Nvidia Nemotron 3.5 Transcribe: Offenes Modell transkribiert, übersetzt und erkennt Sprecher
Nvidia veröffentlicht Nemotron 3.5 Transcribe, ein offenes, per Textanweisung steuerbares Sprachmodell für Transkription, Übersetzung, Sprecherzuordnung und Fragen zu Audioaufnahmen. Dazu gibt es den Datensatz Granary v2 und Werkzeuge, um das Modell an Fachgebiete wie Medizin anzupassen.

Worum es geht
Nvidia hat am 28. Oktober 2026 Nemotron 3.5 Transcribe veröffentlicht, ein Sprachmodell mit offenen Gewichten (Open Weights), das auf Hugging Face und ModelScope verfügbar ist. Es verwandelt Sprachaufnahmen in Text, kann aber mehr als reine Transkription: Es ordnet Sprecher zu (Diarisierung), übersetzt und beantwortet Fragen zum Inhalt einer Aufnahme. Gesteuert wird es per Textanweisung, ähnlich wie ein Chatbot. Zusätzlich veröffentlicht Nvidia den Trainingsdatensatz Granary v2, die Pipeline dahinter und Anleitungen zum Nachtrainieren.
Was das Modell kann
Dasselbe Modell erzeugt aus einer Besprechungsaufnahme je nach Anweisung unterschiedliche Ergebnisse, zum Beispiel „Transkribiere die Aufnahme und beschrifte jeden Sprecher“, „Übersetze das Audio ins Englische“ oder „Welche Entscheidungen wurden getroffen?“. Nach Nvidia-Angaben:
- Transkription in 40 Sprachen
- Übersetzung von 31 Sprachen ins oder aus dem Englischen
- Sprecherzuordnung in 13 Sprachen, bis zu acht Sprecher
- Aufnahmen bis zu einer Stunde Länge
- Zeitstempel auf Wortebene
Fachbegriffe wie „HbA1c“ oder „Metformin“ lassen sich als Hinweisliste in den Prompt schreiben; das Modell soll sie nur verwenden, wenn sie wirklich zu hören sind. Der Funktionsumfang unterscheidet sich je nach Sprache, und Fragen zum Audioinhalt (Audio-Q&A) sind nur auf Englisch trainiert. Nvidia rät, Namen, Sprecherwechsel und Antworten stichprobenartig gegen die Aufnahme zu prüfen. Das Modell ist für aufgezeichnetes Audio gebaut, nicht für Live-Streaming.
Architektur und Geschwindigkeit
Das Modell koppelt einen Sprach-Encoder mit einem hybriden Mamba-Transformer-Mixture-of-Experts-Sprachmodell. Bei Mixture-of-Experts (MoE) besteht das Modell aus vielen spezialisierten Teilnetzen, von denen pro Token nur einige arbeiten: Von 30 Milliarden Parametern (den beim Training gelernten Stellschrauben) sind nur etwa 4 Milliarden aktiv. Sprecherhinweise des Sortformer-Systems fließen zusammen mit den akustischen Merkmalen in das Sprachmodell ein, sodass es Sprecherwechsel schon beim Erzeugen des Textes markiert.
Mit der kommenden NVFP4-Quantisierung (einer stark komprimierten Zahlendarstellung) verarbeitete es auf einer RTX PRO 6000 Blackwell Server Edition 100 Stunden Audio in unter drei Minuten (30-Sekunden-Clips, hohe Parallelität). Quantisierte Versionen und lokaler Betrieb mit NeMo-Speech.cpp sollen bald folgen, etwa für RTX Spark, DGX Spark oder Jetson AGX Thor. Schon jetzt lässt sich das Checkpoint mit vLLM betreiben; gehostete Endpunkte bieten Baseten, DeepInfra und Simplismart.
Benchmarks
| Test | Ergebnis |
|---|---|
| Open ASR Leaderboard, Englisch (offene Modelle) | Platz 1, 5,33 % mittlere WER |
| Open ASR, mehrsprachig (7 Sprachen) | 4,62 % WER |
| Open ASR, Langform | 10,98 % WER |
| Artificial Analysis AA-WER | 2,8 % (Gleichstand Platz 1 unter offenen Modellen) |
| AA-AgentTalk | 1,8 % WER (nächstbestes offenes: 2,3 %) |
| David AI Diarisierung, 21 Sprachen | niedrigste DER, 18,26 % |
| VoiceArena, 14 Systeme | niedrigste cpWER, 32,4 % |
WER (Word Error Rate) ist der Anteil falsch erkannter Wörter; niedriger ist besser. Bei Artificial Analysis hat das Modell mit rund 4 Mrd. aktiven Parametern etwa ein Sechstel der aktiven Parameter des gleichauf liegenden Modells (24 Mrd.). The Decoder nennt 2,81 % gegenüber 2,77 % für Voxtral Small. Bei David AI liegt es knapp vor Nvidias eigenem Nemotron 3 Diarization (18,38 %). Bei VoiceArena lässt es nur 8,32 % der Wörter aus (Median etwa 31 %). Laut Nvidia liegt es auf der Artificial-Analysis-Gesamtliste vor mehreren verbreiteten kommerziellen Sprach-APIs.
Granary v2 und Anpassung an Fachgebiete
Granary v2 entstand mit NeMo Curator. Das veröffentlichte Manifest umfasst laut Nvidia 463.062 Stunden in 48 Sprachen aus 16 Korpora (Vorgänger: 25 Sprachen). The Decoder nennt dagegen rund 844.000 Stunden; die Zahlen weichen voneinander ab, Nvidias eigene Angabe bezieht sich auf das Manifest. Zudem gibt Nvidia an, der Datensatz entspreche nicht dem vollständigen Trainingsmix des Modells. Zu jeder Aufnahme gibt es drei Schreibvarianten (z. B. „I paid, uh, twenty-five euros.“ – „I paid, uh, €25.“ – „I paid €25.“), dazu Beschriftungen, Übersetzungen und Qualitätsflags. Die Quellaudios müssen separat unter ihren jeweiligen Lizenzen geladen werden.
In einer Medizin-Fallstudie mit Aufnahmen indischer Ärzte (Eka Care, 3.619 Clips) senkte ein präziserer Prompt die Fehlerrate von 30,8 % auf 23,8 %, Fine-Tuning auf 11,8 %. Auf separaten, unbekannten Sprechern fiel sie von 22,44 % auf 12,17 % und schlug damit ein offenes Medizin-Spezialmodell (13,79 %) und ein verbreitetes Allzweckmodell (14,92 %). Trainiert wurde mit etwa 153 Stunden synthetischer Sprache, 29 Stunden Common Voice und 63 Stunden MultiMed, in rund 14 GPU-Stunden auf einer GB300. Nachteile: Auf allgemeinem Englisch (LibriSpeech) stieg die Fehlerrate leicht von 1,54 % auf 1,69 %, und bei Medikamenten-Markennamen blieb das Spezialmodell genauer.
Was du zum Ausprobieren brauchst
Die Quelle nennt keine konkreten VRAM-Werte. Nach Nvidia läuft das Modell auf einer einzelnen GPU, vom DGX Spark bis zum Rechenzentrum. Bei 30 Mrd. Parametern (4-bit) sind grob 18–20 GB Grafikspeicher realistisch (eigene Schätzung); die quantisierten Versionen kommen laut Nvidia erst noch. Der einfachste Einstieg ist die Hugging-Face-Demo oder ein gehosteter Endpunkt. Lokal brauchst du vLLM und reichlich Speicherplatz; ob es auf Mac oder rein auf CPU läuft, ist offen, NeMo-Speech.cpp ist angekündigt.
Einordnung
Dass ein offenes Modell Transkription, Sprecherzuordnung und Übersetzung in einem Schritt bietet, vereinfacht Pipelines, die bisher mehrere Modelle brauchten. Nvidias spezialisiertes Diarisierungsmodell aus dem September musste noch mit einem Transkriptionsmodell kombiniert werden. Gegenüber Mistrals Voxtral-Familie setzt Nvidia auf Aufnahmen statt Echtzeit, Mistral laut The Decoder mit Voxtral 3 auf Sprachagenten. Kritisch: Die Benchmarks stammen großteils von Nvidia, die Zahlen zum Datensatz widersprechen sich, Echtzeit fehlt, und die Medizin-Anpassung zeigt Zielkonflikte. Die Lizenz geht aus den Quellen nicht hervor.
Quellen
- Hugging Face Blog huggingface.co
- The Decoder (EN) the-decoder.com
- The Decoder (DE) the-decoder.de
Selbst ausprobieren: Nemotron 3.5 Transcribe
Schritt für Schritt erklärt, auch ohne Vorkenntnisse – auf deinem Rechner oder kostenlos im Browser.
Was kann ich damit machen?
Lokal oder auf eigenem Server verwandelt das Modell Aufnahmen in Text, beschriftet Sprecher, übersetzt ins oder aus dem Englischen und beantwortet Fragen zum Inhalt, etwa zu Entscheidungen in einem Meeting. Per Prompt lässt sich Schreibstil und Fachvokabular steuern.
Für wen lohnt es sich?
Lohnt sich für Entwickler und Teams mit Meeting-, Call- oder Diktataufnahmen, die ein offenes Modell selbst betreiben oder anpassen wollen. Weniger geeignet für Live-Untertitel, da kein Echtzeitbetrieb unterstützt wird.
Was dein Rechner braucht
Werte geschätzt aus der Modellgröße – die Model Card kann genauere Angaben enthalten.
Verfügbar ist derzeit der Standard-Checkpoint, den du mit vLLM betreibst. Quantisierte Versionen (u. a. NVFP4) und NeMo-Speech.cpp für lokalen Betrieb sind laut Nvidia angekündigt; für schwächere Hardware besser darauf warten oder die Demo bzw. gehostete Endpunkte nutzen.
- Läuft laut Nvidia auf einer einzelnen GPU, vom DGX Spark bis zu Blackwell-Rechenzentrums-GPUs.
- Quantisierte Versionen für RTX Spark, DGX Spark und Jetson AGX Thor sind angekündigt.
- 30 Mrd. Parameter, davon etwa 4 Mrd. aktiv; der Speicher muss trotzdem alle Parameter fassen (eigene Schätzung: grob 20 GB bei 4-bit).
- Mit NVFP4 auf einer RTX PRO 6000 Blackwell: 100 Stunden Audio in unter drei Minuten.
- Ohne GPU, auf Mac oder CPU: laut Quelle nicht belegt.
Wie finde ich heraus, was mein Rechner hat?
- Windows: Strg + Umschalt + Esc drücken → Task-Manager → Reiter Leistung → links GPU anklicken. Unten steht Dedizierter GPU-Speicher (das ist dein VRAM). Den Arbeitsspeicher findest du unter Arbeitsspeicher.
- Mac: Apfel-Menü oben links → Über diesen Mac. Dort stehen Chip (z. B. M2) und Speicher (z. B. 16 GB). Bei Apple-Chips teilen sich Grafik und Prozessor diesen Speicher.
- Linux: Im Terminal
nvidia-smieingeben (zeigt Grafikkarte und Speicher) undfree -hfür den Arbeitsspeicher.
Anleitung
Dieses Modell läuft mit einem eigenen Programm seiner Entwickler (FluidInference/FluidAudio auf GitHub). Die Befehle unten stammen aus der Model Card und der Anleitung der Entwickler.
Windows 10 / 11
Windows 10 / 11: nicht unterstützt. Das Modell ist eine Core-ML-Umsetzung für Apple-Chips (M-Serie) und läuft nicht unter Windows. Alternative: das Originalmodell von NVIDIA (NVIDIA-Nemotron-3.5-Transcribe-30B-A4B) auf Hugging Face, das aber viel größer ist.
macOS
macOS: unterstützt. Getestet auf einem MacBook Pro mit M5 Pro (24 GB), macOS 27. Nötig ist ein Mac mit Apple-Chip und macOS 15 oder neuer. Ältere Intel-Macs sind nicht erwähnt.
- Voraussetzungen prüfen. Du brauchst einen Mac mit Apple-Chip (M1 oder neuer) und macOS 15 oder neuer. Installiere Python 3.10 bis 3.13 (Python 3.14 geht nicht), Git und die Xcode-Kommandozeilen-Tools (nötig, um das Swift-Programm zu bauen). Außerdem brauchst du ffmpeg, um Audio umzuwandeln.
xcode-select --install - Modell und Demo herunterladen. Lege eine virtuelle Umgebung an (ein abgeschotteter Python-Ordner) und lade nur die nötigen Dateien (ca. 1,4 GB).
mkdir nemotron-test && cd nemotron-test python3.13 -m venv .venv && . .venv/bin/activate pip install -U huggingface_hub hf download FluidInference/nemotron-3.5-transcribe-lite-coreml --local-dir nemotron-lite \ --include "coreml/lite_*_w48.mlpackage/*" --include "assets/*" --include "demo/*" --include requirements.txt - FluidAudio holen und bauen. FluidAudio erkennt, wer wann spricht. Das Bauen dauert etwas. Der Sprecher-Erkenner (ca. 200 MB) wird beim ersten Start automatisch geladen.
git clone https://github.com/FluidInference/FluidAudio && (cd FluidAudio && swift build -c release) export FLUIDAUDIO_CLI=$PWD/FluidAudio/.build/release/fluidaudiocli - Python-Pakete installieren. Jetzt kommen die Pakete für die Demo dazu.
cd nemotron-lite && pip install -r requirements.txt - Audiodatei vorbereiten. Du brauchst eine eigene Aufnahme, zum Beispiel ein Meeting als Audio- oder Videodatei. Sie muss 16 kHz, Mono und WAV sein. Ersetze „in“ durch deine Datei (mit Endung).
ffmpeg -i in -ac 1 -ar 16000 meeting.wav - Transkript erzeugen. Das Programm schreibt den Text mit Sprecher-Markierungen und Wort-Startzeiten. Beim ersten Mal dauert es rund 80 Sekunden länger, weil der Sprecher-Erkenner einmalig übersetzt wird.
python demo/lite_meeting.py meeting.wav --out t.txt --json t.json - Ergebnis. Im Ordner liegen die Dateien t.txt (Transkript mit Sprecher-Markierungen) und t.json (Wörter mit Startzeiten).
Linux
Linux: nicht unterstützt. Core ML gibt es nur auf Apple-Geräten, deshalb läuft das Modell unter Linux nicht. Alternative: das Originalmodell von NVIDIA (NVIDIA-Nemotron-3.5-Transcribe-30B-A4B), das aber sehr groß ist.
Das kannst du ausprobieren
Transkribiere diese Aufnahme und beschrifte jeden Sprecher.Übersetze dieses Audio ins Englische.Transkribiere dieses medizinische Gespräch in der Originalsprache. Mögliche Begriffe: HbA1c, Metformin. Nutze sie nur, wenn sie im Audio vorkommen.
Wenn es hakt
Nur aufgezeichnetes Audio, kein Live-Streaming – bei Echtzeitbedarf ist das Modell ungeeignet.
Funktionen variieren je nach Sprache; Audio-Q&A ist nur auf Englisch trainiert. Die Sprach-Aufgaben-Matrix in der Modellkarte prüfen.
Namen, Sprecherwechsel und Antworten stichprobenartig gegen die Aufnahme prüfen.
Lokaler Betrieb über vLLM nötig; Anleitung (vLLM Deployment Guide) beachten. Lizenz in der Modellkarte prüfen.
„out of memory“, Absturz oder der Rechner hängt
Das Modell ist zu groß für deinen Grafikspeicher. Nimm eine kleinere Variante aus der Tabelle oben und schließe andere Programme, vor allem Spiele und Browser mit vielen Tabs.
Es läuft, aber extrem langsam
Wahrscheinlich rechnet der Prozessor statt der Grafikkarte. Bei Ollama zeigt ollama ps in der Spalte PROCESSOR, wie viel auf der GPU läuft. Steht dort „100% CPU“, Grafiktreiber aktualisieren oder eine kleinere Variante nehmen, die komplett in den Grafikspeicher passt.
„ollama“ bzw. „python“ wird nicht gefunden
Das Eingabefenster schließen und neu öffnen, damit es das frisch installierte Programm kennt. Bei Python unter Windows: neu installieren und das Häkchen Add python.exe to PATH setzen.
Windows: „Die Ausführung von Skripts ist auf diesem System deaktiviert“
Das Skript genau mit dem Befehl oben starten: powershell -ExecutionPolicy Bypass -File try_windows.ps1. Das erlaubt die Ausführung nur dieses einen Mal.
Fehlermeldung beim Laden des Modells (Version, „trust_remote_code“, unbekannte Architektur)
Ganz neue Modelle brauchen oft die neueste Programmversion. Bei Ollama: Ollama aktualisieren. Bei Python: pip install -U transformers in der aktivierten Umgebung. Die Model Card nennt meist die genaue Version.
Skripte und Notebook erzeugt Tokenstrom automatisch. Bitte vor dem Ausführen kurz ansehen – sie sind lesbarer Klartext. Lizenz des Modells beachten: openmdw-1.1.
Frag den KI-Assistenten
Fragen zu diesem Artikel, zur Installation oder zu Hintergründen? Unser Assistent kennt diese Seite und läuft auf unserem eigenen Rechner, nicht in einer fremden Cloud.
Der Assistent ist eine KI (Gemma 4) und kann sich irren – wichtige Angaben bitte in der Quelle prüfen. Fragen werden nur zum Beantworten genutzt und nach einer Stunde gelöscht. Bitte keine persönlichen Daten eingeben.
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