für Berechtigungen und Geräte-Kopplung.
Die Browser-App wurde komplett neu gebaut. Sie startet direkt mit einem Gespräch. Dort setzt man die Einrichtung fort, nimmt laufende Aufgaben wieder auf und kann dem Agenten live bei der Arbeit zusehen. Freigaben, Dateien, Einstellungen und Chats liegen in einer Ansicht. Dazu kommen angeheftete Chats, gruppierte Sitzungen, eine übergreifende Suche und Markdown-Darstellung in Echtzeit. Live-Karten zeigen den Fortschritt von Aufgaben, und frühere Gespräche lassen sich durchsuchen.
Team-Funktionen, Gedächtnis und Computersteuerung
Shared Cloud Sessions nennt das Projekt „Multiplayer“. Mehrere Personen können in eine laufende Sitzung einsteigen oder Aufgaben übergeben, ohne dass der bisherige Kontext verloren geht. Laut heise nutzt das Team die Funktion inzwischen selbst bei der Entwicklung.
Die ausführlichen Release Notes enthalten laut heise noch mehr:
- Active Memory: Bei persönlichen Installationen kann der Agent begrenzt Informationen aus früheren privaten Gesprächen abrufen.
- Grounded Dreaming: Eine Standardfunktion, die relevante Inhalte im Hintergrund zu Langzeiterinnerungen verdichten soll.
- Selbstlernsystem: Es kann wiederverwendbare Erkenntnisse festhalten und geprüfte Skills automatisch anwenden, auch solche aus der Skill Workshop.
- Automatisierung: Aufgaben bleiben mit dem Gespräch verknüpft, in dem sie angelegt wurden. Bei wiederkehrenden Aktionen genügt künftig eine einmalige Freigabe. Eingehende E-Mails können über ein IMAP-Plug-in Agentenarbeit auslösen.
- Computersteuerung: Auf verbundenen Macs kann der Agent Desktop-Oberflächen bedienen. Unter Windows und Linux ist das experimentell und muss ausdrücklich aktiviert werden.
- Gesprächsverlauf: Gespräche lassen sich durchsuchen, verzweigen oder zurückspulen. Bereits ausgeführte Dateiänderungen oder Tool-Aktionen werden dabei nicht rückgängig gemacht.
Laut Times of India kann man Routinen einrichten, die eingehende Mails überwachen, Dringendes markieren und Push-Meldungen über Telegram schicken. Der Agent kann auch kanalübergreifend arbeiten, etwa eine Rechnung im Postfach finden und die Info per iMessage beantworten.
Sicherheit: Fortschritte, aber Grundrisiken bleiben
Neu ist eine Funktion für private Zugangsdaten: Der Agent kann Credentials anfordern, ohne dass sie im Klartext im Chat oder im Modellkontext erscheinen. Für geteilte Sitzungen lassen sich Zugriffsrechte genauer festlegen, und es gibt neue Schutzmechanismen für Plug-ins. Laut InfoWorld änderte das Update auch Laufzeitverhalten, Isolation, Plug-in-Lebenszyklus und die Kontrolle darüber, wie Agenten mit externen Tools umgehen.
heise merkt an, dass der Blogpost Sicherheit nur am Rande erwähnt, obwohl sie ein Kernthema bleibt. OpenClaw nennt selbst Prompt Injection als Gefahr: Ein Agent verarbeitet nicht vertrauenswürdige Inhalte und hat zugleich Zugriff auf Werkzeuge mit weitreichenden Rechten. Sandboxing ist standardmäßig ausgeschaltet. Auch Mashable warnt, man solle die Risiken verstehen, bevor man dem Agenten sein Gerät überlässt.
Jaishiv Prakash, Director Analyst bei Gartner, sagte InfoWorld: „Die neueste Version von OpenClaw zeigt, dass sich Agentensicherheit nicht getrennt über Laufzeit, Gedächtnis und Integrationen lösen lässt.“ Diese Teile teilten Identität, Kontext und Befugnisse, daher könne eine Schwachstelle den ganzen Ablauf gefährden. Unternehmen müssten prüfen, ob Ausführung, Gedächtnis, Zugangsdaten und Konnektoren durch durchsetzbare Vertrauensgrenzen geschützt sind und jeder Agent nur minimale Rechte erhält.
Hintergrund: Warum so lange nichts kam
Laut Projekt gab es vor diesem Update 106 Releases in 230 Tagen, meist im Abstand von ein bis zwei Tagen. Die knapp siebenwöchige Pause war also untypisch. Das Team sei gewachsen, und Menge und Tempo der Arbeit hätten die Grundlage von OpenClaw und den Veröffentlichungsprozess überfordert, beides wurde gleichzeitig überarbeitet. Aus der Vereinfachung von Installation und Browser-App wurde ein Umbau fast aller Teile: Nachrichten, Gedächtnis, Skills, Modelle, Automatisierungen, native Apps, Plug-ins und Sicherheit. Das Team scherzte auf Social Media: „HA! We beat GTA 6!“ Die Times-of-India-Schlagzeile, Sam Altman habe „Milliarden“ ausgegeben, wird in den anderen Quellen nicht belegt.
Was du zum Ausprobieren brauchst
OpenClaw ist ein Agent, kein Modell, es braucht also keine eigene Grafikkarte. Für Mac und Windows gibt es einen Installer auf der OpenClaw-Website. Entwickler können es selbst aufsetzen. Der Agent nutzt ein bestehendes ChatGPT- oder Claude-Abo, einen API-Schlüssel oder ein lokales Modell über Ollama oder LM Studio. Nur für lokale Modelle brauchst du entsprechend viel VRAM oder Arbeitsspeicher. Genaue Hardwareangaben nennen die Quellen nicht. Teste es am besten auf einem separaten Rechner oder in einer Sandbox.
Einordnung
OpenClaw 2.0 ist vor allem ein Zugänglichkeits-Update. Mashable merkt an, das Projekt habe Boden verloren, weil andere Anbieter ähnliche Agentenfunktionen leichter bedienbar anbieten. Laut heise liegen die Stärken im Vergleich zu OpenAI, Google, Anthropic und Microsoft in Open Source, Selbsthosting und freier Modellwahl. Microsofts Agent Scout basiert laut heise auf OpenClaw, und Nvidia liefert mit NemoClaw zusätzliche Sicherheits- und Sandbox-Mechanismen. Das Projekt ist damit ein Baustein im Agenten-Ökosystem geworden.
Kritisch bleibt: Die Sicherheit hängt weiter stark an der Konfiguration, Sandboxing ist per Standard aus, und die Computersteuerung unter Windows und Linux ist noch experimentell. Wie gut die neuen Schutzfunktionen und der Umbau im Alltag funktionieren, zeigen unabhängige Tests, die in den Quellen noch fehlen. Die Angaben zu Beteiligten und Pull Requests stammen vom Projekt selbst und weichen leicht ab.
Quellen
- Google News (GB) mashable.com
- heise.de heise.de
- infoworld.com infoworld.com
- timesofindia.indiatimes.com timesofindia.indiatimes.com
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