Google dreht Schulen die Suche ab, wenn sie KI verbieten
Google schaltet Gemini, Gemini Notebook, Gemini in Classroom und die Suche für K-12-Schülerkonten standardmäßig ab. Schulen, die keine KI wollen, verlieren damit auch den Zugriff auf Google Search. Kritiker wie Lina Khan und die Lehrergewerkschaft AFT sprechen von Zwang.

Worum es geht
Google hat am Dienstag (3. November 2026) seine Regeln für KI an Schulen geändert. Laut dem Blogbeitrag von Chris Phillips, Vizepräsident und General Manager für Bildung, sind Gemini, Gemini Notebook, Gemini in Classroom und Google Search für K-12-Schülerkonten (Schulstufen von Kindergarten bis Klasse 12) komplett ausgeschaltet, bis Schuladministratoren sie ausdrücklich aktivieren. Jedes Produkt muss einzeln freigeschaltet werden.
Der Haken: Google bietet keine Suche ohne KI-Funktionen an. Laut Phillips in der New York Times: „Search und A.I. sind tief integriert.“ Schulen, die KI verbieten, hätten „keinen Zugang zur Suche“, Schüler sähen dann eine Meldung ihrer Schule, dass sie nicht verfügbar ist. Gegenüber Chalkbeat sagte er laut The Next Web: Wer nicht einverstanden sei und einfach KI aus haben wolle, könne die Suche eben gar nicht einschalten. Google selbst nennt das „mehr Wahl, nicht weniger“ und betont, Schulen könnten die Suche aktivieren, ohne die Gemini-Produkte einzuschalten. Die KI-Funktionen der Suche bleiben dann aber drin.
Hintergrund: Der Streit seit August
Im August hatte Google Gemini für viele K-12-Schüler in Google Classroom eingeschaltet. Bis dahin war Gemini nur für Nutzer ab 18 erlaubt. Viele Schulbezirke waren davon überrascht. Es folgten Proteste von Pädagogen, Kinderentwicklungsexperten, Eltern und Senatoren. Anfang Oktober forderten 13 Elternorganisationen, darunter das Digital Childhood Institute und Schools Beyond Screens, Schulbezirke in einem offenen Brief auf, Gemini und YouTube abzuschalten. New York City und Los Angeles haben in Grund- und weiterführenden Schulen vorübergehende Verbote generativer KI erlassen. Im Juli hatte das Youth AI Safety Institute von Common Sense Media AI Overviews und AI Mode getestet und befunden, beide seien für Kinder und Jugendliche nicht sicher (laut TNW ein „unacceptable risk“). Google nannte die Studie fehlerhaft und nicht repräsentativ.
Google dominiert den Schulmarkt: Laut Google nutzen weltweit 150 Millionen Schüler und Lehrkräfte Google Classroom, viele Schüler arbeiten an Chromebooks. Laut einem Schoolytics-Bericht von 2023 nutzen fast zwei Drittel der Aufgaben ein Google-Produkt. Dieses Jahr bot Google zudem mehrtägige KI-Schulungen für Lehrkräfte an, die auch den Umgang mit KI-skeptischen Kollegen behandeln (laut NBC News).
Was Google zusätzlich ändert
- Guided Learning ist ein Modus, der Rückfragen stellt und Schritt für Schritt erklärt, statt Lösungen zu liefern. Er ist nun weltweit in Classroom verfügbar, wo Lehrkräfte die Chats der Schüler einsehen können. Im November wird er in der Suche an einigen US-Schulen getestet: Fügt ein Schüler eine Physikaufgabe ein, soll er Anstöße zum Selbstlösen bekommen.
- Laut Google sollen AI Mode und AI Overviews für Schulen schrittweise lernfreundlicher werden und keine schnellen Antworten auf Schulaufgaben liefern.
- Wo KI aktiviert ist, will Google erkennen, wenn Schüler sie nur nutzen, um eine Hausaufgabe zu lösen.
- Google will Details und Zeitplan in den kommenden Monaten vor dem Start nennen. Bing-Meldungen sprechen von einer Umsetzung im nächsten Jahr; die Hauptquellen nennen kein genaues Datum.
Reaktionen
Advokaten hatten zwar gefordert, dass KI nicht standardmäßig läuft, doch die Kopplung an die Suche stieß auf scharfe Kritik.
„Google nutzt sein Suchmonopol, um Schulen zur Einführung von KI zu zwingen“, schrieb Lina Khan, frühere FTC-Vorsitzende.
AFT-Präsidentin Randi Weingarten sagte laut NBC, Google stelle Geschäftsinteressen über die Bildung der Kinder und „schütte das Kind mit dem Bade aus“. Lila Byock von Schools Beyond Screens meinte, Google lasse sich kein Nein gefallen, und rief Schuldistrikte auf, sich von Google zu trennen. Josh Golin von Fairplay sagte, der Versuch, Schulen zu zwingen, werde wohl nach hinten losgehen; es gehe um „lebenslange Markentreue“. Er riet Schulen, KI und Google abzuschalten und Schülern datenschutzfreundlichere Suchalternativen zu zeigen.
Einordnung
Formal gibt Google Schulen mehr Kontrolle, denn die Standardeinstellung kippt von „an“ auf „aus“. Faktisch aber verknüpft der Konzern seine unverzichtbare Suche mit der KI-Frage, und das ist der Kern des Konflikts. Offen bleibt, wie die Umsetzung aussieht und wie viele Schulen tatsächlich auf Suche verzichten, zumal Googles Marktstellung im Bildungsbereich Alternativen erschwert. Die Wirksamkeit von KI im Unterricht ist laut NBC unter Berufung auf die SCALE Initiative in Stanford nicht belegt; es gibt keine hochwertigen Kausalstudien. Da die Meldungen sich auf die USA beziehen, ist zu Europa nichts bekannt. Der Fall dürfte auch für Wettbewerbs- und Regulierungsdebatten über die Kopplung von Diensten relevant werden.
Quellen
- Mashable mashable.com
- Bing News (en-GB) msn.com
- Bing News (en-GB) msn.com
- newsday.com newsday.com
- thenextweb.com thenextweb.com
- nbcnews.com nbcnews.com
- Tecmundo (BR) estadao.com.br
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