Smart-Glasses-Detektoren: Apps schlagen Alarm, erkennen aber keine Aufnahme

Neue iPhone- und Android-Apps wie Zuckoff, AntiZuck oder Nearby Glasses melden per Bluetooth, wenn eine Smart Glasses in der Nähe ist. Ob gefilmt wird, können sie aber nicht sagen. Eine App kletterte sogar auf Platz 3 der bezahlten US-App-Store-Charts.

Projekte 30. Okt. 2026 5 Min. Lesezeit Quelle: Google News (GB)
Symbolbild, KI-generiert

Worum es geht

Smart Glasses wie die Ray-Ban Meta sehen aus wie normale Brillen, haben aber Kamera, Mikrofon und teils KI-Funktionen. Wer neben jemandem mit so einer Brille steht, merkt kaum, ob gefilmt wird. Als Antwort ist eine kleine Gruppe von Apps entstanden, die per Bluetooth nach solchen Brillen suchen und warnen. Dazu zählen laut CNET Zuckoff (iOS), Antizuck Smart Glasses Scanner und Nearby Glasses (Android). Mehrere Medien, darunter CNET, Digital Trends, Mixed News und Malwarebytes, haben sich die Apps angesehen.

So funktionieren die Detektoren

Die Apps verbinden sich mit nichts. Sie lauschen passiv auf Bluetooth-Werbesignale („Advertisements“), die Geräte aussenden, um sich bemerkbar zu machen. Darin stecken Hersteller-IDs, Dienstkennungen (UUIDs) und Namensmuster, an denen die App Brillen von Meta, Luxottica (Ray-Ban Meta), Snap und anderen erkennt. Aus der Signalstärke schätzt sie grob die Entfernung, eine Richtung kennt sie nicht.

Die Zuckoff-Website erklärt die Grenze selbst: Brillen senden am lautesten beim Einschalten, Koppeln oder Herausnehmen aus dem Etui. Sind sie einmal mit dem Handy des Besitzers gekoppelt, werden sie leise. Stille ist also kein Beweis, dass niemand filmt, und ein Treffer ist kein Beweis, dass jemand filmt.

Digital Trends beschreibt AntiZuck: Es zeigt Treffer auf einem Radarbildschirm mit Näherungsschätzung und Konfidenzwert, merkt sich wiederholte Sichtungen, schickt lokale Benachrichtigungen und lässt bekannte Geräte (etwa die eigene Brille) ausblenden. Es erkennt Meta Ray-Bans, Snap Spectacles, Amazon Echo Frames und RayNeo. Auch Meta-Quest-Headsets können falsche Treffer auslösen – davor warnt auch der Entwickler von Nearby Glasses, dessen Android-App laut Malwarebytes über Google Play oder GitHub kommt.

Was ein Vergleich von vier Apps zeigt

Mixed News untersuchte vier iPhone-Apps, die zwischen 28. September und 1. Oktober neu erschienen oder aktualisiert wurden: Spectre, Spex, Smart Glass Finder und AntiZuck. Keine kann erkennen, ob eine Kamera aufnimmt. Zwei sagen das auch in ihren App-Store-Texten. Spectres Werbegrafik verspricht dagegen „Know when you're recorded“, was dem eigenen Funktionsumfang widerspricht.

App Gelistete Marken Mindest-iOS Preise (US, laut Mixed News)
Spectre 19 iOS 26 Pro 0,99 $/Monat oder 4,99 $/Jahr
Spex 9 iOS 18 Pro einmalig 3,99 $
AntiZuck 4 iOS 18 Pro 9,99 $ einmalig, 8,99 $/Jahr oder 2,99 $/Monat
Smart Glass Finder – iOS 18.2 nicht genannt

AntiZuck wurde mit Version 1.1.0 von einer Bezahl-App zu einer kostenlosen mit Bezahlstufe; frühere Käufer erhielten Pro Lifetime. Die Bezahlstufen bringen laut Mixed News nicht bessere Erkennung, sondern Dauerhaftigkeit: Alarme bei geschlossener App, längere Historie und Ausschlusslisten für die eigene Brille. Bei Zuckoff kostet Premium 10 US-Dollar im Jahr und prüft dauerhaft im Hintergrund.

Bemerkenswert: Laut Mixed News existiert kein unabhängiger Test einer dieser Apps, und die Konfidenzwerte stammen von den Apps selbst.

Warum die Apps gefragt sind

Der Zuckoff-Entwickler Pawel Szydlowski sagte CNET, ihn habe geärgert, dass Social-Media-Videos Streiche oder Anmachsprüche an ahnungslosen Frauen zeigen, ohne Unkenntlichmachung. Er plant eine Android-Version. Der Nearby-Glasses-Entwickler Yves Jeanrenaud sieht seine App laut Malwarebytes (zitiert nach 404 Media) als „winzigen Teil des Widerstands gegen Überwachungstechnik“; auslösend waren Berichte über heimliche Aufnahmen etwa in Massagesalons und bei Einwanderungsrazzien.

Digital Trends verweist auf einen BBC-Bericht, nach dem junge Erwachsene auf Partys zunehmend auf Kameras achten, und auf eine YouGov-Umfrage: 54 % der Amerikaner halten das Filmen und Teilen fremder Menschen ohne Einwilligung meist oder immer für inakzeptabel.

Das Wettrüsten: LED abschalten

CNET berichtet, dass Bastler die Aufnahme-LED von Smart Glasses deaktivieren, durch Umgehen der Hardware oder Software-Patches. Die Journalistin Joanna Stern zeigte in einem Video, wie ein Hacker für 100 Dollar die LED ihrer Ray-Ban Meta entfernte. Laut Mixed News legte Kaliforniens Gouverneur sein Veto gegen ein Gesetz ein, das das Abschalten der Aufnahmeleuchte strafbar gemacht hätte; die niederländische Regierung will keine Designvorgaben für Kamerabrillen durchsetzen.

Und dann? Soziale Normen und Alternativen

Was tut man bei einem Alarm? Gehen oder die Person bitten, die Brille abzunehmen. Uttara Ananthakrishnan von der University of Washington sagt, Smart Glasses verlagerten „die Last der Privatsphäre vollständig auf die fotografierte Person“. Even Realities setzt mit der G2 (Ende 2025) bewusst auf eine Brille ohne Frontkamera; CEO Will Wang sagte CNET, so etwas im Gesicht solle auch die Menschen ringsum respektieren.

Szydlowski hofft, dass die App überflüssig wird – ähnlich wie die AirTag-Erkennung inzwischen in iOS und Android integriert ist. Würden Meta oder Snap ihre Brillen gezielt vor Detektoren verbergen, wäre das laut ihm ein weiterer Schlag gegen Verantwortlichkeit.

Einordnung

Die Apps sind ein technischer Notbehelf für ein soziales und rechtliches Problem. Sie liefern einen Hinweis, keinen Beweis, und können ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen – ein ruhiges Radar heißt nicht „keine Brille da“. Fehlalarme durch Quest-Headsets sind möglich, und ohne unabhängige Tests sind die Angaben der Entwickler unüberprüft. Interessant ist der Markt trotzdem: Die Nachfrage zeigt, dass Akzeptanz ein Thema für die Hersteller ist. Wirksamer wären Lösungen im Betriebssystem oder Vorgaben für die Brillen selbst.

Quellen

#smart-glasses#privatsphäre#ray-ban-meta#bluetooth#apps
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